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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-05 · Heft 67 (5.6.1838) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 67 (5.6.1838)
Date
1838-06-05
Page
Seite 270 (sequence 2)
Language
German
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270 ders zur Gemeinde, anders zur Behörde spricht, sondern der zugleich die großen Aufgaben des Jahrhunderts versteht — nur durch einen solchen Nabbinen kann die Würde des Standes, die Würde der Gemeinde und die Würde des uns Allen theuren Judenthums aufrecht erhalten werven. Wir wissen zwar, daß die Gemeinde eigentlich nicht das Recht hat, diese Stelle aus eigener Wahl zu besetzen, wir wissen aber auch, daß die hohen Behörden so billig find, sich in solchen Fällen über eine definitive Besetzung vorerst direkt oder indirekt zu verständigen, und so wird bei der väterlichen Gesinnung unsrer Regierung, die sich erst jüngst so glänzend durch einen Erlaß kund gethan, es keinem einzelnen Manne einfallen können, der Gemeinde Jemanden als Religionsverstand auforingen ju wollen, der ihren Bedürfnissen und Wünschen entgegen wäre. — 0. Geschichte. Josephus, fein Leben, sein Charakter und seine Zeit von D r. 11 r i. I. Casus Caligula war römischer Imperator. — Ausgerusen hatten ihn die Prätorianer, mit Freuden erkannt Senat und Volk, denn seine Regierung sollte die trüben Tage unter Tiberlus vergessen machen, denn er sollte die Hoffnungen erfüllen, die das Volk beim Tode seines edlen Vaters Germanikus verzweifelnd sinken gesehen. — Bald wurde Rom und mit ihm die Welt enttäuscht. Verworfenheit der Sitten, unbändige Leidenschaften, eine an Narrheit grenzende Eitelkeit, tyrannische Grausamkeit waren die fürchterlichen Charakterzüge des neuen Kaisers. Auch über Palästina hatten sich die Wirren dieser Zeit Zeit verbreitet. Mit Ingrimm trug das Volk das Joch der römischen Statthalter, Judäa, Samarien und Jdumaa waren römische Provinzen, Herodes Agrippa, Enkel des großen Herodes — der Freund des Tyrannen der Welt — war Tettarch von Trachonitis und hatte seines Vaters Bruder Herodes Antipas auch aus Peraa und Galiläa vertrieben. Dieser beweinte in Spanien des Kaisers Ungnade und starb im fremden Lande ohne Ruhm und ohne Freunde. Caligula schickte den Petronrus mit einem Heere nach Judäa, um in Jerusalem seine Statuen aufzustellen: mit Weibern und Kindern versammelten sich die Juden in der Ebene beiPtolemais, folgten dem Petronius nach Tiberkas, baten um Schonung der väterlichen Sitte und des väterlichen Gesetzes und boten für die Verletzung lieber ihr Leben an. „Für den Kaiser und für das römische Volk opfern wir „zweimal des Tages, wolle er aber durch Hinstellung der „Bildsäulen die Religion des lebendigen Gottes verletzen, so „müsse er vorhin das ganze jüdische Volk opfern; gern reich- „ten sie, nebst Gattin und Kindern ihren Nacken seinem „Mordschwerte." — In solcher Zeit, im ersten Jahre der Regierung Kaisers Casus Caligula s37), ward Josephus geboren, eine der glänzendsten Erscheinungen in der Geschichte Israels und doch seinem Leben, seinem Charakter, und seinen Thaten nach Vielen seiner Nation unbekannt, dennoch im Munde des Volkes lange Zeit und von Ungelehrten selbst jetzt noch mit einem spätem Schriftsteller, dem Josiphon den Gorion verwechselt, dessen fabelhafte Geschichte nur einen neuen traurigen Beweis liefert, wie sehr die Kenntniß und das Studium ihrer eigenen Geschichte von der jüdischen Nation vernachlässigt wurden. Josephus stammte väterlicher Seite von priestorlichem, mütterlicher von königlichem Geschlechts ab, denn, wie ihn die vom Hohenpriester genau geführten Geschlechtsregister lehrten, so gehörten seine Ahnen zur ersten Abtheilung unter den vier und zwanzig Ordnungen d<r Priesterschaft, die nach David's Verordnung abwechselnd den Gottesdienst eine Woche lang verrichteten. Seinen Vater, den Priester Mathias, zeichnete das Lob eines Biedermannes aus und er war in Jerusalem aufs Ehrenvollste bekannt, seine Mutter war die Enkelin des ersten Hohenpriesters aus der hasmonäischen Königsfamilie. Zugleich mit seinem Bruder Mathias in Jerusalem erzogen und unterrichtet, erntete Josephus schon in einem Alter von vierzehn Jahren, bei den Zusammenkünften der Hohenpriester und der Ersten der der Stadt, Lob und Beifall ein. Die philosophischen und theologischen Ansichten der Gebildeten und Gelehrten > im jüdischm Volke waren zu den Zeiten unsers Josephus nach den drei Secten der Pharisäer, Sadducäer und Effäer^ verschieden, Josephus wollte ihre Grundsätze bei ihnen selbst durch eigene Ansicht und Erfahrung kennen Lernen und begann daher in seinem siebzehnten Lebensjahre, nicht ohne manche Beschwerde, die Prüfung derselben. Es wird dem Leser willkommen sein, von ihm selbst die ausführliche Charakteristik dieser drei Secten zu vernehmen. (Fortsetzung folgt.) ') I. Ehren. 25, 1—19. vgl. II. Chron. 8, 14.

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