Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 104 (30.11.1837)
- Date
- 1837-11-30
- Page
- Seite 414 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224843--00660-3299008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
414 und geistiges Interesse'betrifft, und dem wir, da es die edlere Seite des Fortschreitens ist und überdies demselben kein erhebliches Hinderniß im Wege steht, unsere volle Aufmerksamkeit und ganze Kraft zuzuwcnden fest entschlossen sind. Wir meinen den Gottesdienst und die Schule. — Daß in Beiden Verbesserung «ine unabweisliche Forderung ist, darüber sind wir in unserer klemm Gemeinde Alle einverstanden. — Weshalb? ist leicht einzusehm, wenn man diese Einrichtungm, wie sie bisher in dm meistm jüdischm Gemeindm bestandm 'habm, kennt, — auch wäre hier nicht der Ort, diese Frage ausführlich zu beantwortm; es ist bereits von dm größtm Gelehrtm unserer Zeit geschehm und uns zur unumstößlichen Ucbcrzeugung gewordm. Dagegen ist daß 53i„e? eine weit schwierigere Frage, welche von uns, die wir uns alle als Laim betrachtm müssm, nicht wohl gelöst werdm kann. Das ist es, wobei wir einer Leitung bedürfm und von unserer Seite nur die redlichste Mitwirkung gelobm können. Einm Mann, der diese Leitung übernehmen, der als Prediger und Lehrer in unserer Mitte segmsreich wirkm könnte, bietet uns unser russisches Vaterland nicht, und kann es auch, falls sich nicht Einer in unserer Gemeinde selbst' fände, aus dem natürlichm Grunde nicht, weil unsere geistigm und literarischm Bewegungm überhaupt durch unsere Muttersprache, die wir als gebome Liefländcr mit den Dcutschm theilm, auch zunächst nach dm Einflüssen Deutschlands sich gestalten, und es wird daher auch nur Einer, der uns die Klange der Muttersprache vemehmm laßt, und der -außerdem mit der geistigm Bewegung der Juden in Deutschland vcrttaut gmug ist, — also ein Deutscher — zu unfern Heizen redm könnm. — Einm solchen Mann nun, der durch eine bcstandme Prüfung dm Beweis abgelegt hat, daß er dem Fache eines Pädagogen und Predigers gewachsen ist, den wir uns noch dazu mit gründlicher jüdischer Gelehrsamkeit und wissenschaftlicher Bildung so wie mit moralischer Kraft und Würde ausgestattet denken, der wahrhaft fromm und auch dem eeremoniellen Theile der' Religion nicht abgmeigt ist, ohne jedoch Frömmler zu sein, der nicht grämlich, sondem würdig heiter seinm crhabmm Beruf erfüllt, einen solchen Mann an det Spitze unserer Bestrebungen zu sehm, würde für uns das crfteulichste Ereigniß sein und unsem sehnlichsten Wunsch erfüllen. — Sic, sehr verehrter Herr, können zu einer solchen für uns unschätzbaren Acquisirion, unserer Meinung nach, das Meiste bcitragm, und über Ihr Wollen laßt Ihr Gefühl wie Ihr bewährter Eifer für alles Gute keinen Zweifel. Findet sich nämlich ein Mann, wie ihn unsere Wünsche bezeichnetm, der übrigens ein angemessenes Alter, das nämlich nicht unter dreißig Jahren sein darf, habm muß, unter Ihrer Bekanntschaft, und daß es dieser an solchen nicht fehlm wird, glauben wir uns überzeugt haltm zu dürfm; so ist unsere angelegentlichste Bitte anSie, eine Aufforderung in unserm Namen nebst dem Vorschläge eines Jahrgehaltes von 1200 Rubel Banco Assign., den wir ihm bieten können, an ihn ergehen zu lassen. Außerdem bcübsichtigm wir, ihm zur Erleichterung zwei hiesige junge Leute als Gehilfen im Lehrfache unterzuordnen, damit er für seinen Beruf als Prediger mehr Zeit, gewinne. Daß unsere hohe Regierung auf die humanste Weise diese Richtung unter uns zu befördern sucht, gewähren die erfteulichstm Beweise. Wenn wir uns mit diesim Anliegm, ohne die Ehre, von Ihnen gekannt zu sein, direkt an Sie gewandt habm, so kann uns für solches Verfahren nur das unbedingte Verttauen, das ja ein Herz so leicht zu dem faßt, der es versteht, und Ihre liebevolle Nachsicht zur Entschuldigung dimm. Wir könnm uns vielmehr der schönen Hoffnung nicht erwehren, daß Sie nicht anstehcn werdm, Ihren vielfachm Vcrdimsim auch noch dasjenige hinzuHNsugm, das Wohl einer kleinen Gemeinde, die keinen hohem Wunsch kmnt, als sich einem wahrhaft religiösen und moralischen Gemüthslcbm hinzugebm undes sorfaltig ihrer Jugend einpflanzen zu könnm) durch eine so edle Hilfsleistung begründet zu habm. — Wir verbleiben mit der vollkommmstm Hochachttrng Ew. Ehrwürdcn Riga, den l/l3. November 1837. ergebene H. W. Hamburger.» Der Vorstand (L. 8 ) N. A. Scheincsson. f der Ebräer - Benj. Nachmann. l Gemeinde N. Beckowitz. l zu Riga. Wir fügen noch eine Abschrift von zwei kaiserl. Ukasm hinzu, die Ew. Ehrwürdm der Veröffentlichung wcrth scheinm werdm, obgleich ihre Mittheilung etwas verspätet ist. I. Ministerium des Innern. Oekonomie-Deparrement den 16. Mai 1837. Nr. 476. An derr Herm Riga'schen Kriegs - Gouvemeur. Der Herr und Kaiser haben gemht Allerhöchst zu befehlm: 1) dir Ansiedelung, der Ebräer in Siberim positiv und für immer aufzuhebm; 2) die AnMelung der Ebräer nach den über sie in der Verordnung vom 13. April 1835 gegebenen Regeln in dm neumfsischm, und wmn es möglich ist, in den weißmfsischm Gouvememmts zu bewerkstelligen, und überhaupt an solchm Ottm, wo ihnm erlaubt ist, sich bleibend anzusicdeln; deshalb sind auch vorlausig aus dm lecrliegcndm Krons - Gütern taugliche Ländereien auszuwäh-