Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 108 (9.12.1837)
- Date
- 1837-12-09
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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431 daß in Frankreich die Zeit nahe ist, wo das Wort »Jude« ganz aufgehört haben wird ein opprobrium zu sein. Der Gottesdienst in der großen deutschen Synagoge, der herrlichste Chor und die Feierlichkeit desselben sind allesammt musterhaft — die portugiesische Gemeinde, zu der ich mich bekenne, ist dagegen nur sehr klein, ihr Lokal dürftig zu nennen und von dem Gottesdienste nur noch Spuren dessen zu erkennen, was er eigentlich sein sollte. Trotz dessen mußte selbst hier das Vorlesen des min jna beschreibenden Bibeltextes am ersten Festtage einen höchst feierlichen Eindruck Hervorbringen, und ich ward dadurch wieder lebhaft und freudig an die Bemerkung des Herrn M. Walch erinnert, der wahrend seiner Amtsführung als Kaplan unserer Gesandtschaft in Constantinopel, am ersten Tage des Wocheufestes eine der dortigen großen Synagogen (natürlich unseres Ritus) besuchte, und der in seinem Werke »Residence a Constantinople« bekennt, daß das Recitiren dieses Abschnittes auf ihn einen Eindruck gemacht habe, den er nie vergessen könne — unsere Vorbeter malen gleichsam durch ihre Stimme den ganzen Hergang des Ereignisses aus, das Zittern des Volkes '— den Aufruhr der Natur — die Erscheinung und Offenbarung Gottes, alles stellt sich dem Zuhörer lebhaft dar, und ich bin überzeugt, daß, wenn die deutschen. Juden sich unsern ganzen Ritus aneignen könntm, manche beklagenswerthe Unordnung von selbst verschwinden würde. *) Die Pariser Synagogen sind von Juden und auch von Christen, namentlich von Fremdm, sehr besucht — GalignanPs Messenger, die bekannte hier in englischer Sprache erscheinende Zeitschrift, enthält unter »strangers Diary« jedesmal die Anzeige, wann in der deutschen und portugiesischen Synagoge der Gottesdienst beginnt. — Unter anderen deutschen Juden lebt hier auch Herr Munk aus Glogau, Lehrer der von Roth sch ild'schen Kinder und Mitarbeiter au einem der gelesmsten hiesigen politischen Blätter. Es hat derselbe sich durch seine Arbeiten mit und unter Sylvestre de Sacy einen bedeutenden literarischen Ruf erworben, und er ist als einer der besten Orientalisten allgemein geschätzt; für Deutschland ist dieses Talent verloren, denn ihn fesselt das schöne Frankreich und die Freiheit, deren sein Volk, das er so innig liebt, dort genießt, der Act, daß er nur ftanzösisch denkt und schreibt — nur am 282 nwsn denkt er an sein Vaterland zurück! *) Es liegt jetzt der Redaction ein ausführlicher, ausgezeichneter Aufsatz über den portugiesischen Ritus nebst Musikbeilagen vor, der in der nächsten Zeit in dieser Zeit gegeben, und aus dem viele Resultate stießen werden. D. Redact. Literarische Novität. (Eingesandt.) Es ist erfteulich und wehmutherregend zugleich, wenn wir dem Leben und Treiben in der jüdischen Literatur heutzutage zusehen. Trotz dem, daß. diese Literatur täglich mehr an Anderem verliert, die sich mit egoistischem Kaltsinne von ihrem einst so reich bespannten Triumphwagen zurückziehen, ttotz dem, daß ihre begabtesten Jünger, bei allem ihren Stteben, keiner Anerkennung und Beachtung sich erfteuen, und, gleichsam als Sticftinder des Wissens, auf das Erbrecht und die Entreekarte in den Tempel des Ruhmes verzichten müssen; wir sie dennoch mit edler Resignation, jugendlichem Feuer und rüstiger Thatkcaft fortarbeiten und ihre Bahn verfolgend vorschreiten sehen. Ja, das ist der Geist des Judenthums. Diese unerschütterliche Beharrlichkeit ist dessen Mark und Lebensnerv, und diese hat es eben durch Jahrtausende, die schwierigsten, umwalzungsreichstcn Zeitepochen über- und durchdauem lassen, und dämm isi's noch — Judenthum, und altert wie der Phönix nur der Verjüngung entgegen. Wir. wollen.hiermit ein Werk in Anregung bringen, das sowohl seiner Wichtigkeit als seines innem Gehaltes wegen, sowohl seiner Großartigkeit als seiner Trefflichkeit halber, der unwidersprechlichsten Anerkennung würdig ist. Der junge Gelehrte, Herr Leop. Dukes in Wien, der vor Kurzem in seinen »Ehrensäulen und Denksteinen« (Wien, bei Strauß 1837) eine Probe seines eminentm Talentes und Wissens abgelegt, in wie weit er in die Katakombengänge der ältem ebräischen Literatur eingedmngen, allwo er unter den wmigm Alterthumsforschem und Antiquitätensammlern sich verdientermaßen einen Ehrenplatz erworben, hat nun seine deutsche Uebersetz ung des Comm enta rs Raschi über alle fünf Bücher des Pmtatmchs vollmdet. Welche rastlose Thätigkeit und unermüdete Anstrengung eine solche Rieftnarbeit erfordett, dürfen wir nicht erst auseinandersetzcn. Wir können ihr nur — da sammtliche bereits censitte Theile uns vorliegm — das öffentliche Zeugniß gebm, daß Herr Dukes keine Mühe gespart, um seinem Werke die möglich« Politur und Vollkommenheit zu geben, und mtsprechend —• seinem Talente gemäß — gearbeitet, welches um so weniger verdächtigt werden kann, da dem (bei Landau in Prag) erschienmen ersten Bande dieses Werkes, von dm competentestm Autoritäten der Preis des öffmtlichm Lobes — beigedruckr—zuerkannt wurde. Nun aber ist es — da der erste Band mit Bibel-Commmtartext nebst der Uebersetzung auf eigne Kostm erschimm — dem Verfasser bei dermaligm Umständen nicht möglich, dieftn fplendidm Kostenaufwand, da er ohnedem im Verlagsgeschäste ftemd, auch dm übrigm Theilen zu opfern, und es dürfte für manchm Verleger ein willkommenes Anerbieten sein, sich der Uebcmahme dieses, durch seine Popularität schon! im Voraus recommandirtm, und für dessen Abgang in sich > selbst garantirendm Werkes zu unterziehen; besonders da der! Verfasser noch immer rühmlichft aufgetttten, und die untrüglichste Gewährleistung für dm glücklichen Erfolg einer jeden Untemehmung doch immer das »Probatem est« war. Wien, 28. August 1837.