Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 105 (2.12.1837)
- Date
- 1837-12-02
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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420 Alles muH doch auf die Berichte, auf die Aussagen dieser Lokalautoritäten erkennen? Wie anders kann aber nun die Folge dieser Zudenverachtung in Bezug auf uns selbst sein, als daß sie die Ursache wird, daß sehr viele unserer Glaubensgenossen in geistiger und religiöser Cultur in der Thar noch weit zurück sind und bleiben? Müssen diese in ihrem Dunkel sich nicht glücklicher fühlen, als jene, die erleuchteter sind? Muß ihr unentwickeltes Gefühl nicht weniger empfindlich sein, als das zarte Gemüth des Gebildeten — ihre Hoffnungen werden nicht getäuscht, ihre Kräfte nicht gehemmt, ihre Aussichten nicht gestört. Zn ihre alten Vorurtheile gehüllt sind, sie geschützt gegen die Stürme des Judenhasses, die. zu bestehen, sie keine Veranlassung und Anregung haben — jene drücken eben nur die Würdigsten, deren Herz offen dafür ist. Ja, müssen sie sich nicht in's Geheim freuen über die Hindernisse, die der ermüdende Wanderer, der nicht ihren Weg wandelt, findet? Der sich mit den Begriffen des Schönen, Wahren und Guten bereichern will, der aber nur Dornen, keine Rosen findet, die ihm vor der Nase abgcpflückt werden 1 — Daher kann sich hier nur mancher erleuchteter Jude erheben, nur hie und da bemerkt man bei uns ein Streben nach dem Sterne höherer Wahrheit, nur wenige find in den Armen einer rationellen Erziehung, und so stockt alles Fortschreiten, so wird manche heilbringende Anstalt schon bei ihrem Entstehen vereitelt, und mit Schmerzen bemerken die Besseren, daß wir noch in dichtem Schatten sind, während unsere Glaubensgenossen in anderen Orten sich immer mehr entwickeln und ausarbeiten. Wohl fühlen auch wir das Bedürfniß einer umfassenden Ausbildung unsers religiösen Gefühles und unsers Gottesdienstes, ohne den kleinsten Schimmer der Hoffnung für die Verwirklichung desselben zu erblicken; das Erziehungswesen steht noch grö.ßtentheils unter dem mächtigen Einflüsse der veralteten Vorurtheile. Und dennoch, wenn nur der geringste Preis, der kleinste Lohn dem Streben des Besseren harrte, so wäre dieser hinreichend, selbst in der unentwickelsten Masse ein ganz neues Leben 'aufzuregen, und die schlummernden Geisteskräfte zu erwecken und zum Guten zu fördern. Wahrlich, die Hoffnung würde uns bestimmt nicht täuschen, daß der Staat reicher an einer großen Zahl würdiger Bürger würde, die dem Wohle des theuern Vaterlandes gern Blut und Gut zum Opfer brächten, die vereint zum Ziele der Vollkommenheit des gesellschaftlichen Lebens in seinem ganzen Inhalte hinstrrben, und zur Realisirung des Staatszweckes auf jede mögliche Weise beitragen möchten. — A. B .. . . asch. Anzeiger. 3« demselben werden Annoncen aller Art gegen Er. Gebühren für die gespaltene Zeile ans Petit- Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Der Kornel, begründet, hcrausgegeben und redigirt von dem Unterzeichneten, erscheint von 1838 an, erweitert in Form und Inhalt, ausgesiattet mit Stahlstichen, Lithographieen, Modebildcrn, Musikbeilagen rc., im Verlage von Philipp Reclam jun. in Leipzig; der Jahrgang, 264 Numm., kostet 10 Thlr. C. Herloßfohn. Eröffnung eines Penfions- und Erziehungs - Instituts für Israeliten in Hamburg. Es ist ein in unseren Zeiten lebhaft gesuhlter Mangel, daß cs vorzüglich den höheren gesellschaftlichen Classen an einer entsprechenden Anstalt fehlt, worin ihren Kindern eine ihrer Stellung und zukünftigen Bestimmung gemäße Erziehung rrthcilt werde; ein Mangel, der um so fühlbarer ist, da in der Regel in vielen großen Städten treffliche Anstalten für die Erziehung und Ausbildung für Kinder ärmerer Eltern vorhanden sind. Um nun diesem Mißstande _ abzuhelfen und einem gemeinnützigen Endzwecke die Hand zu bieten, und bewogen durch vov achtbarer Seite an ihn ergangene Aufforderungen, hat Unterzeichneter sich entschlossen, in Hamburg ein Pensions- und Erziehungs-Institut zu eröffnen. Die Unterstützung und fernere Mitwirkung, die in seiner Vaterstadt von den hochwürdigften und bewährtesten Männern diesem Institute zugefichert ist, darf wohl als Bürgschaft für dessen Tüchtigkeit angesehen werden. Dazu ist gerade Hamburg die Stadt, die auswärtigen Eltern zugleich Gelegenheit für das weitere Fortkommen ihrer Söhne in jeder Beziehung bietet, und die besondere Rücksicht, die der industriellen Richtung der Zeit, so wie der merkantilischen Tendenz des Ortes gewidmet «erden soll, die Ausbildung endlich, die abgesehen von dem Schulunterrichte — privatim von Unterzeichnetem in den älteren und neueren, wissenschaftlichen und religiösen Studien gegeben werden kann, machen es möglich, daß die Zöglinge, für welches Fach sie sich auch bestimmen mögen, hier tüchtig vorbereitet und herangebildet werden können. Indem Unterzeichneter dieses Institut der Aufmerksamkeit und dem Wohlwollen des geehrten Publikums empfiehlt, ist er gern erbötig auf geschehene Anftagen unter seiner Adresse in Hamburg oder in Cassel (seinem zeitigen Aufenthaltsorte) noch genauere Auskunft, so wie auch die nöthigen Bedingungen mitzutheilen. Die Eröffnung geschieht um so mehr jedenfalls auf Ostern 1838, als sich bereits eine entsprechende Anzahl von Zöglingen gemeldet hat. Hamburg und Cassel Samuel Enoch im November 1837. Dr. der Philosophie. So eben ist die 4te Lieferung erschienen von dem Werke - Ver#u ch e Jissroei'l und über Jissroeils Pflichten in der Zerstreuung, zunächst für Jissroeils denkende Jünglinge und Jungfrauen, Samson Raphael Hirsch, Grossherzoglich Oldenburgischem Land - Rabbiner. UebeT die Pflichten, gr. 8. Altona. Ilammerich. geh. . Die 5te und letzte Lieferung befindet sich unter der Presse, und ist dann dies geistreiche, originelle Buch: lieber die Pflichten vollständig! Nur bis Ende 1837 besteht der Subscripttonspreis für jede Lieferung 16 Gr., wofür es in allen Buchhandlungen Deutschlands, Oestreichs, der Schweiz rc. zu haben ist. Dir von Herrn Hirsch früher herausgegebenen LS Briefe über Iudenthnrn von Ben usiel haben die allgemeinste Lheilnahme gefunden, und es . steht zu erwarten, daß auch die Versuche freudig und begierig ausgenommen werden. An stellungs gesucht Ein Mann von 25 — 26 Jahren, bei einer ziemlich starken Gemeinde als Elementarlehrer, Cantor und Schächter bisher angcstcllt, wünscht zu Ostern künftigen Jahres eine ähnliche anderweitige Anstellung. Auskunft erlheilt die Redaction, wenn bei Anfragen die No. der Zeit, angegeben wird, indem zugleich bemerkt wird, daß die Ansprüche nicht zu groß und die Legitimationen sehr empfehlend sind. Druck von W. Haack.