Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 113 (21.12.1837)
- Date
- 1837-12-21
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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451 Zu diesen Eigenschaften rechnet man gewöhnlich und mit Recht, daß nichts Schlüpfriges und für das zarte Kindesalter Schädliches darin enthalten sei.- Nicht weniger rechnen wir aber auch dazu, daß sie streng confessioncll abgefaßt sei und durchaus nichts enthalte, was der Conscssion entgegen ist. Wenn auf das Confssionelle keine Rücksicht gmommen ist, so geht für dieses die wohlthatige Wirkung verloren, welche der auf biblische Geschichte gegründete Religionsunterricht hat. Wenn aber die biblische Geschichte geradezu der Confefsson widerstreitende Lehren oder Auslegungen der heiligen Schrift enthalt,- so macht dieses gewiß nothwendig, daß man ein solches Buch aus der Schule entferne und den Kindern ein anderes confessionell abgefaßtes in die Hände giebt. Dieses ist so einfach und klar, daß man jedes Wort hierüber für überflüssig zu halten versucht wird. Allein desto auffallender und unerklärlicher ist es, warum in den meisten jüdischen Schulen des Untermainkreises noch immer die biblische Geschichte von Schmidt eingeführt ist. Man vergleiche nur die Stellen S. 10. 21. 25. 59. 212, und sage, ob dieses Buch zum Gebrauche in jüd. Volksschulen geeignet sei. Da es nun aber wirklich gebraucht wird, so scheint es nicht ganz überflüssig auf die Nachtheile aufmerksam zu machen, die daraus hervorgehen undzum Theil schon hervorgegangen sind. 1) Ist es schon sehr unpädagogisch, wenn man Kinder widersprechende Lehren zugleich lernen laßt. Der jüdische Knabe lernt in seiner jüdischen Bibel diese Stellen ganz anders übersetzm und sie werden ihm ganz anders erklärt, als er sie hier in der biblischen Geschichte liest und auswendig lernt. 2) Wird diese für das jüdische Kind das Ansehen verlieren und nicht mit der Ehrfurcht betrachtet werden, wie ein solches Buch betrachtet werden sollte; denn wenn der Lehrer als jüd. Religionslchrer seine Pflicht erfüllen will, so muß er das Kind darauf aufmerksam machen, daß die Stellen nach der jüdischen Religionslehre nicht richtig übersetzt und erklärt seien. Das Buch enthält dem Kinde demnach Unwahrheiten, und es kann ihm also auch sein volles kindliches Zutrauen nicht mehr fchmken. Und würde der Lehrer es unterlassen, so würden es gewiß die Eltern thun, welche wollen, daß ihre Kinder in den jüd. Religionsschulen auch jüdische Religion lernen sollen. Dann entsteht der noch weit größere Nachtheil 3) daß Lehrer und'Eltern in Gegensatz treten und leicht auch jener sein Zutrauen bei dem Kinde verliert, wmn auch von dem Zwiespalte mit den Eltern selbst abgesehen wird. Der Nachtheil 4) selbst für die religiöse und sittliche Bildung des Kindes unter diesen Umsiändm ist unverkennbar, und verdient sogar von Seiten des Staates eine sorgfältige Beachtung. Wie soll überhaupt der Lehrer dem Kinde die Unterschiede deutlich machen, die hier zur Sprache kommen müfsm, und wenn er es thut, wird es ohne nachtheiligen Einfluß geschehen können? Ein anderes war cs, obgleich auch da nicht zweckmäßig, als die biblische Geschichte nur für die christliche Schule im Gebrauche war, und auch die Kinder jüdischer Religion nur dort von ihr Gebrauch machten; in der Religionsschule aber, nur aus der Bibel die Geschichte lernten. Die Schule war eine christliche, der Lehrer ein Christ; und es fand das Kind nichts Anstößiges daran, in einem christlichen Buche christliche Namen und Lehren zu finden. Dagegen ist die Schule jetzt eine jüdische, der Lehrer ein Jude, und das Buch erscheint dem Kinde als ein jüdisches, und muß ihm als ein solches erscheinen, da es sogar bei manchem Lehrer die ganze Bibel ersetzt. Nothwendig wird also das Kind entweder der jüdischen Religion Widersprechmdes lernen, oder es wird zum Nachdenken über Gegenstände angeregt, auf die seine Aufmerksamkeit gar nicht gelenkt werden sollte. Die jüdischen Kinder sollen wohl wissen und erfahren, daß es außer der jüdischen Religion noch mehrere Religionen giebt, sollen Achtung vor jeder zu haben lemcn und noch mehr vor der christlichen, die die heilige Schrift mit uns als göttlich anerkennt; aber die Differenzpunkte oder die polemischen Streitigkeiten gehören nicht in die Sphäre der Kinderwelt. In manchen Gemeinden hat dieser Umstand auch wirklich schon zu Feindseligkeiten zwischen Lehrern und Gemeindegliedern Anlaß gegeben, die sehr zu beklagen sind. Wir fordern daher 'die Rabbinen Baierns im Namen aller ftommgesinnter Israeliten und im Interesse der heiligen Religion auf, eine Eingabe bei dem König!. Staatsmini st erium ergehen zu lassen, und um die Einführung einer neuen von Israeliten verfaßten oder nach der bestehenden für Israeliten bearbeiteten biblischen Geschichte für ganz Baiern zu bitten. Die Gewährung dieser Bitte ist nicht, zu bezweifeln, und .als Anordnung des Ministeriums wird dann auch in unserm Kreise und in den Distrikten, wo kein Rabbiner ist, geschehen, was in Schulen, die unter Rabbinen stehen, wahrscheinlich bereits geschehen ist. *) Unsleben. Dr. L. Adler. *) So sehr wir die Beherzigung dieser Worte wünschen, so können wir-doch nicht unterlassen, zu bemerken, daß wir schon Lehrbücher der biblischen Geschichte besitzen, die alle Wünsche befriedigen, und die, da sie doch schon vorhanden sind, eingeführt zu werden verdienen, so die »kleine Bibel von Dr. Büdinger 3. Aufl.,« die Lehrbücher von Zos. Mayer, von Abraham Cohn und Dünkclsyiel, letzteres mir »Lehren und Denkversen« angemessen versehen. Die Redact. 1