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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-16 · Heft 111 (16.12.1837) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 111 (16.12.1837)
Date
1837-12-16
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
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444 Liter a tur* (Schluß der Receasio» in N. uo.} tjinj? sagt C. (S. 148) ist nicht heilig in unserm Sinne, sondern hehr; allein dies ist wieder zu unbestimmt gefaßt. Es hat zuerst den Begriff des Gewcihtseins, woraus sich" der der Reinheit (im physischen und moralischen Sinne entwickelt). Daß 3 Mos. iy, 2. der Begriff wirklich moralisch gefaßt werde, hat der Vers, richtig angeführt. Die scheinbaren Widersprüche gegen die Reinheit Gottes, daß er nämlich seine Beschlüsse umändert, und Böses befiehlt und bewirkt, ist der Verf. geneigt (S. 152) aus den unvollkommenen sittlichen -Begriffen der Hebräer abzuleiten: vergißt aber auch nicht zu bemerken (S. 184), es liege dies zum Theil nur an unvollkommener, unbestimmter Ausdrucksweise. Allein schon Abrahams Wort 1 Mos. 18, 25: »der Du aller Welt Richter bist. Du wirst nicht richten;« zeigt deutlich, wie streng alle Ungerechtigkeit von Gott fern gehalten wurde. Wenn man also Gott seine Beschlüsse ändern ließ, so wollte man nur sagen, daß der Mensch nicht unter einem blinden Fatum stehe, sondern jedesmal nach seinem sittlichen Verhalten (gerecht) behandelt werde; und wenn man Böses von Gott ableitete, so lag dabei die Idee einer -roluntas Dei occulta zum Grunde, der auch das Böse dienen muß, welches er nach seiner voluntas revelata verboten hat. — Wie wenig sich die Theokratie von dem Religionsglaubea der Hebräer ablösen lasse, sieht man besonders an dem Begriffe der Gerechtigkeit, welcher, wie S. 160 richtig bemerkt wird, sich fast immer auf das mosaische Gesetz bezieht. Aber nicht' blos Hiob 34, 11. 12. sondern noch stärker 36, 8 ff. wird eine universale Gerechtigkeit geschildert: zudem konnte das Gesetz', obgleich positiv, mit Recht auch als allgemein giltig angesehen werden, insofern es auf die Bergeltungslehre basirt ist. Der Grundsatz der Theokratie wird S. 251 sehr klar entwickelt, und nicht unbemerkt gelassen, daß er ein universales Fundament habe: Gott der Herr über alle Völker, hat sich ein einzelnes ausgewählt, zur Erhaltung des Monotheismus. Aber wie lösen wir den Widerspruch, wenn der Bers. sagt, die Theokratie führe zur blosen Legalität; und dann wieder: sie fordere reine Sittlichkeit? Hier war hervorzuhebcn, daß die Theokratie nicht blos Lehre war, sondern auch Symbol der äußern Staatsverfassung (als eines Bundes). Zn ersterer Beziehung forderte sie Moralität, in letzterer dlose Legalität; und sobald nun das Symbol für'die Sache selbst gehalten wurde, wie namentlich nach dem Eril, konnte äußere Gesetzlichkeit nicht ausbleiben. (Bergl. S. 287) Mit Recht wird S. 270 behauptet, daß die Opfer nicht blos als Symbole der Aufhebung der Sttafe angesehen wurden, sondern als wirkliche Ueberttagung der Sttafe: gerade daraus erklärt sich das so oft durchblickende Gefühl von der Unzulänglichkeit der Opfer. Was S. 277 ff. von Priestern, Festtagen und Reinigkeitsgcsetzen gesagt wird, gehörte in dieser Ausführlichkeit wohl nicht hierher: nur die leitenden Prinzipien waren zu entwickeln. Die nunfolgende Schilderung des Judaismus ist ohne Zweifel der wcrthvollste Thcil des ganzen Buches, und giebt bei aller Kürze doch ein ohne Vergleich klareres Bild, als die etwas verworrene und oberflächliche Darstellung in A. Th. H a,r t m a n n' s: »Enge Verbindung des A. und N. Test.» Nur müssen wir darauf zurückkommcn, daß Wiederholungen vermieden, und die Entwicklungsstufen noch lechtbarcr geworden wären, wenn der Werf. statt nach der äußercn Geschichte, nach den religiösen Grundideen selbst disponirt hätte. Der Charakter des Iudenthums wird S. 360 . sehr schön beschrieben als der Glaube, daß die Offenbarung in den heiligen Schriften abgeschlossen sei, welche daher Gegenstand metaphysischer Spccularion wurde. Der Verf. behauptet S. 352 eine starke Einwirkung persischer Religionslchren auf die Theologie der Juden, wobei wir nur zwei Bemerkungen machen wollen. Erstens, daß die Bearbeitungen des Zendavesta durch Anquetil und Klcukcr jetzt nicht mehr genügen, seitdem wir gründlichere Forschungen, wie die von Bournouf (die der Derf. freilich noch nicht kennen konnte) erhalten haben. Zweitens ist es an sich nicht recht wahrscheinlich, daß die Juden bei ihrem erhöhten Hasse gegen die Ausländer viel von denselben sollten angenommen-Haben. Das Meiste, was man dahin rechnet, läßt sich auch als eine Entwickelung des HebräismuS selbst bettachten, . z. B. die Gottheit ein Lichtwesen, die Hypostasirung des göttlichen Wortes, die Auferstehung, die Klassen der Engel, und der Satan, von dem Cölln selbst bemerkt, daß er den Juden nie ein böses Grundwcsen war. Höchstens kann man zugeben, daß durch fremde Lehren die Speculation der Juden angeregt wurde, und daß einige Engclnämen Nachahmung der Zendlehre sind, aber doch im hebräischen Geiste. Daß Daniel den Geist des wahren Prophctismus verkannt habe (S. 460), kann man wohl eigentlich nicht sagen, da er sich nur der Form' der längst verstorbenen Prophetik bedient, um durch groteske Bilder neues Interesse für die fast verschwundene Messias - Idee zu wecken. Vortrefflich finden wir die Darstellung der Theologie Philo's: nur hätte in seiner Sittenlchre die platonische Ueberschätzung der Contemplation hervorgchoben zu werden verdient. Anzeiger. Z« demselben werden Annoncea aller Art gegen Gr. Eebübreo für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Der lagshaudlung. Ein geprüfter, wissenschaftlich gebildeter Lehrer, der insbesondere gründliche Kenntnis e des Talmud, wie aller rabbinische» Schtt'ftcn besitzt, und bereits eine Reihe von Jahren bei ansehnlichen gebildeten Gemeinden als öffentlicher Lehrer und Prediger, laut bewährter Zeugnisse mit bedeutendem Erfolge fungirt hat, wünscht eine seinen Fähigkeiten angemessene Thätigkeit. Es werden daher Reflectirende ergebenst ersucht: ihre respectiven Anerbietungen unter Addressek. 8. an die Derlagshandlung dieser Zeitung franco gelangen zu lassen, welche die weitere Besorgung übernehmen wird. In Berendsohns Buch- und Kunsthandlung in H am - bürg ist so eben erschienen und durch alle Buch - und Kunsthandlungen zu beziehen: Die Heirnkehr -es jüdischen Kriegers gemalt von Oppenheimer, lichographrrt von Otto Specter. Das Original ist im Besitze des Herrn Dr. Riesser, dem es von den Israeliten des Großherzogthums Baden als Ehrengeschenk überreicht worden. Preis auf chines. Papier 3 Rthlr. - auf weißem - 2 Rthlr. 12 Gr. Lehrlirrgsgesrrch. Ein israelischer Uhrmacher, der in ein« bedeutende» Stadt Thüringens ein lebhaftes Geschäft hat, wünscht einen gebildeten jungen Mann in die Lehre zu nehmen. Das Nähere ist bei der Redaction dies. Zeit, zu erfahren. Druckfehler. No. 97. Seite 386. Sv.r. Z.I». st. Uebcrgang l. Untergang; Z. 16st. 28. LSI.; Sv.2. Z. 21. st. Sabdarh-Qvftrs.l. Sabbarh- Oscns; Z. 27. besorgen, fallt weg; Z. 29. st. Gemeinde-Collegium l. Vorsteher-Collegium; S. 287. Sv. i. Z. io. st. Dienende Personen L Fremde dienende Personen; Sv. 2. Z. u. st. weder andere Nachbarn L weder Nachbarn. Redakteur: vr. L. Philippfo«. — Dnlag von Baumgartners Bachhandlung. — Druck von W. Haack.

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