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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-07 · Heft 107 (7.12.1837) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 107 (7.12.1837)
Date
1837-12-07
Page
Seite 428 (sequence 4)
Language
German
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428 »Uebermorgen wirst du die Hülle deiner Mutter in ihre letzte Wohnung bringm, mein Kind, zu Seiten derer, die vor drei Zähren deinen Vater ausgenommen hat.« Die beiden jungen Leute wechselten einm Blick unaussprechlichen Schmerzes; dann setzte sich Jakson, nachdem er das Gebetbuch genommen, zu Füßen des Bettes, und begann mit lauter Stimme zu lesen. Elizhama stand zu Haupten des Bettes, die Augen auf das Antlitz ihrer Mutter gerichtet. Mitternacht hatte geschlagen. Die Unbeweglichkeit der Kranken machte das junge Mädchen glaubm, daß sie schlafe, sie gab ihrem Bruder ein Zeichen, die Vorlesung zu unterbrechen; dieser aber, nachdem er einen Blick aus das Bett geworftn, irtte sich nicht, erhob sich, brachte seine Hand über-! die Augen seiner Mutter, wie um sie zu schließen, und sagte: »Die Seele unserer Mutter ist vor Gott, meine Schwester.« . Die beiden jungen Leute, die Augen voller Thränen, die i Hände in einander geschlossen, knieeten nieder, und verbrachten die Nacht im Gebtte an dem Todtenbette ihrer Mutter. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Der Phönix No. 231 meldet: Joel Jacoby, der Klagende und Entsagende, steuert mit vollen Segeln der Redaktion des »Berliner polit. Wochenblattes« zu. Correspondenzen, Auszüge,. Replikeru (Aus Giessen.) In einer der schönsten Nummern*) der verdientermaßen weitverbreiteten Zeitung des Judenthums wurde der Wunsch geäußert, es möchte ein Verein zur Unterstützung solcher israel. Jünglinge, die sich zu Schullehrern bilden wollten, zu Stande kommen, damit dem Mangel an tüchtigen Jugendbildnern, der sich vieler Arten kund gebe, auf wirksame Weise abgeholfeu werde. — Wir freuen uns nun Ew. Wohlgeboren melden zu können, daß indem Großh erzogthum Hessen ein Verein von der angegebenen Tendenz bereits seit 4 Jahren existirt. Wie Sie nämlich, aus den hierbeifolgenden Statuten des Vereins für Verbesserung des^Iustandes der Israeliten ersehen wollen, enthatteu dieselben im §- 2. die Bestimmung: »Unbemittelte israelitische Jünglinge, welche sich dem Schulfache widmen wollen und deshalb ein inländisches Schullehrer-Seminar besuchen, sollen die hierzu nöthigen Mittel und zwar bei fortwährendem Fleiße und gutem Betragen mindestens 2 Jahre lang von dem Verein erhalten. Diese Unterstützung soll nur solchen Schulcandidatcn zugewendet werden, welche neben den übrigen guten Eigenschaften die gehörige Kenntviß in Musik und Gesang haben.« *0 3n No. 64, ausgesprochen von Herrn Dr. k. Adler. Derselbe meinte aber einen ausgedehnten, allgemeinen Verein. D. Redact. Dieser Bestimmung gemäß werden denn auch gegenwärtig von dem hiesigen Provinzial-Berein (aus den beiden anderen Provinzen fehlen uns im Augenblicke die betreffenden Notizen; doch können wir dem geehrten Leser die Versicherung geben, daß auch dort der Verein nach allen Richtungen seiner verschiedenen Tendenzen segensreich wirkt!) zwei Jünglinge für den Zweck ihrer Ausbildung als Schullehrer unterstützt; fteilrch im -Ganzen nur-eine geringe Zahl, die aber theils in dem schwachen Fonds des Vereins,' in dem Mangel an Aussicht auf dereinstige Erste Anstellung , wodurch sich viele Individuen von dem Lehrerberufe abhalten lassen, ihre Begründung findet. Denn im Allgemeinen sind die israelitischen Religionsgemeinden des Großherzogthums wenig geneigt zur Errichtung eigner Elementarschulen, und ziehen es aus mancherlei Rücksichten vor, ihre Kinder die die allgemeinen Volksschulen besuchen, und blos den Religionsunterricht von besonderen jüdischen Religionslehrern! crtheilcn zu lassen. Diese letzteren müssen, und zwar nach einer 1 höchsten Verordnung, ebenfalls geprüft sein; allein sic werden es natürlich bei weitem nicht so streng und vielseitig wie die Elementarlehrer, und meinen daher auch der Ausbildung auf einem Schullehrer-Seminarium nicht zu bedürfen. Indessen kömmt es auf Mehr oder Weniger hier nicht an. So viel ist aus Obigem ersichtlich, daß in dem Großherzogthum Hessen und für das Großherzogthum ein Verein mit der Tendenz der Unterstützung angehender jüdischer Schullehrer bereits seit mehreren Jahren bestehst und wirksam ist, wenn zur Zeit auch nur erst in beschränktem Um aber von diesem Verein noch ein Mchres zu sagen, so liegen seine übrigen Tendenzen in den Statuten klar vor; sie bestehen in »Unterstützung unbemittelter Gemeinden zur anständigen Besoldung eines Lehrers,« sodann in »Beförderung von Handwerken und.Ackerbau unter den Juden.« Seine meisten Kräfte hat der hiesige Provinzialverein bis hierher auf Beförderung von Handwerken verwendet, indem er bei nur geringen Mitteln — etwa 250—300 Gulden jährlich — in seinem 4 jährigen Wirken schon 24 Lehrjungcn unterstützt, resp. in die Lehre gegeben hat. Ein Theil davon hat bereits die Lehre überstanden und befindet sich auf der Wanderschaft. Unter ihnen sind: 8 Schuhmacher, 3 Sattler, 3 Schreiner, 2 Schneider, 2 Leinweber, 2 Dreher, 2 Buchbinder, 1 Schlosser und 1 Spengler. Rechnet man zu dieser Anzahl von Handwerkslehrlingca noch diejenigen hinzu, welche der, im nahen Frankfurt segensreich wirkende Verein zur Beförderung von Handwerken unter den Israeliten in hiesiges Provinz lernen läßt, deren es durchschnittlich jährlich wohl 8 —10 sein mögen, und bedenkt man noch weiter, daß hier nur von der verhältnißmäßig geringen Anzahl von I Jünglingen, die bei Erlernung von Handwerken fremde Uns i terstützung in Anspruch nehmen, die Rede ist, nicht aber! von der großen Menge derjenigen, die von den eigenen Mitteln ihrer Eltern sich denselben widmen; so 'läßt sich hieraus der erfreuliche Schluß ziehen, daß in unserer Provinz, die im Ganzen schon jetzt recht viele jüdische Handwerker und Fabrikanten zählt, die Zahl derselben bedeutend im Wachsen begriffen ist. Auch wird man uns hiernach das Ieugniß nicht versagen können, daß wir es keineswegs an Ermunterung zur.Ergreifung anderer Erwerbszweige als des Kleinhandels in unserer Mitte fehlen lassen. Denn wiewohl nicht zu läugnen, daß unserem Vereine noch eine größere Theilnahme durch reichere Beiträge zu wünschen wäre, damit dessen Vorstand ferner nicht mehr, wie bisher oft aus Mangel an Fonds, genöthigt sei, die Anmeldungen vieler Unterstützung suchender Jünglinge zurückzuweisen, so zeigt doch ein kleiner Beitrag nicht minder denn ein großer von eifrigem, guten Willen für die gute Sache. Dagegen ist es sehr zu beklagen, , daß unser Verein, ungeachtet wiederholten dringenden Ersuchens (darum, so wenig Unterstützung von Seiten unserer christlichen Mitbürger erhält. Und, dennoch sind es ja gerade diese, die sich so oft über die Neigung der Juden zum Handel, und den! ihnen, den Christen, daraus erwachsen sollenden Nachtheil bej schweren. _ ' Redakteur: vr. L. Phüippsou. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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