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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-23 · Heft 114 (23.12.1837) · p. Seite 455

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 114 (23.12.1837)
Date
1837-12-23
Page
Seite 455 (sequence 3)
Language
German
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455 und starrsinniges Festhalten an die Weise der Väter «wiedert. Nur wmige waren-klüger geworden und hauen ihre Brüder gewarnt vor dem wankenden Gebäude und den drohend herabhängenden Mauerstücken. Aber sie fanden kein Gehör und flüchteten deshalb, um ihre Sicherheit bedacht, in das unterste Kellergeschoß, das in dem Bauch des Felsens eingehauen war, und sie erweiterten das Innere des Felsengewölbes, das ihnen Schutz vor jeder Unbill des Wetters und vor dem nahen Einsturz der Burgruine gewähtte, und machten auch ein Fenster, das ihnen das Licht von oben hineinsandte. Zwar lebten sie jetzt unter der Erde, tief und niedrig und gebückt, aber es war doch kühl und schattig und chre Behausung festgestützt auf das Felsgerippe. Aber auch das obere Stockwerk stand nicht so neu und sicher mehr da, als zur Zeit der Bauleute. Noch freilich ragte es mir seinem Haupte frei und keck in den Himmel hinein, und gewährte die reizendste Aussicht über die unterliegenden Fluren und Thäler und Wälder. Noch verbreitete der Duft unzähliger Blumen schmeichelnde Wohlgerüche umher, und muntere Singvögel erfüllten die Lüfte mit den süßesten Melodiem. Ueberall Leben und Freude und Lust, — doch das Glück der Zuftiedenheit, die Heiterkeit des Friedens war verschwunden. Kaum war der erste Bau vollendet gewesen und alles schön und einfach zusammmgefügt, da begann ein Icker sein eigenes Gemach noch besonders zu schmücken und mir den kostbarsten Verzierungen zu versehen; jeder wollte an Glanz den andem überstrahlen, und so überhäuften sie denn das Haus innen und außen mit lästigem Schnitzwerke und allerlei unnützm Schnörkeln und Bildern. Daraus emstand denn Mißgunst und Hader, und sie trennten sich von einander, und bald gab es so viele Partheien, als Gemächer waren im obem Stockwerke. Der Thurm aber, welch« früh« allen gemeinschaftlich gedient hatte, wenn sie zu ihr« Erquickung gm Himmel emporstiegm, d« ihnen so nah war, daß sie hineinschauen und sich an dem «habenstm Schauspiel weiden konnten, — dies« Thurm wack nun, da ihn jed« allein besitzen wollte, allen verschlossen und dann zugemauert. Nm von fern noch blieb ihnen d« göttliche Anblick v«gönnt, sie hatten ab« selb« einand« den Himmel verschlossen. Doch die Zeit verlangte auch hi« chren Tribut, und wenn das Haus auch jünger war, so sahen die Bewohn« des Kellergeschosses doch, so oft sie auf den Felsen Hinauskamm, wie es hin und h« wankte und zitterte. Und sie meldeten es ihrm Brüdern im oberstm Geschosse, denn sie lebtm mit dmselbm und dm Ruinmbewohnern in Friedm und Freundschaft« Die ab«, so im Hause warm, merktm nicht, wenn seine Mauem erzitt«tm und das Gebäude schwankmd wurde. Und sie glaubtm dm ttmm Kell«bewohu«n nicht, und nur wenige warm klüg« und verließm ihre prächtigen Gemäch« und suchtm lieb« Schutz im felsigm Kellergeschoß, und wurdm ftmndlich ausgenommen. Da erhob sich plötzlich einmal ein heftig« Sturm und faßte die alte Ruine, daß sie «bebte. Die beängstigten Bewohn« eilten aus ihrm Schlupfwinkel» hervor und suchtm Schutz gegen die Wuth der Elemente. Zu dem oberstm Stockw«ke flüchtetm sie nicht hinauf, denn auch das ward vom Erdbeb m erschüttett und schwankte. Zn die Kell« stiegm sie hinab und fandm daselbst pflegende, theilnehmmde Freunde. Und auch die oberm Wohnlmte fücchtetm sich gar sehr, und sie v«banden sich wieder friedlich mit einand«, und stütztm gemeinsam das schwache Gebäude mit starkm Balkm und Baumstämmm, damit es der Gewalt widerstände. Kaum war ihr Werk vollend«, da stürzte mit lautem Krachm die Burgruine zusammm, und die Steine rolltm donnemd den Felsm hinab. Bleich« Schreckm «griff die armm Bewohn« des obem Schlosses, dmn ach! chr ganzes Haus mtbehtte nun aller Fundamente und mhte in luftig« Höhe allein auf dem schwachm Holze d« stützmdm Bäume. Nun sahm sie die Eitelkeit ihres Untemehmms wohl ei», und «kanntm die große Gefahr, in der ihre Wohnung stets schwebte. Damm stiegm sie allmälig hinab und achtttm nicht mehr ihr« bequemm und heitem Gemäch« und begabm sich zu dm Felsmeinwohnem, die sie gastlich empfingen. Ihnen hatte d« Einsturz nichts geschadet, denn ihr Sitz war d« Fels, fest und jck« Zeit < trotzend; er konnte nicht erschüttett und z«stött w«dm, d« den Grundstein d« Burg mit ihrem «habeyen Stockwerke bildtte; sie hatte auf ihm gemht, und wie «ihrm Ursprung sah, so üb«lebte «ihr Ende, denn « steht ewig un«schütt«lich und unwandelbar. Und so »«einigte « nun nach vieltausendjahriger Trennung in seinem Schooße alle, die üb« ihm gewandelt, wieder in brüdettich« Einttacht und Liebe. — Und sie sahm dm baldigm Sturz des schwankmdm Stockwerks und zittettm nicht; denn ihr Fuß stand sich« und fest, wie d« Fels. Ihr Haus war zwar nur einfach und schmucklos, ab« es herrschte darin Glück und Friedm, und sie konntm nun gemeinsam wird« dm Anblick des Himmels gmießm, d« ihnm allm nahe und offen stand. —*) Berlin. Literarische Bitte. D« Unteqeichnete beabsichtigt: Das Gesammtgebiet der Literatur über Emancipation der Jude» zu *) Die oben «u'tgetheilte Parabel bildet den Mittelpunkt einer Reihe von Gesprächen rüber das gegenseitige Berhältniß zwischen Christenthmn, Judmthum und Deismus,« die ich in ein« später» Zeit noch zu »«öffentlichen gedenke. D« Einsend«.

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