Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 107 (7.12.1837)
- Date
- 1837-12-07
- Page
- Seite 427 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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427 strebte. Ich fürchtete die Eigenliebe meines Sohnes zu ver-! letzen, — Jakson ist nur aüf Abwege gerathen; hätte ich ihn! in seinen und euern Augen erniedrigt, so wäre er ganz und , gar verloren; dennoch habe ich aus Fürsorge zum Stellvertreter, zum Verwalter eures Vermögens den Herrn Sethri gewählt. Und dann, meine theure Tochter, habe ich auf dich gerechnet, auf deinen Verstand, auf deine Hingebung. Theüres Kind, du mußt mir Etwas versprechen ... »Alles, Alles, was Sie wollen, theure Mutter,« sagte Elkzhama, indem sie die brennenden Augen ihrer Mutter küßte, welche einen Augenblick den Kopf auf der Schulter 1 ihrer Tochter ruhen ließ.! »Verheirathe dich nicht, theures Kind, bevor du nicht j mündig bist und Isabel dich im Hause ersetzen kann. Dein Bruder bedarf an seiner Seite eines Engels von Vernunft und Güte, der zu rechter Zeit einem Fehler zuvorzukommen oder ihn zu verbessern versteht. Du liebst Selem, ich weiß es; könntest Du mir aber das Opfer versagen, welches ich von dir fordere?« und ein ängstlicher Blick auf das zarte Mädchen begleitete die Bitte der Sterbenden. Da antwortete Elizhama mit Thränm: »Fürchten Sie nichts, meine Mutter, ich verspreche Ihnen zu gehorchen.« »Mein theures Mädchen,« fuhr Mad. Mazod fort, deren Stimme merklich schwacher ward, »jetzt kann ich in den Schooß meines Schöpftrs hinüberschlummern, nichts Bitteres wird meine letzten Augenblicke stören, denn du wirst mich ersetzen, ich bin dessen gewiß.« Die Thränen verhinderten Elizhama zu antwotten. Nach einem Augenblicke Stillschweigen ftug die Sterbende: »Ist Jakson zurückgekehrt?« »Er ist nicht ausgegangen und erwattet Ihre Befehle, liebe Mutter.« »Rufe ihn, meine Tochter; aber zuerst lege dies Papier weg; der Notar und der Doctor haben Abschriften .... Wenn die Kinder sich noch nicht gelegt haben, so führe sie her; gehe, mein Engel.« Elizhama ging, und kam bald von der ganzm Familie begleitet zurück. Jakson stürzte sich auf seine Mutter, und hielt sie lange Zeit in feinen Armen. Sie entzog sich sanft seiner Umarmung, nahm der Reihe nach jedes ihrer Kinder in ihre Arme, bedeckte sie mit ihren Küssen, und ließ dann Alle sich um sie reihen, sammelte ihre Kräfte und ttocknete ihre Thränen; dann, mit der Hand die Jüngeren liebkosend, die auf ihre Kniee sich stützten, sprach sie mit fester Stimme: »Höret, meine Kinder, Gott wird bald mich zu sich rufen: mögen die Größeren unter euch meine Worte behalten, um sie dm Kleineren zu, wiederholen, wenn sie in dem Alter sein werden, sie zu verstehen. Mein letzter Wille ist niedergeschrieben, aber folgender ist es nicht: Das Haus,'worin ich sterbe, worin euer Vater gestorben ist, worin ihr geboren worden, darf niemals verkauft werden, ich will es fo. Es ist weit genug, um euch zu fassen, euch und eure Kinder: seid vereinigt, Gott beschützt die Familien, wo Eintracht herrscht, er verdammt die, welche Haß und Zwiettacht trennt. Meine Geliebten,« fuhr sie fort, indem sie sich an die Jüngsten wandte, »Jakson wird euch Vater sein, Elizhama wird meine Stelle bei euch einnehmen, gehorchet ihnen.« Dann wandte sie sich an-die Aeltcren, und fügte hinzu: »Und ihr, liebet sie, wie euer Vater sie geliebt hat, wie ich sie liebe .. .< Die arme Mutter hielt, überwältigt'von ihrer Bewegung, einen Augenblick an, dann begann sie wieder: »Ein Gegenstand ist es, meine Kinder, den ich euch als das kostbarste VermächMiß zu bewahren bitte: das ist die Erbbibel; ihre geheiligten Charaktere sind von der Hand eures Urgroßvaters gezeichnet, eines heiligen und ehrwürdigen Rabbinen, der die Reise nach Jerusalem zu Fuße gemacht ... Wenn die Noth ... die ich Gott bitte von euch zu entfemen... euch jemals ttäfe, verkaufet die kostbaren Steine, welche dieses Buch des Gesetzes umgeben; aber seine Charaktere, gezeichnet durch die Hand eures Großvaters, gebet sie nie hin. Dies ist meine letzte Bitte, meine Kinder.« Mad. Mazod schwieg, und stützte ihr Haupt auf dir Schulter Jaksons; sie war so blaß, so entkräftet, daß Elizhama den unglücklichen Augenblick gekommen glaubte. Ein Ruf des Schreckens und der Verzweiflung entfloh ihr. Die Sterbende lächelte, um sie zu beruhigen, und zeigte den Wunsch,'sich in das Bett zu legen. Nachdem sie sämmtlich den Segm ihrer Mutter verlangt und erhalten hatten, mtfernten sich die Kinder geräuschlos, Elizhama blieb allein zurück; später kam Jakson wieder, der sich entfernt hatte, um seine Mutter sich niederlegen zu lassen, und sie bat ihn, ihr das.Wdtengebet vorzulcstn. Als der junge Mann sich de^Bibliothek näherte, um ein Gebetbuch zu holen, sagte ElqLama leise: »Du hast diesen Abend nicht gespeist, mein B»er, was ist deine Absicht?« »Morgen zu fasten und zu beten den^ganzen Tag.« »Sei gesegnet für diesen frommen Gedanken!« erwiederte Elizhama. Aber dieses Gespräch war dem feinen Gehör der Mad. Mazod nicht entgangen. »Ich verbiete dir, morgen zu fasten, mein Sohn,« sagte sie zu ihm; »denn übermorgen wirst du es müssen nach dem Gesetze Mosis.« »Was ist denn übermorgen für cm Fest?« ftug Jakson.