Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 106 (5.12.1837)
- Date
- 1837-12-05
- Page
- Seite 423 (sequence 3)
- Language
- German
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Jahren ihren Hausstand emähren, was ihnen sonst unmöglich gewesen wäre, denn der unbemittelte Mann hat gewöhnlich in der unmittelbar über ihm stehenden Klasse feine näheren Bekannten, die weit eher für ihn bürgen, als ihm baares Geld leihen können. Dies Jnstimt, welches seit 20 Jahren mit ungefähr 8000 Thlr. arbeitet, und mit unbedeutendem Geld-Verluste im.Verhältniß mehr Heil gestiftet hat, als selbst eine wirkliche Armen-Kasse, hat seit einigen Jahren auch bei dm hiestgen Christen Nachahmung geftmdm, und es ist von ihnm eine völlig ähnliche gestiftet worden, die ebmfalls gutm Fortgang hat. DerHerrmannHeine'fthm Stiftung liegt dieselbe Idee zum Grunde. Von allgemeinen Wohlthätigkeits-Anstaltm stehm dm Judm nur die in neuester Zeit begründetm offen. Es sind dies die Taubstummen-, die Blinden - und die Kleinkinderschulen, zu denen übrigms auch viele Juden jährlich conttibuirm, wie zu den übrigen städtischm Anstalten nicht minder Jedermann. Wenn man nun diese zahlreichm. Jedermann ohne Schwierigkeit offen stehmdm Anstalten bettachtet und dabei einerseits bedmkt, daß so viele tüchtige Männer von jeder fonstigm öffentlichen Thärrgkeit ausgeschlossm, ihre Kräfte zu derm beständiger Vervollkommnung concenttiren, andererseits aber, daß die Privat-Wohlthätigkeit, die jüdische Liebe, die von dem eigmen Tische die Speisen in die Hütte der Armuth bringt, so wie sie mit eigmm Händm den. Kranken pflegt und den Entschlaftnm mit eigmm Händen ankleidet und beerdigt, noch weit, weit mehr als diese Anstaltm leistet — so möchte man fragen: machen cs die Hamburger Judm ihrm Armm denn nicht gar zu leicht? Viele Schriftsteller besonders protestantische, haben gar viel einzuwendm gegm solche Behandlungsweise!- - Auf diesen Einwurf aber habm wir keine Erwiederung als die folgende aus einer verttaulichen Mittheilung eines dabei Mitwirkenden entlehnt. Erstlich könnm wir nicht zu unsem Armm sagen: gehet hin und arbeitet, ihr seid ja gesund! Denn zu acbeitm nach ihrm Fähigkeitm und Kräften verbietet ihnm das Gesetz (O heiliges Wott, vergieb die Entweihung!). Zweitms aber mögm unsere Gegner für uns reden. Wir habm nämlich hier ein vielgelesenes unter Censur stehendes Wochenblatt, welches unter Andern» alles gmau referitt, was bei dm Polizei-Gerichten vorgehet, und welches nie eine Gelegmheit vorübergehm laßt, den Ramm Jude auf eine gehässige Weift' anzubringm. Und hätten sechs christliche Diebe gestohlenes Silber an sechs christliche Goldschmiede um halbes Geld verkauft, und ein Dieb hätte 8 Tage vorher einm altm Sack von einem Judm gekauft — man würde sicher dies Wort sechs Mal in dem Berichte lesm. Nun denn, so lange dieses Blatt trotz allem böswilligen Suchen, sich nur, was unsere Armm bettifft, mit so unerheblichen Lappalim behelfen muß — so lange wollen wir uns überzmgt haltm, daß unsere Att, die Armm zu behandeln, im Wesmtlichen für uns die zechte Und so sei denn dieser lange Bericht hiermit mdlich geschlossm. — Gelobt sei der Allmächtige, der einzig durch die Kraft unserer von verblendeten Thorm so oft verunglimpstm und des Mangels an Liebe beschuldigten Religion unsem bedrücktm Reichm noch so viel Liebe und Gemeinsinn, unfem bedrücktm Armm aber einm so unverwüstlichm Schatz von Rechtlichkeit und Moralität erhalten hat, daß selbst unsere bedauemswürdigstm bittersten Feinde uns mit Grund nichts Böses nachsagen können. C. Wir können diese »Mittheilungen aus Hamburg« *) dem geehrten Publikum nicht überlassm, ohne zu bemerkm, daß wir ähnliche, blos referirmde Darstellungen der inneren Verfassung der Gemeindm, großer und klein«, dringmd «- bitten. Nur dadurch kann es mit der Zeit klar werden, wie dem oft schwankmdm Zustande unser« Gemeindm abgeholfm w«dm kann, und welche die passmdsten Einrichtungen für unftre Gemeindm fmb.' Und doch weiß d« Erfahrene, daß alle Entwicklung und bessere Gestaltung meist ganz allein von dem Gemeinde-Vorstände abhängt, durch ihn beförd«t oder gehemmt wird. Die Redaction. Stieraiitr» Bon Miro's: »Berti Jacob, Allgem. Gebetbuch für gebildete Frauen mosaischer Religion. Rach vorhandenen alten Gebeten bearbeitet,« ist die 4. Lufl. erschienen. Von Cahen's Uebersetzung des alten Testaments aus dem Hebräischen in's Französische (s. No. 42 dies. Zeit.) sind schon 3 Bände erschienen, welche die geschichtlichen Bücher enthalten. Mit Nächstem wird der neunte Baud folgen, der den Jesaias enthält. (Phönix.) Recension von: Dr. Riesser's Bettachtungen üb« die Verhältnisse der jüd. Unterthanen der preußischen Monarchie, und Desselben: .der Jude. Erstes Heft, in: Heidelb«ger Jahrb. *) Das Iahlenverhältniß der jüdischen Geburten und Ehen in Hamburg gegen die christlichen, das uns (s. No. 76.) nicht ganz klar war, erklärt der Herr Einsender so, daß während unt« 18 Geburten 1 jüdische ist, unter 24 Ehebündnissen nur 1 jüdisches ist, so daß also ein viel geringeres Berhältniß d« jüdischen Ehen, als der jüdischen Geburten zu den christlichen statt findet. Die Redaktion.