Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-07 · Heft 107 (7.12.1837) · p. Seite 426

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 107 (7.12.1837)
Date
1837-12-07
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224846--00675-3299026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

436 der bedeutenden Familien - Stiftungen hm, als er im Frühjahr 1809 auf lauten Anruf und unter allgunn» beifälliger Zustimmug seiner Mitbürger auf das Ehrenvollste als unbesoldeter Stadttach ln das hiesige Magistrats - CoÜegium eintrat, eine Auszeichnung, die' Niemandem vor ihm aus der israelitischen Gemeinde zu Theil geworden war. — Auch in dieser neuen Stellung bewahrte er durch rühmlichen Gemeinsinn und unwandelbare Pflichttreue feinen guten Namen und den richtigen Blick der Wählendm. — Vor Allem aber hatte seine innere selbstständige Entwickelung ihren Culminationspunkt in seiner Gesinnung und seinem Herzen erreicht — Freundschaft im edelsten Sinne des Wottes und unerschütterliches Verttauen zum Bestem in der menschlichm Natur, das war die Region, in der allein er athmete und lebte! Wo es irgend galt, das Gemein-Beste zu fördem, oder Elend und Kummer des Einzelnm zu lindem, da war er recht eigentlich in seinem Elemente, — jeder Arme erschien ihm wie auf ihn persönlich angewieftn, und hier fand feine auf jedm Dank verzichtende Freigebigkeit und Milde in der Thal keine andere Grenze, als die der materiellen Unmöglichkeit, Allen zu helfen; ja, wäre er ein Cröfus geweftn, er wäre lieber freiwillig zur Dürftigkeit herabgestiegm, ehe er dm letztm Heller einem scheinbar Dürftigm vormthaltm hatte! — Ein stilles und genügsames Herz ließ ihn nie Ansprüche für sich an Andere machen, aber selbst seine letztm, von schweren körperlichen Leiden angefochtenm, Lebmstage habm chm bis zum Augmblicke des Scheidens das schöne Bewußtsein gelassm, daß er von allen seinm Freunden ganz und seinem vollen Werthe nach erkannt worden, und so ist chm sein hattes Todeslager durch die unverbrüchliche Liebe und Anhänglichkeit der Seinigm zu einem weichen Ruhebette geworden! — Molliter ossa requiescant! Stuttgart, 23. Nov. Zwei Bande von dem merkwürdigen Buche »Spinoza von Berthold Auerbach,« von dessm Erscheinen früher in dieser Zeit. Kunde gegeben worden, sind ausgegeben. Der junge Verfasser nennt seine Arbeit selbst einm historischm Roman, dessen Stoff das mehr innerlich als äußerlich viclbewegte Lebm jenes großen Philosophen bildet, eines Helden, der zum Höchsten hinanreicht, was je auf Erdm gewandelt. Nach dem »Echo« sind diese beiden ersten nur als Prolog zu dem großen Drama »Spinoza's Tod« zu betrachten, das er sich noch zu schreibm vorgesetzt hat. * Prag, 25. .Nov. (Privatmitth.) Es wird gewiß die Freunde der bibüfchm Literatur interesiicen, wenn wir sie benachrichtigen, daß Herr M. I. Landau sich zur Herausgabe seiner biblischen Phytologie*) anschickt. Meiningen, 19.Nov. (Privatmitth.) Am 20. dieses Monats werden die Stände unsers Hcrzogthums zusammentretm, und auch über die Verhältnisse der Juden hierftlbst, nach einem schon ausgefertigten Entwürfe, verhandelt werdm. *) D. h. Forschungen über die in der heil. Schrift vorkommendeu Pflanzen. Die Redaction erlaubt sich hierbei zu bemerken, daß ihr seit einiger Zeit schon ein trefflicher Aufsatz über den Ackerbau der atten Hebräer vorliegt, dessen Mittheilung nur der Mangel an Raum noch etwas verzögerte. D. Redact. der mehrere für uns nachtheilige Punkte erhält. Es sollen Ihnen hierüber zur Zeit genaue Mitcheffungen zukommen. Die Erbbibel. (I) AuS dem Französischen der Eugenie F o a. (Fortsetzung.) Es war zehn Uhr Abmds, als sich Elizhama auf den Ruf ihrer Mutter zu dieser begab, welche sie an einem mit Papierm bedeckten Sekretäre fand, das dritte schwarze Siegel auf dm Umschlag eines Documents legend. »Komm her zu mir, meine Tochter,« sprach Mad. Mazod, ohne dm Kopf zu wenden, »während ich noch die Kraft habe zu sprechen.« Elizhama schauderte, als sie ihre Mutter bettachtete; es war nur noch ihr Schattm, und das junge Mädchm hatte alle mögliche Mühe, die Thränm zurückzuhalten. »Theures Kind,« begann Mad. Mazod wieder, da sie ihre Anstrmgungm bemerkte, »®ott ist groß, ... er wird Mitleid mit euch Allen habm ... Da nimm dies,« fugte sie hinzu, und reichte ihr das versiegelte Papier. Elizhama warf zittemd die Augm darauf, kaum hatte sie aber gelefm : »Das ist mein letzter Wille«, als ihre Thränm sich lösetm uüd sie in Schluchzen ausbrach. »Muth, meine Tochter,« sagte Mad. Mazod sehr bewegt, Muth! ... Armes Kind! du siehst dich noch sehr jung schon an der Spitze einer ganzm Familie . . . dmn den» Bruder ...« »Mein Bruder kann Jhnm keinm Kummer verursachen, meine Mutter, er liebt Sie zu sehr ...« Die arme Mutter. seufzte; sie öffnete ein Flacon , und athmete dm Duft des Aethersmehrere Male «in; dann fuhr sie fort: »dieses Haus ausgenommen, ist das ganze Vermögm, welches mir euer Vater hinterlassen, in Capitalim vorhandm: ihr habet ein Jedes 200,000 Fr., di« unter eurem Na mm irr das große Buch eingettagm sind; dein Bruder allein hat seinm Theil vergeudet.« »Liebe Mutter, man muß von dem Unfrigm so viel nchmm, um dm seinigm wieder herzu Mm,« sagte Elizhama. »Dazu habe ich weder das Recht, noch den Willens erwiedette Mad. Mazod; »wmn ihr Alle majorenn fein werdet, werdet ihr für ihn chun, was euer Herz euch einflößm wird. Das Gesetz erklärt mem Bruder zum Vormund; ich hätte mich dagegm auflehnm könum, wenn ich eine andere Person bezeichnet hätte; meine mütterliche Schwäche wider-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.