Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 109 (12.12.1837)
- Date
- 1837-12-12
- Page
- Seite 435 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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435 feindlich gegenübersteht — — hier wohl ausgemerkt! das ist der ganze Wendepunkt des Verfassers: und weil diese Worte schon oft gehört worden, und immer wiederholt werden: so müssen wir doch den Vers, als Staatsgelehrten ftagen, was unter einem dem Staate feinlichen staatsbürgerlichen Bereirre imStaate zu verstehen sei? Wir würden darunter einen Verband verstehen, der seine Anhänger den Pflichten des Staatsbürgers entzieht, und sie zur Verletzung derselben auftnuntert. Kann aber der Vers, solches dem Judenthume Nachweisen? Die Pflichten eines Staatsbürgers sind: Gchorsam den Gesetzen, Leistung der Dienste und Abgaben, Wahrung der allgemeinen Interessen des Staates, Vertheidigung mit seinem Blut und Gut. Wer kann nun die Juden zeihen, diesen Pflichten weniger zu genügen und nachzukommm, als die Anhänger anderer Religionm? Sind die Juden an einem der Uebel Schuld, an welchen die europäische Gesellschaft seit Jahrhunderten laborirt? Sind nicht gerade Staaten, in denen gar keine Juden vorhanden, die zerrüttetsten und bewegtestm? Haben nicht schon die bewährtesten Staatsmänner, wie Merilhou, Winter «. A. die Juden für die treuesten, anhänglichste», ruhigsten Staatsbürger erklärt? Sind nicht Staatm, in denen die Juden seit undenklicher Zeit ftei sind, die blühendsten, wie Holland? wohingegen in dem unruhigen Belgien früher gar keine Juden wohnten. Soll man noch immer darauf Hinweisen, daß die Juden geneigt sind, für ihr Vaterland Blut und Gut zu opfern, und daß sie dies hinlänglich bewiesen? . Kann man nicht mit Genauigkeit nachweiftn, daß da, wo die Juden nach ihren Verhältnissen einm etwaigm ungünstigen Einfluß üben, dies allein von ihrer bisherigen gedrückten und beschränkten Lage herrührte? Kennt endlich der Berf. selbst das Leben so wenig, daß er von einem ganzen Stamme verlangt, sie sollten,nachdem sie ein Jahrtausend gezwungen waren, in einem niedrigen Gewerbe zu verharren, mit einem Male und in einem Jahre sich von allen den Folgen dieser beispiellosen Unterdrückung ftei machen? Bringet Thatsachm herbei, und urtheilet nicht vornehm mit Worten und unerwiesenen Redensarten ab! Sind aber diese Grundansichten des Verf. hiermit in ihr Nichts aufgelöst, ist es offenkundig, daß die Juden überall nach Maßgabe der ihnen gegebmm Freiheiten sich in das allgemeine bürgerliche Lebm versenken, ja daß sie überall, wo ihr Zustand gar nicht oder halb gebessert worden, dennoch von dem bestm Geiste beseelt sind: so erinnern wir de» Staats gelehrten daran, daß es hinwiederum Pflicht des Staates ist, den Einzelnen bei seiner religiösen Ueberzeugüng zu schütze«» und ihn nicht zu zwingen, noch zu verlocken, sie aufzugeben oder zu verhandeln! ... Es kann ganz gleichgiltig sein, was der Verf. vom Sabbath für eine Ansicht hat, wollm wir von Bedingungen für Religionsangehörige sprechen, so müssen wir diese und ihre Ansicht beftagen und berücksichtigen, und nicht Tausende zwingen wollen, ihre religiöse Ueberzeugung zu verkaufen. Haben doch die Katholikm auch besondere Feste und Fasten; — soll denn Rußland seine Protestanten zwingen, nach dem alten Kalender und der griechischm Berechnung ihre Feiertage zu verlegen? müssen die Franzosen ihre neuen mohammedanischen Unterthanen zwingen, den Ruhetag vom Freitag auf den Sonntag zu verlegen u. f. w.? Doch diese Bruttheilung hat schon die Grenzen des Raumes überschritten, der ihr angewiesen werden durfte, — wir müssen den Verf. verlassen. — Und so erlauben wir uns nur noch eine Frage an den Staatsgelehrten: Sie sprechen ausführlich und nachdrücklich von dm Nachtheilen der Nichtemancipation der Juden, — nun setzen Sie Bedingungm fest, unter dmm die Judm emancipirt werdm sollm, — wenn nun die Judm diese religiösm Bedingungm, derm einige, wie Verheirathung u.s. w., gar nicht von dm Judm abhängen, sondem von allen deutschen Regierungm, mit wmigm Ausnahmen, verbotm sind, nicht erfüllm, und dieses Recht müssm Sie ihnm doch einräumm, — wie dann? Sollen die gerügten Nachtheile bleiben? oder wie sollm sie aus dem Wege geräumt werdm?- Sie sagen, die Judm sollm sich entna-tionalisiren — ich erkläre Ihnm, sie sind entnationalisirt, und bewachten sich nur als einm religiösen Verband. Sie sagen, die Juden bilden einen Staatsverband, — wissen Sie, eine Gemeinde weiß von der andem nichts, und erst der Staat bindet sie wieder zusammen. Sie sagm, die Juden sollen die Hoffnung aufgebm, einst noch die Herrschaft der Welt zu erlangen, — haltm Sie sich übetzeugr, ihre lange Knechtschaft und ihre kurze Freiheit und ihr junges Bürgerthum haben längst eine Hoffnung, die so weit ginge, verwischt — und dem Volke selbst lächerlich gemacht. Mögen Sie sich mit dieser Erklärung beruhigm, das aber, was werdm soll, der lmkmdm Hand der Borsehung überlassm! Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Aachen.) Wir ersuchen Sie, folgenden biographischen Artikel über Gusikow, der von Herrn L. Lax abgefaßt, in den weülichen Blatter« No. 74 gegebm worden, in der Allg. Zeit, des Jnd. uritzutheilen.