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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-05 · Heft 67 (5.6.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 67 (5.6.1838)
Date
1838-06-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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9 II. Jahrgang, No. 69. Zeitung -cs Zudcnthums. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Coucesilon.) Leipzig, den 5. Zuni 1838,' Zeitungsnachrichten. .Schneidemühl, 20. Mai. sAufruf zur Unterstützung Behufs des Wiederaufbaues unsrer Synagoge^. Im Jahre 1834 brannte unsere Synagoge ab. Se. Maj. der König haben uns die Eclaubniß verbilligt, eine Kollekte zum Wiederaufbau unsres Gotteshauses^ bei den Israeliten-Gemeinden der preußischen Staaten zu veranstalten. Unsere Kräfte sind zu schwach, um es würdig wiederherzustellen. Es ist eine alte Sitte, in solchem Falle des Glaubensgenossen Hilfe zu erbitten. Es ist eine noch altere Sitte, diese Hilfe auch zu erhalten. Darum bitten wir dringendst, unsere deshalb an die verehrt. Gemeinden erlassenen Schreiben zu berücksichtigen, und ein Scherflein uns zukommen zu lassen. Von westen Hand der Lohn und Segen kommt, das wissen Alle. ' Die Vorsteher der Israel. Gemeinde zu Schneidemühl. Prag, 10. Mai. (Privatmitth.). Am 8. d. M. wurde die Leiche des zwei Tage vorher verstorbenen ersten Oberjuristen Rabbi Samuel Lob Kauder der letzten Ruhestätte übergeben. — In ihm fällte der Zeitenlauf einen jener schönen Baume, die ihre ersten kraftteichen Sprossen in einer umzaunten Baumschule getrieben, spater nach einem fremden Boden versetzt,' zwar weniger Früchte tragen können, aber doch dem Wanderer ihren milden Schatten nicht entziehen. — Er lebte als ein sehr geachteter Privatmann in unserer Mitten erst gegen sein 50. Lebensjahr wurde er als Kreisrabbine des budweiser Kreises berufen. Nach, dem Tode des ersten Oberjuristen *) Samuel Landau, erhielt er vor vier Jahren in seinem 68. Lebensjahre auf den einstimmigen Ruf der Gemeinde dessen Stelle. — Innig vertraut mit dem, was nach altem Herkommen zum tüchtigen Rabbinen qualisizkrt, fanden doch auch die Bestrebungen moderner Bildung bei ihm Eingang; sanft in seinen Sitten, selbst streng fromm, und persönlich anhangend dem, was er aus einer frühem Zeit überkommen, ließ er doch die' Jüngeren in ihren billigen Bestrebungen gewahren. Er hatte so viel bescheidene Selbstverlaugnung, um einzusehen, daß Gewohnheiten, unter denen er ausgewachsen, nicht für Andere bindend sein können, denen die Zeit seiner Erziehung nunmehr noch als eine Zeit der Sage erscheint, die sie nur noch aus ihren schwachen Ueberresten zu *) Ueber die Bedeutung und Abstammung dieses Titels s. diese Zeit. No. 38. S. 152 Anm. Red. erkennen itn Stande sind. — Und in der That, hatte er selbstständig handeln können, hatten sich nicht an seinen guten Witten zentnerschwere Gegengewichte gehangen, er würde gewiß Alles selbst gethan haben, was der duldsame Mann so nur geschehen ließ. Sein Tod wird betrauert von allen Gemeinde-Mitgliedern, und seinem Leichenwagen folgten Tausende, und wenn sich die allgemeine Trauer nicht durch eine den jetzigen Begriffen von öffentlichem Anstand entsprechende Feier kund geben konnte, und wenn man statt einer verständlichen erbaulichen Rede, die man mit Fug erwartete, drei Vortrage hören mußte, die dem Hundertsten weder dem Geiste noch dem Worte nach verständlich waren: so lag die Schuld Kur an denjenigen, die kein andres Prinzip kennen, als dem gerade entgegenzuhandeln, was die'Besseren wünschen. — Der Aufzug selbst bot einen kläglichen Anblick dar. Wahrlich! hatten sich nicht die Lehrer der Normalschule und die braven jüdischen Handwerker der guten Ordnung, so viel in ihrer Macht stand, angenommen, diejenigen, denen es oblag, in der Sache etwas zu thun, hatten sehr wenig dazu beigetragen, die gute Meinung zu befestigen, die unsere christlichen Mitbürger seit der Einführung des geregelten Gottesdienstes über unsre zunehmenden guten Begriffe von öffentlichem Anstande gewonnen haben. — Mag auch hierin recht bald ein kräftiger Impuls zur Verbesserung gegeben werden *]. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne die Hoffnung auszusprechen, daß unsere Gemeinde nicht lange anstehen werde, um dahin zu wirken, daß diese wichtige Stelle so bald und so gut als möglich besetzt werde. Hoffentlich wird sie darauf sehen, daß der Mann, so dazu berufen wird, der wahrhaft Berufene sei, sie wird sich nicht durch Vorspiegelungen und empfehlende Subscriptionen zu einer später zu bereuenden Wahl verleiten lassen. Der Mann, welcher der großen prager Gemeinde verstehen soll, muß vorerst ein Mann von unzweideutig moralischem Ansehen sein, er muß mit gediegenen tatmudischen Kenntnissen ausgerüstet, selbst sesthalten.an dem guten alten Kern des Judenthums, aber aus Ueberzeugung und wahrer Ergebenheit, nicht aus Oppositionsgeist und persönlichem Eigennutz, nicht, um seine Ignoranz mit seiner Arroganz zu verdecken, Keiner, der an- *) Die Leichen-Ordnung der Gemeinde in Magdeburg bestimmt, daß zwei Führer neben den Pferden dev Leichenwagens, zwei Vorsteher zu beiden Seiten deö Sarges, die Geistlichkeit hinter den Leidtragenden und das Trauergefolge paarweise, schwarz oder doch dunkel gekleidet, einhergeht. Cö wird streng auf die Befolgung gesehen., Red.

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