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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-30 · Heft 104 (30.11.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 104 (30.11.1837)
Date
1837-11-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. AksgSMeiKe No. 1«4. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unparchensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigsirr Concesswll.) Leipzig, den 30. November 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Aus Baiern, 18. Nov. (Privatmitth.) Ich ersuche Sie, die Akten bezüglich der Aeußerung des königl. Staatsministers des Innern in der baierschen Standekammer wegen der Nichtbewilligung von 3000 fl. zur Errichtung einer Oberkirchenbehörde rc. von Seiten der Kreissynoden, noch nicht zu schließen, und das hierüber Verhandelte bei der Rezatkreis - Synode, welches ich in meiner Eigenschaft als Abgeordneter mit möglicher Treue nachgeschriebm habe, wie folgt, in der Allg. Zeit, des Jud. aufzunehmen: Sitzung vom 25. März 1836. Vortrag des Referenten rc. Die Deckung der Kosten für eine Oberkirchenbehöcde alternirt zwischen Deckung derselben durch die Glaubensgenossen mittelst einer allgemeinen Umlage oder durch fteiwillige Beittäge. Die Unthulichkeit der letzten Art zeigte das Verfahren bei der Errichmng der Talmudschule im I. 1828; daher sei die erste Art, und zwar nach dem Steuerfuße, als welcher durch das Gesetz vom Jahre 1809 als Normal-Maßstab feftgesetzt worden, vorzuziehen. — Gerechter Wunsch sei cs, daß die Kosten auf die Staatskasse übernommen würden, da die Israeliten gleiche Steuern mit den andem Staats-Angehörigen, und im Untermainkreise deren noch mehr, tragen, ohne daß ihnen wieder, wie den übrigen Steuerpflichtigen, etwas aus der Steuerkasse zuflicßt. Bis dieser Wunsch in Erfüllung geht, sollm die Kosten (5000 fl. für eine mit ttanfltorischer und 10,750 fl. für eine mit permanenter Einrichtung) von den Glaubensgenossen durch eine allgemeine Umlage nach dem Steuerfuße gettagrn werden.^ Abstimmung. I. Sollen die Kosten für eine Oberkirchenbehörde auf die Staatskasse übernommen werden? —- Einstimmig bejahet. — II- Sollen sie eventuell durch die Glaubensgenossen nach dem Steucrfuße gettagcn werden? — Bejahet mit 79 gegen 26 Stimmen.*) — Der Wunsch, daß die Obcrkirchenbehörde zugleich eine jüdischtheologische Facultat bilden solle, fand allgemeinen Anklang. Es wäre überflüssig, wollte man diesem allen noch etwas hinzufügen; die Synode des Rezalkreises hat sich in dieser Beziehung nicht das Mindeste zu Schulden kommen lassen. Aachen, 25. Oct. (Privatmitth.) Ein bemerkenswerthes Ereigniß ist der Tod Michael Joseph Gusikows, des *) Selbst diese Minorität war nicht gegen die Tragung der . Kosten, sondern nur gegen dieselbe nach dem Steuer fuße, nach welchem die Reichen am allerwenigsten za tragen hätten. Anm. des Corresp. berühmten Tonkünstlers, welcher am vorigen Sonnabende, den 21. October, ftüh Morgens 5 Uhr, nach langen Leiden in Folge der Lungmschwindsucht verstorben. Nicht vollständig hat er das 32. Jahr erreicht, starb indeß als ftommer Jude, ergeben in den Willen des Allmächtigen und vollkommen vorbereitet auf sein herannahendes Ende, in. den Armen seiner ihn begleitmden Anverwandten, eines Bruders und eines Vetters. Die Beerdigung fand Montag, den 23sten, statt, und war so ehrmvoll, als cs von einer so kleinen Gemeinde, wie die unsrige, nur verlangt werdm kann; auch einige christliche Verehrer des Verstorbenen nahmen an dem Lcichenzuge Theil, und bei der Einsenkung des Sarges war eine große Zahl angesehener hiesiger Musikfteunde gegenwärtig. Der Verblichene hinterläßt eine junge Wittwe und zwei Kinder von 8 und 4 Jahren, wovon das.erstere aus einer ftühern Ehe. Soweit mein kurzer Bericht. Einer geübteren Feder habe ich es überlassen, Ihnen binnen Kurzem einen ausführlichen Nekrolog zur beliebigen Aufnahme einzureichen. Das sonst eben nicht dessentimentalen Styles sich bedienende Pariser Charivari (vom Sonnabend 4. Nov.) zeigt Gusikows Tod in folgenden Motten an: Was Gusikow anlangt, so könnte nur Hoffmans Feder ihm einen würdigen Nekrolog schreiben. Das war so ein Musiker, wie sie dieser große Dichter liebte: traurig, mystisch, tiefsinnig; ein lebendiges Rärhsel, dessen Auflösung man noch lange nicht finden wird. Alles war Geheimniß bei Gusikow, seine Gebutt, sein Leben, sein Tod., Ein alter Einsiedler fand ihn einst auf einem Gipfel des Kaukasus tief im Schnee, ftostdurchschüttelt, halbtodt. Wer hatte ihn dahin gebracht? Das konnte er selbst nicht sagen, das wird niemand erfahren. Sein Ende war eines solchen Anfangs würdig. Vor Kurzem sah sein Witth in Aachen ihn nicht zur gewöhnlichen Zeit herunterkommen, er geht in sein Zimmer, und findet ihn ausgestreckt auf dem Boden, fest an seine Brust das Instrument gedrückt, dessen Geheimniß mit ihm zu Grabe gegangen. Man wollte ihn-aufheben, aber er fiel regungslos nieder.— Gusikow hatte zu leben aufgehört! Politische Lontrole. (Schluß von No. 103.) Diese allgemeine Darstellung unsers gegenwärtigen äußern Zustandes möge Ihnen vorläufig genügen. Wir wenden uns nun zu einem Gegenstände, der mehr unser inneres Leben

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