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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-09 · Heft 108 (9.12.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 108 (9.12.1837)
Date
1837-12-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. s-hrg-mg. Siffgetneitie No. 108. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsisch« all«gnädigst« Coucession.) Leipzig, den 9. December 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. ' Leipzig, 17. Nov. Der Berichterstatter der Leipziger Al lg. Zeit, macht die Bemerkung: »Die Erhebung eines Juden (Montefiore nämlich) zum Ritter muß, obgleich noch nicht von den Zeitungen berührt, unfern Anhängern an »die gute alte Zeit« eine bittere Pille fein. Ein Sir Moses muß ihnen grell in die Ohren klingen. Dabei muß ich aber bemerken, daß die hiesigen reichern Juden, obgleich es ihnen freisteht, christliche Namen nach Belieben zu führen, mit Vorliebe alttestammtarische Namen wählen, und überhaupt den Muth habm, auf ihren Glauben und uralten Adel stolz zu -sein, während die Juden in Deutschland sich immer ihres Ursprungs zu schämenscheinen.« Durch diese Sorte hat der Berichterstatter eine große Unkenntniß der englischen Verhältnisse verrathm. Denn erstens sind in England unter den Christen die alttestamentarischen Namen eben so gewöhnlich als unter den Juden, und die vornehmsten Personen heißen Samuel, David, Sara, Rebekka tu f. w. Warum sollte denn Sir Moses den Engländern grell in die Ohren klingm, da einer ihrer größten Geister Sir Isaak geheißen (Newton) und viele Andere r Zweitens kennt er die Gesinnungen der englischen Kleinen und Großen gar nicht, wenn er meint, daß die Erhebung eines Juden ihnen so mißfällig sein wird, und daß die englischen Zeitungen einen Brei darüber machen werden, wie die Deutschen, die alle die Köpfe schütteln und in den Batt murmeln, ohne zu bedenke», daß es noch viel mehr Zeichen des Verdienstes ist, daß ein Jude von den Bürgern zum Sheriff gewählt werde, als daß ein Sheriff von der Königin zum Ritter erhoben -wird. — Wenn der Berichterstatter aber den Juden in Deutschland den Vorwurf macht, daß sie gern alttestamentarische Namen vermeiden (denn wie man den Ausdruck »christliche Vornamen« zu verstehen habe, hat vr. Zunz in seinen »Namen der Juden« nachgewiesen), — so kann dieser Vorwurf auf die Deutschen zurückgeworfeu werden, welche oft genug an die alttestamentarischen Namm Spöttereien und fade Witzeleien knüpfen, und welche zu sehr schon bei dem Namen eines' Juden die Nase rümpfen, als daß nicht den Juden jene vermeidenswerth erscheinen sollte». Wir verweisen zur Bestätigung dessen auf den ttefflichen Artikel aus London in No. 35. dies. Zeit. Viel angemessener laßt sich der Berichterstatter der Augsburger Allg. Zeit, über die Erhebung Montesior?s aus: »Einer von den zu Rittern erhobenen Sheriffs ist bekanntlich ein Israelit, und der'Erste dieses Glaubens, welchem eine solche Ehre in England je zu Theil wurde, wie er auch nur der Zweite ist, welcher das Amt eines Sheriffs bekleidet. Die Londoner Bürger waren es, welche in dieser Beziehung zuerst die alte Kette der Unduldsamkeit sprengten, und die Königin hat ihr Verfahren gebilligt, indem sie ihre Wahl ohne Unterschied auf Religion gcehtt hat.« — Am 15. Nov. fand der eigentliche Lord-Mapors- Schmauß statt. Am Schlüsse des Diners hielt auch noch der eine der neum Sheriffs, Sir Moses Montefiore, eine Rede, worin er die Vorzüge rühmte, welche England durch feine bürgerlichen und politischen Freiheiten vor andern Ländern voraus habe. Karlsruhe, 23. Nov. Zur Redaction der zweimal wöchentlich erscheinenden »Allgemeinen Staatszeitung,« die übrigens kein Regierungsblatt, sondern ein Privat - Unternehmen ist, ist aus Frankreich August Traxel, bekannter unter dem Namen Victor Lenz, berufen. Derselbe gehött bekanntlich zu den ärgsten und gehässigsten Judenfeinden, und ist auch in diesen Blättern schon öfter seiner intolerantm, dem Mittelalter entlehnten Ansichten über die Juden erwähnt worden. Es wäre sehr zu wünschen, daß er bei der Redaction gedachter Zeitung humanere Gesinnungen obwalten lasse, je wmiger das Gegentheil mit den hier im Allgemeinen obwaltenden Ansichtm übereinstimmt.. Magdeburg, 23. Nov. (Privatmitth.) Gegenwärtig hält sich hier ein jüdischer Sergeant -von der ersten mobilen Colonne der holländischen Attillcrie auf, dessen besondere kriegerische Laufbahn zu erwähnen nicht uninteressant scheint. Geboren zu Hamburg, erzogen in Breslau, stand er von 1806 an unter dem Fürsten von Hohenlohe. Nach der Schlacht bei Waterloo ging er in holländische Dienste über, und ging 1816 mit dm erstm Expeditionairen nach Batavia unter dem General Anding. Nachdem er bis 1825 hier gestanden, machte er dm Krieg auf Java bis 1830 mit, und hatte das Schicksal, von einem Corps von 3800 Mann allein mit 11 Cameraden nach Europa zurückzukehren. In dm Jahrm 1830 bis 1832 wohnte er dm Unruhen in Brüssel und dm Kämpfm zwischm dm Holländem und Belgiem bei, kam 1832 in die Citadelle von Antwerpm, und gehörte nach Eroberung dersclbm zu dm Kriegsgefangenen in St. Omer. Nach seiner Rückkehr 1833 erhielt er nun auf ein Jahr Urlaub, um, in einem Alter von 51 Jahren, nach Dmtschland zurückzukehrm, und seine 87 jährige Mutcer, die jetzt in Königgrätz wohnt, zu besuchen. Die vier Medaillm,

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