Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 67 (5.6.1838)
- Date
- 1838-06-05
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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272 „fren Gewerbe seine Unterhaltungsquelle finden." „Zuerst ge- „haßt und dann verläumdet, werden sie die Opfer des Staats, „und die Gerechtigkeit drückt die Augen zu, während das Volk „sich Gewaltthaten oder Verwüstungen erlaubt. — Sie selbst „nährten einen angcerbten Haß gegen das Christenthum und gos- „sen ihn in Schmähschriften gegen die christliche Religion aus." (ES waren nur einzeln Jnvective in Büchern zerstreut). „Uebri- „gens haben die Juden in diesen antichristlichen Werken nur an- „ticipirt, was dieReformirtey und Protestanten hernach mit eben „so großer Bitterkeit durchführten." Endlich sagt der Verf. (S. 211): „Einige haben gedacht, „der strenge Hebräer habe etwas in seinem Nationalcharakter, das „ihn von andern geschieden halte. Aber wir müssen zwischen sei- „nen religiösen Ceremonien und Gewohnheiten, die ihn isoliren, „und seinem individuellen und localen Charakter unterscheiden." — „Das jüdische Volk ist keine Nation, es besteht auS vielen „Nationen, aus Spaniern, Portugiesen, Teutschen, „Polen, Italiänern, Engländern und Franzosen und //spiegelt wie das Chamäleon immer die Farbe des Bodens ab, „der ihm zur Heimath geworden ist. Nach wenigen Generationen assimiliren sich die Hebräer mir dem Charakter, und „verwandeln sich nach dem Gefühl der Nation, bei der sie sich „eingebürgert haben." ff. Und S. 225: „Jeder naturalisirte „Jude ist als politisches Wesen von dem Juden einer andern Na- „tion getrennt. Der Hebräer erbt die Fcindschaftsr und Freundschaftsverhältnisse des Landes, in dem er geboren ist, er nennt „sich sogar nach dessen Namen." Nach so wahrhaften und freimüthigen Erklärungen sollten wir nun denken, unser Vers, führte unS zu einem recht erfreulichen Resultat im Endkapirel (S. 229). Aber nachdem er im Vorhergehenden die Geschichte der jüdischenNiederlaßungen in England gegeben, meint er nun zwar, „daß es ein Akt politischer Gerechtigkeit wäre, den britischen Namen, welcher nun auch dem in den großbritannischen Ländern gebornenHebräern gebührt, nicht länger derabzuwürdigen, und ein Akt politischer Weisheit, aller jener bürgerlichen'Entkräftungen und Beraubungen, welche bis jetzt einen so bedeutenden Thcil unsrer Mitbürger gedrückt und erniedrigt haben, ein Ende zu machen" — aber dennoch sei es „klar und erwiesen (wodurch?) daß die sociale Reform der englischen Juden vorzüglich von ihnen selbst abhängc," dennoch ist es „eben so klar, daß cs gewisse welche?) Privilegien gibt, die eine christliche Regierung einem jüdischen Unterthan nimmermehr "gewähren kann." „Die Schwierigkeit besteht in dem mosaischen Speise verbot (!!) und den tausend Ceremonien, welche die Rabbinen erfunden haben." °). „Wir hatten erwarten sollen, daß die •) Man verzeihe kn so ernsthafter Cache den Spaß, aber sollte man nicht denken, daß nur der Mangel an Schinken und Methwurst auf „jetzigen Anhänger des Pentateuchs ihr heiliges Gesetz mit einem „Hellern und durchdringender« Geist gelesen hätten, als ihre Väter „im vorigen Jahrhundert." Der Verf. will schließlich die Juden bitten, endlich einmal ihre Jugend als ein junges Europa, und nicht mehr als ein junges Palästina zu erziehen. Sie sollten ihren Talmud auf das oberste Büchcrbret stellen, wo man ihn als eine interessante Antiquität, aber nicht als Handbuch der Erziehung zu Rathe ziehen mag. Da müssen wir denn den Herrn d'Jsraeli fragen: Wer, der nur irgend Kenntniß' der jüdischen Verhältnisse hat, könnte solche Behauptungen aufstellen und solche Rathschläge ertheilen! Wer, der nur eine gedruckte Predigt eines halb gebildeten Rabbinen der jetzigen Zeit gelesen hat, könnte bewahrheiten, daß die Juden ihre Bibel mit wenig Hellem Geiste lesen, siudiren und erklären. Wer, der nur eine jüdische Schule besucht hat oder in das Haus eines geringen deutschen Judenö getreten, kann beweisen, daß der Talmud „das Handbuch der Erziehung" sei, der leider! nicht einmal auf dem obersten Bücherbret zu finden ist, und selbst als Antiquität vom Juden unsrer Zeit vernachlässigt wird! Indem wir nun das Buch d'Jsraeli'S „über den Geist des Judenthums" aus der Hand legen, fragen wir uns aufrichtig, was wir auö demselben Neues gelernt, waS Großes erfahren haben? Nichts, als daß die Juden bei dem vielen Unglück, welches sie bedrückt, auch das haben, so viele Bücher kaufen und lesen zu müssen, in welchem sie und das Judenthum falsch erkan n t, falsch beurth eilt werden, in welchem halbes Wissen und arrogante Anmaßung das Wort führen. Das beurtheilte Werk liefert uns nur — Phrasen, mitunter schöne Phrasen, aber es schasst auch nicht die geringste gründliche Ansicht vom Wesen und Geiste deS Judenthums. Der Vers., literarisch hock stehend, hat das Judenthum weder theoretisch noch praktisch (im Leben) kennen gelernt, sein Büch ist daher voller Widersprüche, je nachdem ihn sein Genie bald diese, bald jene Seite vorführt. Noch besitzen wir leider kein Werk, welches den „Geist deS Judenthums" historisch-philosophisch entwickelt; eine treffliche Vorarbeit ist: „Wolf und Salemon, Charakter des Judenthums" mit manchem schönen Materiale, aber es war der Zweck der Verf. nicht für Gelehrte zu schreiben und ihnen nicht vergönnt, aus den tiefen Quellen der Alles beleuchtenden Geschichte und einer Philosophie zu schöpfen, die alles Vergangene und Bestehende als Entwicklung zu einem Besier und Höhern betrachtet. vr. mell. P. Philipp so n. Rothschilds, Morrtefiore'S u. A. Tafel daS englische Ober-Parlament al gehalten habe, die EmancipationSbill durchgehen zu lassen? D. R ec. Druckfehler. Der Verf. der „Hamburger religiösen Zustände" bittet folgende Druckfehler zu berichtigen: Nv. 45. S. 178. Sp.; 3 8 v. u. fällt eben so weg. No. 47. S. 186. Sp. 2. Z. 8 v. o. statt früher wenigstens lies früher mindestens, Z. 24 s Erleuchteten l. „Erleuchteten". — No. 52. S. 210. Sp. 2. Z. 12 v. u. l. wo man nicht „die Colonieen Lieber als ei Princip" preisgibt. S. 211. Sp. 2. Z. 1 v. o. st. Handlung U Behandlung. — Außerdem bitten wir gefälligst zu verbeffern: No. 57. S. 230. Sp. I. Z. 10 v. o. st. Zerstörung l. Zerstreuung. S. 232. Sp. 1. Z. 13 v. u. st. Heischeimen l. Her.! he im er. Beibl. No. 12. S. 46. Sp. 1. Z. 21 v. u. ft. gestellt zum Leben l. gestellt zwischen Leben. No. 58. S. 234. Sp. 2. Z. v. u. st. wie freu' ich mich, -daß — l. wie freu' ich mich deß —. No. 59. S. 238» Sp. 2. Z. 1 v. u. st. wie damals l. wie stltc damals. Beibl. No. 13.. Sp. 1. Z. 30 v. u. st. Westheimer l. Wertheimer. Bemerkungen: Die Notizen von E. F. in A. in M. sind nicht zur Benutzung fähig; doch sind es vielleicht andere von ihn Persönliche Widerlegungen, wie die des Herrn K. in P. müssen wir, wie dies die Sitte aller Zeitschrij schriften ist, in den Anzeiger verweisen, und kommt es daher auf den Herrn K. in P. an, ob er die Koste tragen wolle. Auf die Anfrage des Herrn 8. in P. „ob auch von Nichtjuden in d. Allg. Z. d. Zud. Aufsätze au genommen werden, wenn sie ihrer Tendenz entsprechen," können wir nur auf die Zeitung selbst verweisen, n dergleichen von achtbarster Hand schon Mehre Platz gefunden, und sogar von Universitätsmännern. Das zur An wort, ohne daß wir von seiner formlosen Einsendung Gebrauch machen können. Es thut uns leid, von der Einsendung des Herrn 8.1.'11. 11. in T. keinen Gebrauch machen zu könne! da sie zu lokal ist. Die Redaction Redactevr Dr. i*. PhiiipPfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B Hirschfeld.