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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-02 · Heft 105 (2.12.1837) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 105 (2.12.1837)
Date
1837-12-02
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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419 commissär in Streitsachen des Herrn Rabbiners vr. Levi. — Es ist eine Commission niedergesetzt, bestehend aus dem Herrn Rabbiner und drei Männern seiner Parthei, und dem Herrn Wolf Hamburger und drei seiner Anhänger. Es soll wo möglich ein Vergleich, basirt auf dem eingeholten Gutachten zwölf bairischer Rabbiner, erzielt werden. Lese aramäischer Gnomen. (Fortsetzung.) Kap. 2. 1. Wenn sich der Himmel neigt zum Regen, sollst du, mein Esel, dich zum Schlafe legen. 2. Die Blätter wollt' er pflücken, da ging der Strunk in Stücken. 3. Im Haus, drin keine Katze wacht, geht Niemand ein bei Nacht. 4. Lieber die Gurke heut', als den Kürbis nach langer Zeit. 5. An den Ort, der einst des Hausherrn Waffe trug, hängt ein Hirtentölpel jetzo seinen Krug. 6. Wohnung mußt du dir in keiner Stadt bestellen, wo nicht Pferde wiehern, und nicht Hunde bellen. 7. Einen Stein wirft in die Quelle, die ihn tränkte, nur ein schmuziger Geselle. S. Hinter dem Leidenden her wandelt von Leiden ein Heer. 9. Alte Weiber, wie die jungen, kommen zu dem Tanz gesprungen. 10. Auf dem Feld, wo Steine ragen, mußt du kein Gehcimniß sagen. 11. Die Klagcypreß hat ihren Namen, weil alle Klagen von ihr kamen. 12. Ist erwachsen deine Tochter, sollst du deinen Knecht entlassen, und sic ihn heirathcn lassen. 13. Lieber Schmerz und Bande, als Schande. 14. Er bewarf sie mit Erde, und sie ward zum Schwerte, mit Halmen, und in Eile wurden sie Pfeile. - 15. Auch dem Dieb darfst du nichts nehmen, ohn' am Diebstahl Theil zu nehmen. 16. Der Mohr ist aller Otten vom Weißen verhandelt worden. 17. Magst über einen Narren weinen oder lachen, " du wirst ihn nicht zum Weisen machen. 18. Was sie in der Roth versprochen, haben sie im Glück gebrochen. 19. Was du thun willst oder sagen, mußt du erst den Brauch befragen. (Fortsetzung folgt.) Correspondenze», Auszüge, Repliken. (Aus Lemberg. Erster Artikel.) Indem ich mich anschicke, einen Blick auf die allgemeine Stellung, auf den allgemeinen Standpunkt zu werfen, den meine Glaubensgenossen in Gallizien einnehmen, ist es wahrlich ein tiefes Gefühl der Wehmuth, eine ungeheuchelte Empfindung der Trauer, die über mich kömmt. Wahrlich! diejenigen, welche glauben , die Sonne der Freiheit, und ihre Schwester, die Sonne der Erleuchtung und Aufklärung wäre überall schon am Horizonte Israels heraufgestiegcn, und es bedürfe daher weniger, wie vordem, gemeinsamer Anstrengung und allseitiger Mitwirkung, — diese irren nicht allein, sondern sie haben cs schwer zu verantworten, wenn sie irgendwo an thätiger Beihilfe es fehlen lassen, zu der sie die Vorsehung und das Jahrhundert berufen hat und auffordett. Auch wird es wohl jedem Verständigen und Gutgesinnten, auch unter denen, die unserem Glauben nicht angehören, nur wohl thun, zu sehen, wie wir nach dem Bewußtsein unseres Zustandes ringen, und mit solcher Leuchte in der Hand, vorwärts zu schreiten" — anstatt uns in dumpfer Bewußtlosigkeit gehen zu lassen, wie es gehen will. Vor Allem aber, wenn der Zustand der gallizischcn Juden nur noch Schattenseiten zeigen wird, muß ich ausdrücklich bemerken, daß dies nicht in dem Prinzipe unserer hohen Regierung liegt, die sich vielmehr überall hinneigt, den Zustand der jüdischen Unterthanen zu verbessern; daß diese Unthätigkeit und Stagnation nicht aus dem weisen Geiste der östreichischen Regierung fließet, der das Wohl aller seiner Untergebenen berücksichtigt und zu befördern die Absicht hat. Es ist vielmehr der trostlose Geist der Boruttheile, die alle Einzelnen, die alle uns umgebenden Nichtjuden gegen uns stimmen und uns aus allen Kreisen entfernt halten, der unsere Lage bewirkt, und alle Besserung hemmt und von sich stößt. Taub find unsere christlichen Mitbürger gegen die Donnerstimme des Jahrhunderts, und der mächtige Geist der Zeit prallt wirkungslos von diesen Klippen ab. Noch jetzt ist der Name Jude hier ein Schimpfwort, welches Ehre, Achtung und Ansehen raubt; jede Handlung eines Juden ist tadelnswctth; noch jetzt wird dem Juden hier die Fähigkeit abgesprochen, das Schöne, Gute und Wahre aus edlen Trieben befördern zu können; noch jetzt dient der Beisatz Jude dazu, den wahren Menschenwcrth zu verringern. Der gebildete Jude wird verspottet und gekränkt, der ungebildete verachtet und verstoßen, der angesehene Jude wird verhöhnt, der unangesehene noch mehr erniedrigt, der reiche Jude wird belächelt, der arme gehaßt, und so wird jedes Schöne, ,vou einem Juden vollbracht, häßlich, jedes Große klein, jedes Gute schlecht. Ueberhaupt vermag kein Fortschreiten in Industrie und Kunst, keine Bildung, keine Aufopferung unsere harten Gegner zu versöhnen, und auf diese Weise sind wir ewigem Tadel ausgesetzt, denn nichtnur das Unwürdige ist demselben preisgegeben, sondern auch jedes Würdige wird durch Andichtung böser Zwecke oder schändlicher Beweggründe herabgesetzt. Jede Gesellschaft, jede Zusammenkunft, wo sich Juden befinden — sie mögen auch gebildet, reich und angesehen sein — wird geflohen und für unnobel erklärt, und mancher Edle, der sich an Juden anschließt, wird deshalb von seinen Glaubensgenossen scheel angesehen. Noch immer find die Juden in ihren Wohnungen auf bestimmte Judenviertcl beschränkt, aus denen sie sich nicht entfernen dürfen, noch immer ist cs den .Juden untersagt, christliche Gehilfen oder Dienstboten zu haben, noch immer sind wir von vielen ehrbaren Gewerben ausgeschlossen. Ja, bis in das vorige Jahr ward den Juden, ohne Unterschied,' in Lemberg sogar der Besuch mancher Vergnügungsplätze versagt — nun ist zwar dieses Verbot aufgehoben, wobei sehr viele die Rase gerümpft, doch lieber versagt man sich am Sabbath oder an jüdischen Feiertagen diese Unterhaltungen, aus Furcht , einen Juden nahe, zu tteten, oder wenigstens den Schmerz zu empfinden, daß Juden dieselbe Unterhaltung genießen. Nein, ich wiederhole es, weit entfernt ist die hohe östreichische Regierung, uns in solcher Erniedrigung zu halten, i br e Weisheit und Humanität möchte, wenigstens allmälig, dir Schranken veri ringern, die uns, so vielfach wider unfern Willen, von dem allgemeinen Leben der Gesellschaft zurückhalten — aber wie wäre cs möglich, daß sich die un teren Behörden, die ihren Lokalsitz unter der Menge haben, von jenem gehässigen Geiste ftei halten sollten — und Niemand wird verkennen, daß der Einfluß dieser auf die Centtalregierung die Meinung erhalten muß, wir wären zu weit entfernt von den Entwicklungen der Juden in den übrigen Staaten unseres humanen, allvcrehrten und allgeliebten Kaiserhauses, um derselben Begünstigungen würdig zu sein? Denn

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