Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 113 (21.12.1837)
- Date
- 1837-12-21
- Page
- Seite 450 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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450 wurden in verschiedenen Künsten, Gewerben und Handwerken unterrichtet.« Wir haben zwar Ursache, diese Zahlen als Druckfehler anzusehen, indem die über 2000 noch fehlenden Israeliten doch wohl nichttmüßig gehen oder Capitcklistm sind, und also auch etwas 'treiben müssen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Dennoch dürfte cs nicht überflüssig sein, diese Angabe als unrichtig zu bezeichnm, die doch Mancher als wahr anzunehmm geneigt sein konnte. Glücklicher Weise sicht sich der Unterzeichnete in den Stand gesetzt, diese Angabe schlagend zu widerlegen. Durch andere Veranlassung besitze ich von einem Theile des Untermainkreises genaue statistische Angaben der Juden im Untcrmainkreise, und die ersten 10 Ortschaften, die ich herausnehme, liefern folgendes Resultat: 191 Familien, und darunter sind 32, w elche Landwirthschaft treiben, 35 welche von ordentlich erlernten Handwerken sich nähren; also mehr als der dritte Theil. Nun läßt sich aber doch nicht wohl annehmen, daß gerade in diesen 10 Ortschaften und gerade unter diesen 191 Familien sämmtliche Landwirthe und Handwerker sich befinden. Vielmehr ergiebt sich fast im Ganzm dasselbe Resultat, baß •£- von dem Betriebe eines bürgerlichen Gewerbes sich nährt. Wenn übrigens an einigen Orten, und besonders bei großem Gemeinden, ein geringeres Verhältniß sich herausstellt, so möge man bedenken, daß erst im Jahre 1817 die Erlaubniß, Handwerke zu erlemen und Feldgüter zu kaufen, gegeben wurde; daß femcr zufolge des Mrttikels nicht mehr sich ansässig machen konnten, als starben, und mdlich das Mandat: »ein nicht auf öffentlichem Striche von einem Juden erkauftes Haus kann diesem von den Christen weggenommen werdm,« wohl Manchen zurückhielt, der Oekonomie sich zu widmen. Eben so unrichtig ist femer die Angabe, daß 100 Judensöhne in verschiedenen Künsten, Gewerben und Handwerken unterrichtet werden. Ich weiß von 3 einzigen Landgerichten, in welchen mehr als 150 theils in der Lehre stehm, theils als Gesellen arbeiten. Bei dem guten Willen der Herren Herausgeber sind uns diese Angaben wirklich unbegreiflich. — Dr. L. Adler. Theologie. Ein Wort zu seiner Zeit, zunächst an die baierschen Rabbiner gerichtet. *) Wärm in Baiern überall Rabbiner angestellt, und alle Rabbiner wissenschaftlich gebildet und fähig für Schule und Gotteshaus das Nöthige zu leisten: dieses Wort wie manches andere dürfte vielleicht überflüssig sein, Unterzeichneter würde es wenigstens nicht für nöthig erachtet und von dm Rabbinem ohnehin das Geeignete erwartet habm. Allein *) Obigen beherziaensrverthen Aufsatz möchten wir der geneigten Berücksichtigung einflußreicher Israeliten in Baiern dringend empfehlen, damit dem gerügten Ucbelstande bald abgeholfen werden möge. Der Einsender Dr. B. B. Beides ist leider und besonders im Untermainkreise nicht der Fall. Viele Distrikte sind ndch ganz ohne Rabbiner, und viele Rabbiner. sind besonders unfähig, ein wachsames Auge auf die Schule zu habm, und sehen nicht, an welchm Gebrechen sie leidet. Unter diesen Umständen ist es gewiß zu seiner Zeit, oder wäre es schon langst Zeit gewesen, solche Gebrechm öffentlich zu rügen und zu ihrer Abhilfe die Verwendung anderer Rabbiner in Anspruch zu nehmen. Die Grmzen des Distriktes beschränken wohl die amtliche Thätigkcit des Geistlichen und gestatten ihm nicht, über diese hinaus sie zu erstrecken, aber wir hoffm, daß der Theilnahme und dem Interesse damit keine Schranken gesetzt sind und erwarten, daß die Punkte, welche hier zur Sprache kommm sollm, wohl Beherzigung finden werdm. Das scheint mir der geeignete Weg zu sein, den armen verwüstttm Gemeindm, die, nach dem gewöhnlichem Ausdrucke, ohne Annehmer und der Willkühr preisgegeben sind, einensolchen zu verschaffm. Unter den vielen Rabbinern, welche Baiem dcrMalm zählt, wird es doch wohl manchen geben, der Zeit und Willm hat, seinen Blick auf solche Gemeinden zu richten, die ohne ihre Schuld, Schafen ohne Hirten gleich sind und der auf gesetzlichem Wege zur Abhilfe ihrer Beschwerdm geeignttm Schritt thut. Wir machen nicht mit dem wichtigsten Punkte den Anfang, aber doch mit einem, 1>er wichtig genug ist, daß er beachtet zu werdm verdient. Es ist zunächst di» Schule, die wir hier im Auge haben und von dieser das Lehrbuch der biblischm Geschichte, welches gegenwärtig noch eingefühtt ist. Biblische Geschichte ist unstreitig das vorzüglichste Mittel, Religion dem Herzm des Kindes einzuprägen. Das kindliche Gemüth erfaßt die Lehren, die ihm hier im Bilde anschaulich vor die Seele gehalten und in anmuthigen Ertzählungm, woran Kinder besonders sich ergötzen, unterhaltend beigebracht werdm, lebendig und innig, und gräbt sie seinem Innern oft so tief ein, daß sie wmiger denn jede andere Lehre daraus vermischt wird. Der Religionsunterricht auf biblische Geschichte gegründet, hat vor der nach dem Katechismus und besonders für die noch im zatterm Kindesalter stehmdm Schulen viele Vorzüge. Er erfaßt Geist und Herz zugleich, und er bedarf nicht erst der Beredsamkeit des Lehrers um Anschauung und Rührung hervorzurufen. Je tiefer aber der Religionsunterricht auf biblische Geschichte gegründet sich eingeprägt und je wichtiger darum der Gebrauch derselben in der Schule ist, desto nothwendigcr und unerläßlicher ist es, darauf zu sehen, daß das Buch der biblischm Geschichte, welches Lehrer und Kinder in Händm habm, auch nicht der erforderlichm Eigenschaften ermangele oder gar solche habm, welche nachtheilig wirken können.