Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 112 (19.12.1837)
- Date
- 1837-12-19
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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447 vom Morgen an Rosen im ganzen Hause aus. Abends [ wollte man die Gebete gemeinschaftlich verrichten, und Elizhama wurde beauftragt von ihren Schwestern, Zakson zu ersuchen, den Abschnitt des Tages auS der schönen Erbbibel vorzuleftn. Elizhama näherte sich dem Zimmer ihres Bruders, um dieses Gesuch auszurichten, als sie lebhafte Stimmen vernahm, welche sie mit Schrecken erfüllten. Sie zögette, bewegt, unentschlossm, sollte sie vorwärts, sollte sie zurückgehen? In diesem Augmblicke der Unentschiedenheit drang die Stimme ihres Bruders zu ihr. Diese Stimme war die eines Bittenden. »Störet nicht die Heirath meiner Schwester,« sagte er. »Ich muß diesen Abend die. Summe haben, oder die Erbbibel,« erwiedette eine andere Stimme, welche Elizhama zu kennen glaubte, ohne sich erinnern zu können, wo sie sie schon einmal gehött; da wollte sie, auf die Gefahr, eine Unbescheidenheit zu begchm, eintteren, als sich plötzlich die Thüre öffnete; drei Männer kamen heraus; sie wich aus, um sie vorübergehen zu lassen, und in dem Einen von ihnen erkannte sie einen alten Juden, einen Wechsler, den sie seit einiger Zeit öfters zu Iakson kommen gesehen. Elizhama ttat ganz zersiött vor ihren Bruder. »Mein Gott,« sagte sie zu ihm, »von was sprach dieser Greis? was wollte er?« . . . und, indem sie Iakson bettachtete, bemerkte sie seine Blässe. »Das betrifft dich nicht,« erwiederte er, eine Sicherheit affektirend, die seine Züge und seine bewegte Stimme Lügen straften. »O, mein Bruder! du sprachst davon, meine Heirath nicht zu stören; dann war von der Erbbibel die Rede;. Iakson, habe Mieleid, antwotte mir, mein Bruder, mein Freund, im Namen unserer armen Mutter, antwotte mir!« Zakson setzte sich stillschweigend; Elizhama «neuerte ihr Flehm. »Wenn du Alles gehött hast, warum ftägst du mich?« sagte « mdlich kalt. ' »Also hast du »me Schuldm gemacht,« sprach Elizhama bestürzt; »ab« warum redtte dies« Mann von der Erbbibel?... Zakson,« fuhr sie mit Nachdruck fott, »du hast am St«belager unftres Vaters und unser« Mutt« gcschworm, niemals dich von diesem Buche drs Gesetzes zu trennen: Iakson, ich beschwöre dich, dein Versprechm zu haltm.« »Ich habe geschworen, mich von ihm zu ttmnm wed« für Gold noch für Silb«,« erwied«te Iakson mit ein« hohlen Stimme. »Nun? . . .« sprach Elizhama kaum athmend. »Ab« nicht für meine Ehre,« fügte « hinzu. »Was willst du damit sagm? im Namen des Gottes ^Israel, erkläre dich!« »Du bist nur ein junges Mädchen; aber du wirst mich verstehen,« sagte Zakson, und ließ seine Schwester sich neben ihn setzen und drückte ihr die Hand; »ich habe, sei es in den Geschäften, sei es anderswo, drcimalhundcrttausend Franks verloren, welche dieser Mensch mir geliehen hat . . . ich habe Wechselschulden gemacht, morgen sind sie fällig. . . . Wenn ich morgen nicht bezahle, übermorgen «klart man mich für banquerout . . . banqu«out! . . . weißt du, was das heißt, Elizhama?« »Das heißt die Ehre verlieren,« erwiedette sie «bleichend. »Du hast es gesagt.. Und glaubst du, daß die Erbbibel, so heilig sie auch ist, meine Ehre aufwiegen kann?« »Unglücklicher! . . .« rief Elizhama aus. ... »Aber fem sei von mir der Gedanke, dir Vorwürfe zu machen.. . du bist zu schuldig, um nicht vielmehr bcklagenswetth zu sein. Giebtes kein Mittel, das Ucbel zu bessern?« »Keines... auß« dem Wunsche dieses Menschen zu genügen; seit lang« Zeit hat « es auf dieses Gesetzbuch abgesehen; er bezahlt es weit über den Werth; ich habe cs schätzen lassen, es sind für keine ftrnszig Tausend Thal« Edelsteine daran.« »Das heißt,« unterbrach ihn Elizhama heftig, »als Gegenstand des Handels, er bezahlt cs dir als Kaufmann weit üb« den Wetth; ab« ist denn das Gebetbuch eines Vat«s für dich ein Gegenstand des Handels und des Tausches? Mein Bruder! furchte, .was dein Vater gefürchtet; alles ist von Wichtigkeit im Glauben, behandle nicht leichtsinnig heilige Dinge! . . . .« »Ab« was soll ich thun,« sagte Iakson, indem er mit geballt« Hand an die Stirn schlug. »Willst du, daß ich mir den Kopf zerschelle vor Verzweiflung?« »Ach, mein Bruder,« erwied«te Elizhama, und ergriff nun ihrcrftits die Hände Zaksons, »bist du schon so weit, deinen Schöpf« nicht mehr zu erkennen? gehött dein Leben dir? gehött es nicht Gott, mir, meinen Schwestern, dem armen kleinen Ammiel?« »Dir? dir ist es unnütz,« sprach Iakson mit Bittttkeit, »hast du nicht deinm Selem?« (Schluß folgt.) Literatur. Kritische Geschichte öffentlicher Verhandlungen über die bürgerliche Gleichstellung aller Religionspattheien in christlichen Staaten. Dom Prof. Krug. Recension von Delitzsch, zur Gesch. der jüd. Poesie, in Len Bl. s. litrrar. Unterhalt. No. 317 ff.