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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-16 · Heft 111 (16.12.1837) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 111 (16.12.1837)
Date
1837-12-16
Page
Seite 443 (sequence 3)
Language
German
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443 Ich aber erhebe mich, strecke die Hand zum Himmel,, und spreche'fest und stark: Ich glaube an die Menschheit!' Mag sie auf der hohen Stirn immerhin den Staub der Erde noch tragen, von der sie sich langsam ausrichtet; mag ihre Hand, die nach dem Himmel greift, immer noch von den gistgefullten Stürmen, die über die alten stehenden Wasser sichren, zurückgeschleudert 'werben, oder von dem sengenden Samum, der von der Wüste kommt und die Wüste weitertragen will, ermattet niedersinken; — einst wird sie den Himmel erreichen mit Stirn und Hand: ich glaube an die Menschheit! Dein Werk, Menschheit und Deine Aufgabe wurde nicht blos der Kampf, der ewig sich weiterspinnende, sondern auch das Erringen, aber das mühselige, und jeder Schritt, den Du aufwärts thust^ sollte eine Siegesttophäe werden, eine schwer aber tapfer verdiente — darum glaube ich an die Menschheit! Du wärest ein Kind in Windeln, aber Du wirst mannbar werdm; Du lägest auSgestreckt, und das kriechende Gewürm der Erde umschwirrte Dich, aber Du erhebest Dich, schüttelst das Gewürm von Dir, und zertrittst es mit dem Fuße. Schon umwehet Dich der kräftige Hauch der Alpen und. spielt mit Deinen Locken, und die Hand, die lange zum Zeitvertreib hämmerte und zimmerte und spaltete, wird stark und mächtig: dann zerbrichst Du ein Glied der Sklavmketten nach dem andern, und die Schrankm und Mauern, und rufst durch die Welt mit der Stimme der Erlösung: Ihr seid alle meine Kinder und Brüder, lebet, ein Jeder nach seiner Art, wenn nur im Frieden und im Rechte! Und an diese Menschheit glaube ich! Miszelle. Die Blatter für literar. Unterhalt. No. 290 erzählen Folgendes, was wenigstens zur Unterhaltung, und auch zur Bezeichnung des englischen Geistes diene» kann. Bei dem Lordmayor von London war neulich eine Beschwerde ganz eigener Art angebracht. Ein Jude, der wegen einer Steuerdefraudation in das Gefängniß von Giltspurstreet gerächt ward, beklagt sich, daß man ihn all« Sonntage .zwinge, in der Kapelle dem Gottesdienste nach anglicanischem Ritus beizuwohnen. Der Beschwerdeführer erklätt durch seine» Bevollmächtigten, daß der Ausscher sich taub gegen alle seine Vorstellungen gezeigt und bchauptet habe, die eingeführte Ordnung des Gefängnisses sei für Alle gleichförmig; sämmtliche Gefangme, zu welchem Glauben sie sich immechiu bekennen möchtm, müßten sich alle Sonntage in die Kapelle begebm; jedem stehe blos das Recht zu, in seinem Innern nach den Vorschriften seiner Religion zu beten. »Dies ist«, sagte der Lordmayor, »das erste Mal, daß ich von Zwang höre, den man gegen einen Juden ausübr, um ihn zu den Ceremonien einer Gottesverehrung zu nöthigen, die mit seinem Glauben nicht übereinstimmt. Wenn ein« solche Verfügung wirklich existirt, so ist dieselbe unverttäglich mit dm liberalen Gesirmungm, die Londons gesammte Bevölkerung beseelm.« Gooch, der erste Kerkermeister, dm der Lordmayor requirirt hatte, antwottete: »Was dmkm sie? Wollte man auf die Gefangmm hörm, so würdm alle Judm sein und kein einziger dem von dem ehrwürdigen Boddington gehaltmen Gottesdimste beiwohnm wollm. Die Kacholikm würdm dieselbm Gründe, um loszukommen, geltend machm wie die Juden. Weit einfacher ist es. Alle in die Kapelle zu schickm; das ist eine Sache von einer Smnde oder zweim, und die Wächter habm so lange gute Zeit. Ich frage überdem, ob man uns gestattm würde, das einzige Mittel anzuwmdm, um uns zu versichem, ob es ein Jude ist odet nicht.« (!) Da er noch weiter in technische Einzelheiten einging, unterbrach ihn der Lordmayor und sagte: »Wenn der Gefangme ein Jude ist, so muß er gewissmhast dm Sabbath haltm, gewisse Gebete zu bestimmt« Stundm des Morgens' und Abmds hersagm, und wenn ihn Diejmigm, die man als Judm kennt, für ihrm Glaubmsgmossm erklärm, so ist kein Grund vorhandm, sein Gewiss« zu verletzen. Ich verlange also, daß der Mißbrauch, von dem mich die angebrachte Beschwerde in Keruttniß gefetzt, abgeschafft werde.« »Gut,« antwottete der Kerkermeister; »nun werdm Sie aber sehm, daß unsere irländischm Kacholikm sich für Judm ausgebm werdm, um Sonnabmds nicht arbeitm zu dürft» und Sonntags nichts zu machen.« Lese aramäischer Gnomen. (Fortsetzung.) 20. Die Narren Babels pflegen dem Brode Brod als Zukost beizulegen. 21. Wer wN eine Stadt aufnehmen, *) muß sich auf den Markt bequemen. 22. Am Ende der Mesflaszeit vermehtt sich die Vermessenheit. 23. Wenn man mähet, säe, wenn man säet, mähe! 24. Durch Jungfrau'», die nur nach dem Himmel schmachten, durch Witwen, die nur nach Visiten wachten, durch Kinder, vor der Zeit geboren, geht alles Glück der Welt verlvrm. *) Zur Vermessung der Bauplätze. (Fortsetzuag folgt.)

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