Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 108 (9.12.1837)
- Date
- 1837-12-09
- Page
- Seite 430 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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480 die er auf der Brust trägt, und seine Papiere zeigen von der vollständigen Wahrhaftigkeit aller seiner Angaben. Er hat hier reichliche Unterstützung, besonders bei dem lobt. Offizierkorps, gefunden. Sein Name ist Johann Scheit. Seisestzizzen aus BelgienFrankreich, Dänemark, Schweden u. s. w. rnitgetheilt von einem in London etablirten Deutschen. Brüssel, 4. Juni. p'D nn. Gestern besuchte ich die hiefige Synagoge, deren Lokal ursprünglich zu theatralischen Vorstellungen gedient hatte, und das die Vorsteher der hiesigen Gemeinde zu dem jetzigen Zwecke ankauftcn und einrichten ließen. Sowohl die Lage der Synagoge als ihre Einrichtung sind, der Art, daß sie wmig zu wünschen -übrig lassen, und wenn ich bedachte, daß meine hiesigen Glaubensgenossen in allen Rücksichten ihren christlichen Mitbürgern gleichgestellt sind, daß ich mich in einem Gottes- Hause befand, welches von einer eigentlich katholischen Regierung unterhalten wird, so konnte ich nicht anders als mich zu innigem Danke aufgefordert sühlm, dem höchsten Wesen, das aus der Dunkelheit das Licht herbeifühtt, und es auch dort wird Heller werden lassen, wo jetzt noch die Vorurtheile des Mittelalters herrschen, in Ländern, die sich dem Katholicismus gegenüber »aufgeklärt« dünken, die aber nur die Kraft hatten, solche Vorurtheile abzuwerftn, die ihnen selbst beschwerlich fielen. Die Einrichtung des hiesige» Gottesdimstes ist, dis auf einige Kleinigkeiten, vollkommen den Anforderungen der Zeit angemessen, deren Aufgabe es scheint, das Neuere so mit dem Altm zu verschmelzen, daß beides nebm- und miteinander bestehe; ein wohl einstudirtes Sängerchor begleitete den Vorbeter in seinem Vottrage und die Gemeinde ließ sich keinen Verstoß gegen den Anstand zu Schulden kommen, was nach S. 101. §. 6. dieser Zeitschrift namentlich im Weimarsschen stark der Fall gewesen zu sein scheint. Die Gebete wurden sämmtlich in hebräischer- Sprache vorgettagen, der Sprache, die am mächtigste», ich könnte fast behaupten, den wahren Judm allein zu kräftiger Andacht erhebt, und der Grand-Rabbi, Herr Dr. Loeb, hielt nach der eine höchst würdevolle, ansprechende Rede in deutscher Sprache, in der er seinen Zuhörem die Bedeutung der rrvao erklärte. Die Predigt bewies, daß sich ihr Verfasser mit allen Stellen des Talmud und der Midraschim bekannt gemacht hatte,' welche die Institution der JTvbo behandeln und erläutern, und er wußte derselben eine sehr würdige, symbolische Bedeutung zu geben. Nach der Rede sang der Chor das N2i»2 p« nach einer herrlichen Melodie, wogegen das darauf folgende Verkaufen der Mi zwoth sehr störend abstach. Es mußte dieser Uebelstand um so mehr in einer Gemeinde auffallen, welche von der Landesregierung eine so liberale Unterstützung zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse erhält. (Über das Budget des mosaischen Cultus behalte ich mir nähere Mittheilung vor.). Es ward zufällig an diesem Tage einem weiblichen Kinde ein Namen gegeben; das Kind ward nach wninri örpp in die Synagoge gebracht, und Herr Dr. Loeb trat auf die und sprach über dasselbe erst in hebräischer und dann in deutscher Sprache einm Segen (psts 'a), eine Ceremonie, die an und für sich nur das Anstößige hat, daß sie nicht im jüdischen Ritus' begründet ist. Auch heute (4. Juni), am nrnin ‘£fin, war die Synagoge ziemlich zahlreich besucht — es fehlte jedoch der Chor — und einer der Gemeindemitglieder kam sogar, um der Entfernung seiner Wohnung willen, in seiner Equipage gefahren; wäre nicht das gerügte Verauctioniren der Mizworb, ich.müßte mich mit dem Ganzen als vollkommen zuftiedrngestellt erklären. Der zeitige Oberlandsrabbiner (Lrand Rabbin de la Belgique, wie er amtlich heißt) Herr Dr. Loeb, hat ein Religionslehrbuch in ftanzösischer Sprache geschrieben, das in den belgischen Schulen unserer Glaubensgenossen eingeführt ist, — gelegentlich werde ich Ihnen die Constitution derselben mittheilen, die unter dem Titel »Reglement du Culte Israeliten vor einigen Jahren hier .erschienen ist. Was die hiesige Gemeinde besonders betrifft, so ist dieselbe ganz aus Einwanderern züsammmgefetzt, die aus dm verfchiedmsten Theilm Europas sich hier zusammm geftmdm haben; die Mehrzahl ist jedoch deutscher Herkunft und diese habm hier ein Asyl gefunden gegm politische und religiöse, auch wohl andere, merkantilische Hindemisse, die ihnm dm Aufmthalt in ihrem Baterlande erschwettm oder gar unmöglich machten. Der bekannte Buchhändler Adolph Hammann ist Präsident nicht allein der hiesigm sondern aller belgischer Gemeindm; die Zeit wird natürlich erst alle die Dorcheile und dm Erfolg der Maßregeln mtwickeln und bewähren, welche dmselbm aus dem außer Frankreich bekspiellosm Schutz mtspringm, dm die Landesregierung ihnen angedeihm laßt. : Paris, 12. Juni. rr«. Die beiden t Festtage der Gesetzgebung habe ich hier verlebt, und mich r innig gefreut an dem beglückenden Zustande, in welchem i unsere Glaubensgenossen hier lebm. Diese Zeitschrift hat c . fast in jeder Nummer Beispiele aufgeführt von der Liberalität l . der Regierung und des Königs der Französin gegen unser« i 1 Glaubensgenossen, und ich kann es mit Freude bezmgm.