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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-25 · Heft 102 (25.11.1837) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 102 (25.11.1837)
Date
1837-11-25
Page
Seite 406 (sequence 2)
Language
German
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406 hier zuerst begründet zu haben, das letzte Mal hatte er das Vergnügen, die segensreichen Früchte seiner Bemühungen zu sehen und mit befriedigtem Bewußtsein nach Dresden heimzukehren. Am, 15. October, am Vormittage, nahm unser Obcrrabbincr eine Religionsprüfung der hiesigen jüdischen Knaben und Mädchen vor, und mancher der Heimischen und Fremden, welche dieser Prüfung beiwohnten (man bemerkte unter den Heimischen Di-. Fürst und Dr. Delitz sch), wunderten sich über die Fortschritte, vorzüglich da der ganze Unterricht noch eine neue Schöpftmg war. Auch die jüdische Elcmentarklafse in Dresden, von 70 Schulkindern besucht, ist die Schöpfung dieses für die Jugendbildung seiner Gemeinden begeisterten Oberrabbincrs; denn derselbe hat jene Schule ins Leben geruftn ohne Vorgefundene Empfänglichkeit. — Am 14. Oct. und am Tage des Festes der Gesetzesfteude (Simchat-Tora) hielt Dr. Frankel in der Synagoge der Berliner, welche die eingebomen Leipziger in Ermangelung einer eigenen Synagoge besuchen, zwei kräftige und schöne Predigten; fast die Hälfte der Zuhörer waren Meßftemde aus den verschiedensten deutschen Provinzen, Gewiß ist diese Belebung des religiösen Sinnes unter den Juden in Sachsen durch Dr. Frankel, zu welcher auch in den Hauptmcssen der würdige Dr. Auerbach beittägt, das beste Zeichen einer völligen Reife zur Emancipation. Altenmuhr im baierschen Rezatkreise, 8.Nov. (Privatmitthekl.) Am 12. September d. I. hat der Comit« des landwirthschaftlichen Vereines im Rezütkreise dem israel. Ökonomie-Besitzer, Herm Simon Mohr von hier, die große, silberne Vereinsdenkmünze sammtFahne als zw-eiten Preis für seine ausgezeichneten CulMrunternehmungen öffentlich zuerkaiint.. Derselbe hatte nämlich eine, in hiesiger Flurmarkung belegene, 19 Morgm große Ödung, derm Cultivirung der Staat, als sie noch sein Eigenthum war, vergebens versucht hatte, an sich gekauft, und sie durch Sachkenntniß.und Kostenaufwand, verbunden mit Fleiß und Ausdauer,.auf einen sehr hohen Stand von Cultur gebracht. Eine solche Erscheinung ehrt nicht nur den Preisempfanger und das unpartheiifche Preisgericht, welches eine» christlichen Bewerber dem jüdischen nachstehen ließ, sondern zeigt auch, daß der baiersche Israelit nirgends zurückbleibt, und widerlegt die Vorurtheile, welche von Hohen und Nickern gegm uns gehegt werden. Fürth, 9. Nov. (Privatmitcheilung.) In No. 90. Ihres verehrten Blattes wird aus Hamburg unter Anderem berichtet, daß sich Herr Hoftath Thiersch währmd seines dortigen Aufenthaltes lobend über mein hier bestehendes Erziehungsmstiwt ausgesprochen habe, und hinzugefügt »daß dasselbe dem Vernehmen nach spater eingegangm sei.« Ich erlaube mir hier die Berichtigung, daß meine Anstaltnicht nur fortbesteht, sondern auch an Zutrauen und Umfang immer mehr gewinnt.' — Der Jrrthum des Hamburger Berichterstatters mag wohl daher rühren, daß ein früheres von mir geleitetes Institut für christliche und jüdische Knaben aufgelöst, und mir durch höchstes Regierungsrrscript untersagt wurde, crstere zum Unterricht aufzunehmen. Seitdem habe ich aber eine Anstalt blos für jüdische Knaben eröffnet, die nun beinah zwei Jahre in erfreulichem Gedeihen besteht, und im August d. I. von Herm Hoftath Thiersch mit einem Besuche beehrt wurde. Dr. Brentano. Politische «Lontro^ Neueste politische Broschüren. -Ist es rathsam, den Juden das volle Staatsbürgerrecht unbedingter Wesse zu ertheilen? Ein staatswissenschaftlichcs Bedenken von einem Staatsgelehrten. Leipzig, in Baumgärmers Buchhandlung. 1838. kl. 8. 57 S. Zwei Dinge werden in der Menschenwelt ewig sich gegenübcrstehm, und ewig nach Vereinigung ringen: da§ Leben und die Theorie. Grau,'Freund, ist alle Theorie, Doch grün des Lebens goldner Baum. Warum? Weil das Leben die ewig wechselnde und fottschreitende Bewegung, die stets erneuere Schöpfung aller . in einander wirkender Kräfte der Menschheit ist — die Theorie aber aus dem in sich zurückgezogenen Menschengeiste, aus dem mit sich ftlbst berathenden 'Individuum hervorgeht. Freilich gründet sich auch die Theorie auf eine gewisse Anschauung des Lebens, diese Anschauung aber ist die des Individuums, und oft ist der jeweilige Zustand des Lebens längst entwichen und verändert, wenn die Theorie nachhinkt mit ihren Schlüssm, und ihre Beweise aus vergangener Zeit hervorholet. Bon jeher war daher nichts schädlicher, für das Lebm, als wenn es, in unmittelbarer Berührung mit der Theorie, von dieser gewalssam gestaltet werden soll. Daraus entstanden jene furchtbaren Reactionen, welche die Völker erschüttert, und das Heil von Generationen gebrochen haben. Nichts ist, nächst der Religion, erhabener als die Wissenschaft, und wenn jme nur zum Theil des Menschen ist, wenn sie als ein Geschenk der göttlichen Vörfthung verehrt wird, so ist die Wissenschaft ein rein menschliches Produkt, und als solches desto verehrungswürdiger. Die Wissenschaft schwebet über dem-Leben, und verarbeitet die Refuttate deS Lebens in das Ideale. Der Erfolg der Wissenschaft kann aber eben dämm für das Leben nur sei«, indem dieses seist ig von ihr durchdrungm wird — unmittelbar eingreifen in das Leben, und dieses nach sich gestalten wollen, darf sie nicht, dies muß ihr versagt werden, weil sonst die Bande des Lebens zerrissen und der organische Proceß vemichtet. werden. Wohl zu beachten: Die Ema.ncipation der Juden ist keine Forderung der Theorie, sie ist die Forderung des ewigen Lebenshauches, der Freiheit, desFreiwerdens; j sie ist die Fordemng dessen, was der stete Pulsfchlag und

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