Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 111 (16.12.1837)
- Date
- 1837-12-16
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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442 Rede das prophetische Wort unverfälscht vertragen, wenn .sie j auf das Herz und dm Verstand ihrer Zuhörer einwirken, j und sie zu hebm und auf eine höhere Sphäre hinzuweifen I streben, als mit krittelnder Kaltblütigkeit zur Aufsuchung von Blutigellarvm in dm Schlamm fuhren; wenn sie der Sittlichkeit, der Wohlthatigkeit, der Familim- und Nächstmliebe das Wott reden, wmn sie mit Bescheidmheit austreten und in Gottesfurcht wirkm, wmn sie Liebe und Friedm in ihrm Gemeinden zu erhaltm streben und nicht'im mikrologischm Sinn das Mikrologische antasten und Pietät gmug habm, tolerant zu sein, und klug genug sind, nicht durch unnütze Kampfe das Bessere zu verlierm, wenn sie den Gottesdienst, diesm mächtigm Hebel der Bolksveredlung, verschönern und veredeln. —= Glaubst du, daß solche Männer unnütze Subjecte für das Wohl Israels find, daß ihnm, wmn auch nicht Priesterwürde und Priesterehre, aber doch Lehrerwürde und Lehrerehre nicht gebühre, glaubst du, daß die Jechidim mit ihrem hundertköpfigem Willen und einheitskosem Strebm, unter dmm in jeder Gemeinde wie Pihe Unverbesserliche, von Eigmsinn, Ignoranz, persönlichm Rücksichten geleitete Jndividum immer wieder von neuem auffchießm, daß diese Jechidim eine bessere Gestaltung herbeiführm könnm? Dmch Erziehung der Jugmd zur Wiffmfchaftlichkeit, durch Aufklärung derfelbm in religiöser Hinsicht, durch ästhetische Einrichtung des Cultus, dieses äußerm Volksrepräftntantm der Gottrsverehrung, wird Austlärung in Israel befördert, — dann fällt der babylonische Thurm von selbst, weil das Volk die Sprache seiner Erbauer nicht mehr versteht. Willkommm wollm wir in Israel solche Männer heißm, die auf obige Art wirkm, wir wollen solche Männer aus unferm Sßhnm erziehm, sie ehren und ehrmvoll haltm in dm Gemeind m. Fragst du, wie du deinm Kindern die Resignation erleichtern sollst, die ihnm ihre jüdische Geburt auferlegt. Ich ersiehe die meinigm folgendermaßen. Ich erziche sie zuerst als Menschen an der Brust der Natur; ich lehre sie Gott, dm einzigm und einige» Vater aller Mmschm mit seinm überherrlichm Eigmschaftm kennm, ich lehre sie Vater und Mutter und Lehrer chrm, und die Mmschm liebm, und Eigmthum achtm und keine böse Begierdm habm und kmsch und ttm sein. Habe ich sie so in der Gegenwart, in dm Armm der Natur gebildet, und könnm sie dann begreift», was Vergangenheit ist, dann, erziehe ich sie in der Geschichte, d. h. ich erziehe sie als Israeliten. Ich sage ihnen, daß. sie von altem , maltem AdÄ sind, ich zeige ihnm ihre Ahnm an dm Uftm des Euphrat und Jordan, ich lchre sie Israel bereift» und seine tausendjährige Geschichte, und präge ihnm. ein, ihre Abstammung nicht zu vergeffm. 'Und dann erziehe ich sie für die Zukunft zu Bürgern des Staates, zur Treue für König und Vaterland , zur Thätigkeit im Berufe, ttnb wenn du deine Kinder, wie ich nicht zweifele, eben so erziehest, so werdm wir Ehre einlegm, mein Bruder, und es wird ihnm leicht werdm, Israels Namen zu ttagm, dmn auch sie werdm diesm Ramm verherrlichen! Der Glaube an die Menschheit. 1. Menschenhasser' hebm die Fesseln klirrmd auf, welche um die Arme der Sklavm rasseln, zeigm mit dem gebogmm Finger auf die Wundmmale auf ihrem Rückm, und fragen höhnisch: — glaubest Du an die Menschheit? Mmschmverächter nahm mit aufgezogmm Augmbraum meinem Ohre, und rufm dröhnmd in die Muschel: Ja Lckedämon hieße» sie Heloten, amJndusParia, amNil Hebräer; die ro then Brüder verschmachtm in dm Bergwerkm Peru's, und die schwarzen am Sirdekessel auf dm Antillen — glaubest Du an die Menschheit? Biele Jobeljahre find über die Erde gegangen, aber man achtet ihrer nicht, und das Jobeljahr ist kein Freijahr gewordm, und die hohm ehernm Statum werdm nach dem Tode gefetzt, und noch giebt es Völkernamm, die Spottnamm fmd — glaubest Du an die Menschheit? Und der Morgmländer spricht zum Abendländer: G i a « r! und der Abmdländer zum Jüden: Jude! beide aber nicht: mein Bmder! — glaubest Du au die Menschheit? Siehst Du dort die Schrankm und Mauem; die Schrankm umfassm nicht Verbrecher, die Maurm umschließm nicht ergraute Sünder, sondem Kinder wie Greise, Fraum wie Männer sind hiueingechan, weil sie geborm sind als die und die, und nicht als jme, die draußm stehm und di« Schrankm und Mauem bewachen, und wenn ihr neugebomes Kind dm erstm Schrei ausstößt, begrüßt es die Schrankm und die Mauem, und über sein Haupt mft» die draußm: Bleibe drinnm DeinLebmlang! — glaubest Du an die Menschheit? Bemfe Dich nicht auf die Jahrhunderte, dmn sie verrollm, und mit der Menschheit, die sich wiedergebärt, gebärt sich der alte Haß und die alte Knechtschaft immer wieder, und was hier niLerstürzt, steht dort wieder auf. Siehst Du, die altm Häupter mit dm gefürchtm Stimm die sparsamm Silberlockm schütteln und sprechen: in unserer Jugmd war eS ganz ebm fo, wmn nicht besser! — Glaube nicht an die Menschheit!-