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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-05 · Heft 67 (5.6.1838) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 67 (5.6.1838)
Date
1838-06-05
Page
Seite 271 (sequence 3)
Language
German
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271 Literatur. Weift des Judenthums. Äus 0em Englischen des d'Zsraeli, Vater. Stuttgart Liesching. I836-. 8. IV und 238 S. (Schluß.) Der Vers, geht nun zur Lösung des Problems über, wodurch das Iudenlhum sich erhalten habe, „in der That ein bedeutendes „Rachsel, vielleicht ein Geheimniß, ja es wird für ein Wunder „gehalten (S. 109)." Er gibt vier Haupt-Ursachen^an: 1) doS geschriebene Gesetz des MoseS und seine Aufnahme als göttliche Institution, 2) der Sabbat, 3) daö Ccremonialgesetz, 4) das Verbot gcwiyer Speisen. Aber daS geschriebene Gesetz Mosis, für eine andere Zer: und andere Verhältnisse geschrieben, in einem großen Theile nicht praktisch abwendbar, mit den übrigen sub 2 bis 4 aus diesem Gesetz erst hervorgehenden Institutionen, war es wol nicht allein, das den Geist eines ganzen Volks als Religionsgemeinde aufrecht erhielt, über allen diesen Gesetzen und Ceremonien schwebte die Lehre von dem einigen Gotte, die den Juden mit Begeisterung erfüllte und ihn im Gedanken höher als alle Nationen, die er in eine drückende Geistessclaverci und in Götzendienst versunken sah, höher stellte. Alle jene Ceremonien und Gebräuche, der Sabbat in seiner Heiligkeit (vom Lerf. schön gewürdigt S. 114 :c.), die Beschnbidung, eine wunderbare Combination eines religiösen und politischen Zeichens (S. 129), die Absonderung in den Speisen (S. 131 :c.) haben unendlich viel bei getragen, das Iudenthum zu erhalten, und wie viel hierbei der Rabbtnisiuus durch genauere Feststellung, Modification, Begreni zung und Erweiterung beitrug, hat Res. schon oben erwähnt, aber sie entsprangen ulle erst aus dem L ebensprin zipe des Judentums, dem Monotheismus, und dieses Lebensprinzip mußte auch Erhaltungsprinzip werden, eö war die Seele des kirchlichen Körpers. Der Vers, scheint dies wol gefühlt zu haben, wenn er (S. U2) bemerkt: „„Die Welt ward für den Menschen erschaffen zur Anbetung,"" „ist das LebenSprinzip des Iudenthums (nach „Manasse ben. Israel, tliesoro dos Dinim, que a povo de Israel »che obrigado a saber e observar p. 1). Jeder Tag wird durch „wiederkehrende Gebere abgetheilt und durch eine Menge religiöser „Handlungen geheiligt: die äußern Formen der Andacht sind räg- „liche Gebräuche und laufen sogar unter ihren Geschäften fort; in „der Straße oder aus dem Markte, Morgens und Abends müssen „sie auf die gleiche Weise ihren „„einigen Gott"" bekennen" — aber Gebräuche und Ceremonien können keine ganze Nation in nachhaltiger Kraft bewegen, im schweigenden Märtyrerthum, ihr Haupt hinzugeben, dies kann nur ein höherer über alle menschliche Satzungen stehender Glaube an das Unvergängliche, Ewige. Was soll man aber sagen, wenn der Vers. (S. 144) behauptet: Der einfache Umstand mir den verbotenen Speisen habe an allem Unglück, welches die Juden betroffen, Schuld! „AuS diesem Grunde find sie in allen Städten, nicht sowol durch die christliche, als ihre eigene Intoleranz, verdammt worden, abgelegene, finstere Stadtviertel zu bewohnen." Also nur auö der jüdischen Jntoleranz gegen das Schweinefleisch sind jene Verfolgungen der Juden entstanden, find sie wie eine Heerde Vieh in Ghettos und Iudengaffcn eingepfercht worden, hat man sie genöthiget, den gelben Hut und Abzeichen zu tragen, sind sie zur Würde voll Kamwerknechten erhoben, sind sie aus Spanien und Portugal in Masse verjagt worden, und wie unzählig und unermeßlich die Unglücköfalle sind, die ihr unglückliches Haupt betreffen, die jüdische Nation hat eS ihrem eigenen Fanatismus gegen ungeschlachtete Ochsen zu verdanken! ES würde unS hiernach kein Wunder nehmen, wenn die Branntweintrinker die Mitglieder der Mäßigkeitsvereine in besondere Gaffen verwiesen, man müßte ihr Streben, dem Genuffe der Geist und Körper zerstörenden Spirituosa Einhalt zu thun, eine grobe Intoleranz nennen, denn nach Den bedeutendsten Rabbrnen (Maimuni, Leo de Modena ff.) harren diese strengen Entsagungen auch nur! den Zweck, die Israeliten zu einem heiligen Löben mit kindlicher; Einfachheit zu führen und selbst der Möglichkeit eines Jrrlhums zu entziehen. Mit weniger englischem Spleen, aber mehr englischer Toleranz, berührt der Vers, die Versuche, die Juden zum Christenrhum zu bekehren (XI.). Er erwähnt der oft lächerlichen, oft grausamen Mittel seit den Zeiten der Kirchenvater, der Disputationen zwischen Mönchen und Rabbinen im Mittelalter, der Vorlesungen und Predigten in Rom und andern Orten, der fanatischen Jnvectiven Lavater's gegen Mendelssohn, der londoner Gesellschaft zur Beförderung des Chriftenlhums unter den Juden. Um sich einen Begriff von der Wirksamkeit dieser Gesellschaft zu machen, stehe hier die Note von S. 160. „Nach ein enr Versuch von sechs Jahren harre die Gesellschaft, ihrem Bericht im Jewish Hepository^ C. Jl. S. 304 zufolge, nicht mehr als sechs Profelyten jährlich, darunter Knaben und Mädchen aus den niedersten Klaffen, zuwege gebracht. Nach den Rechnungen vom Mai 1823 beliefen sich ihre Einkünfte auf zehntausend Pfund jährlich <ich schreibe die Zahl aus!). Uebrigens hatte sie siebcnzigtausend Traktätchen vertheilt und achttausend Testamente weggegeben." So geht es,menschlichen Bemühungen, wenn sie gegen die ewigen Plane der Vorsehung kämpfen, eine dreitaustndjährige Geschichte mit Gold vernichten wollen. Der Vers, führt einige Gründe an, aus welchen jene Bekehrungsversuche so unnütz werden: „Erzogen im Glauben seiner Väter, findet der Jude „unendliche Schwierigkeiten, diesen alten Glauben §b;uschwören, „welche deul, der das Waper des ChristenrhumS empfangen hat, „nicht im Wege liegen. Der Jude muß vernichten, was er als „das mündliche Wort des Schöpfers selbst verehrt, ein Gesetz von „ewiger Verpflichtung, ewiger Dauer, während der Christ blos „seinen Besitz fefizuhaltcn hat." „Der erleuchtete Christ sollte „wahrlich seinen altern Bruder nicht verfolgen, da Iudenthum und „Christenthum auf demselben Grunde ruhen; auch kann ein Glaube „den andern nicht gefährden, denn die apostolischen Erzäh- „lungen sind für den Christen nicht authentischer, „als die Wunder des Sinai." „Aber die größte Schwie- „rigkeir für den unglücklichen Israeliten, wenn er auch je geneigt „ist, sich, dem Evangelium in die Arme zu werfen, ist die Wahl „dessen, der ihn bekehren soll. Die Christenheit wird unserm Nee- „photen zu einer Welt von Wassern und nirgends findet diese „Laube einen grünen Zweig, um ihre müden Flügel darauf aue- „zuruhen; denn mag der Hebräer^ wählen, was er will, entweder „muß er sich für irreligiös erklären, oder von andern Christen „verdammen lassen. Dissenters erheben sich gegen Dissenters, „Missionen ziehen gegen M.stfivnen zu Frlde, alle gleich bereit zum „Bekehren, während jede Partei ihr eignes Dogma, ihre „besondere Glaubenslehre a u f st e l l t." Die Untersuchung der Ursachen, welche von jeher den Juden so viel Feinde zugezogen, macht den Inhalt des zwölften Kapitels des -'Israelischen Werkes aus. Die Nachbarnationen Palästina haßten sie wegen des kriegerischen Geistes (S. 195) Griechen und Römer wegen ihrer gerechten Verehrung des heiligen Gesetzbuches" , von welchem die Heiden nur fabelhafte Begriffe hatten (S. 196 ff.). Die dritte Ursache des ewigen Hasses gegen das jüdische Volk war seine unglückliche Stellung in der Gesellschaft, wahrend des Mittelalters. Und nun erfahren wir auf einmal ganz andere Ursachen des jüdischen Unglücks, als die Speisegesetze. „Es war „eine Zeit, welche die Einfachheit des ersten Christenthums verlogen hatte; eine dünkte Zeit und harte Menschen, bei denen selbst „daö Christenthum zur Barbarei wurde. Ueberall waren die Ju- „den deS Bürgerrechts beraubt, keiner Duldung theilhaft, höch- „stenS nisteten sie in großen Städten, wo man sie halb übersah, „oder wurden von einem schlauen Baron als „seine Juden" beschützt; so konnte dieses hilflose Geschlecht nur in dem niedrig- •) Aber gewohnt, das römische Recht und Gesetz zu verachten, Lerm« ste jüdisches R-che und halten m»t Furcht uud mit Zittern Alles was Moses nur im geheime» Buche geschriebea. Go Zuvenal. , Auf gleiche Weise machen Cicero, Hora«z, Tacitu 4 u. A. Ausfälle gegen die Juden.

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