Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 102 (25.11.1837)
- Date
- 1837-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. AZjsKSMetne No. IVA. Zeitung des Audenthums. E Sin Mparthensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Säckststber allergnädigster ConcrMon.) ' Leipzig, den 25. November 183?. Politik. Zeitungsnachrichten. Frankfurt a. M., 3.Nov. Reiche Leute, zumal wenn sie auf Handelswegen zum Besitz eines großen Vermögens gelangt sind, pflegen bei der Erziehung ihrer Kinder der Regel nach nur darauf bedacht zu sein, sie zu befähigen, dereinst auf eben diesen Wegen fortzuwandeln. 'Eine ehrenvolle Ausnähme von dieser Regel macht der Banquicr Carl von Rothschild. Sein ältester Sohn hat ganz vor Kurzem die Universität Göttingen bezogen, wo er sich dem Studium der Rechtswissenschaften widmen wird. Vorbereitet wurde er dazu im elterlichen Hause durch den ihm daselbst von mehreren der ausgezeichnetsten Gelehrten Frankfurts ertheilten Privatunterricht, den er, nach dem Zeugnisse bewährter Männer, so gut benutzt haben soll, daß wohl selten ein junger Mensch mit gründlicheren Kenntnissen, als er sich erworben, zur akademischen Laufbahn übergegangen sein dürfte. (Magdeb. Zeit.) Von der Murg, 1. Nov. Das neueste Regierungsblatt vom 30. v. M. enthält die Ernennung des Ministerialraths B ekk zum Vicekanzler bei dem Oberhofgericht in Manheim. Dieser, obwohl kaum 40 Jahre alt, hat sich durch seine gründlichen Kenntnisse in der Rechtswissenschaft, durch mehrjährige Praxis als Advocat, durch seine parlamentarische Laufbahn als Deputirter der zweiten Kammer, und vor Allem durch seinen ehrenwerrhen Charakter die allgemeinste Achtung erworben, so daß seine Ernennung an den obersten Gerichtshof sicherlich im ganzen Lande als eine gerechte Anerkennung ausg^eichneter Verdienste bettachtet wird. Indessen verliert das Ministerium des Innern allerdings ein Mitglied, das nicht so leicht ersetzt «erden dürfte; namentlich möchten die Israeliten in unserm Lande diese Versetzung sehr beklagm, da Bekk als Referent in diesen Angelegenheiten sich alle Anerkennung und. selbst hohe Verehrung dieser Glaubensgenossen erworben hat. Wir erinnern an die Verhandlungen der zweiten Kammer über die Emancipation, wo er in der vordersten Reihe für die Juden kämpfte. *) (Deutscher Courier.) Aus der Provinz Preußen, 5.Nov. (Privatmitth.) Der von Tilsit aus angekündigte und rühmlichst empfohlene Virtuose auf der Holz - und Stroh-Harmonika, Herr Jan- *) Bekk war es, der unter Andern, als königl. Commissär bei dem israel.Oberrath in der Kammer erwies, »daß im Durchschnitt die israel. Schulen besser bestellt sind, als die christlichen.« S. Derhandlungen rc. S. 114. D. Redact. | kel Eben aus Wilna, hat in mehreren Städten, namentlich in -Königsberg, Elbing und Danzig, die größten Beweist seiner Meisterschaft abgelegt. Er besitzt gute musikalische Kenntnisse, spielt außerdem mehrere Instrumente, und componirt mit Geschmack; seine Kunstfertigkeit auf jenem einfachen Instrumente dürfte von Niemandem so leicht überttoffen werden. Inwiefern Herr Eben mit seinem nun verewigten Vorgänger Gusikow, von dem er übrigens ein Mitschüler ist, verglichen wnden kann, darüber sind nur diejenigen zu utthcilen im Stande, die Beide zu hören Gelegenheit hatten. Alle Kritiker preisen einstimmig sein außerordentliches Talent und sein schlichtes, bescheidenes Wesen, und wünschen nur seiner Harmonika einen noch klangvollem Ton. Ein- Gedicht feierte ihn in der Königsberger Zeitung No. 21?., das wir hier untm mittheilen wollen.*) Paris, 31. Oct. Das israelitische Consistorium des Distriktes von Paris hat vorgestem in dem Tempel in der Sttaße Notre - Dame de Nazareth einen Gottesdienst zur Feier der Einnahme von Constantine abhaltrn lassen, der sehr angemessen und erhebend war. Leipzig, 30. Oct. (Privatmitth.) Der Oberrabbiner Dr. Frankel besuchte am vergangmm Laubenfeste auf Veranlassung der Regiemng zum zweiten Male unsere Meßstadt, seine Diöcese; das erste Mal, vor einem Jahre, schied er mit dem schönm Bewußtsein von uns, einen jüdischen Religionsunterricht durch Einsetzung eines geprüften tüchtigen Lehrers *) An den Virtuosen auf der Holz- und Stroh-Harmonika, Herrn Jankel Ebe«. Sonnett. Wie einst auf Jsaidens Hochgesänge Nationen lauschten in der Andacht Glut, So strömt zu Dir des Volkes bunte Flur, Und horcht erstarrt auf Deine Wunderklänge. Glück auf'. Dich preiset, staunet an die Menge, Bor Dir verstummt der Neider blasse Wuth. Glück aufl bescheidner Künstler, fasse Muth'. Zieh' fort bezaubernd durch das Weltgedränge. Dich sendet Assafs Muse, fromm zu nähren Den Friedensbund, des Glaubens süßes Pfand; Belebt geringen Stoff in Deiner Hand, Die Götterweisheit auch durch Dich zu lehren: Nicht auf der Früchte Schale darf man schauen. Auf Geist, auf innern Werth nur darf man bauen. M. F —dt.