Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 100 (21.11.1837)
- Date
- 1837-11-21
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
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»Aber alle unsere Feste sind eben so schön,« erwiederte Gedida: »Purim zum Beispiel, wo man sich gegenseitig Kuchen und Bonbons schickt, wo man tanzt und sich verkleidet.« »Und das ^rbhüttenfest,« bemerkte Elizhama. »Das muft%x freilich vorziehen,« sagte Isabel zu ihr mit einer etwas spöttischen Miene. Elizhama erröthete und fragte warum? »Ach, mein Gott!« rief Isabel mit gutmüthiger Verstellung aus, »weil es ja im Herbste kommt, wo man Früchte erntet .... wenn es nicht um die schöne Lauberhütte ist, welche man im Gürten errichtet, wo^man frühstückt und speist wahrend sieben Tage, und wo im vergangenen Zahre Herr Sethri, der reiche Juwelier des Königs, uns feinen Sohn vorstellte, den blonden Selem....« »Habt ihr bemerkt, wie waurig Mama heute ist?« fiel Elizhama ihr in's Wort. _ »Sie leidet vielleicht,« sagft Gedida und erhob sich. »O mein Gott! ich habe mich noch nicht einmal nach ihrem Wohlsein erkundigt; die arme Mutter! ....« Plötzlich entstand ein großes Geräusch in dem obem Stockwerke, und mehrere Stimmen wiederholten mit Schrecken und Schmerz: »Madame stirbt! Madame stirbt!« Sogleich stürzten die jungen Mädchen nach dem Zimmer ihrer Mutter, Blumen und Kränze von sich schleudernd. Welch schrecklicher Nrblick erwartete sie hier! Madame Mazod lag blaß und bewußtlos ausgestreckt auf dem Teppiche. Bei dem Geschrei ihrer Kinder öffnete die arme Mutter die Augen wieder, deren Glanz vom Todeskampfe fast erloschen war; dann, von Elizharna und ihren Frauen unterstützt, wankte sie nach einem Sofa, wo sie ihre Kräfte wieder sammelte und ihren Notar verlangte. »Und dm Arzt!« sagte Elizhama ganz leise zum Diener, erschreckt von der Idee eines Unglücks, dessen Möglichkeit sie zum erstm Male dachte. Während der Zeit, welche verfloß, ehe man Herrn Thomas, dm Notar der Mad. Mazod, auffinden konnte, machte die Entkräftung der Krankeneiner sich mehrmdm Bewegung Platz. Endlich meldete man-dm Notar an. Er ttat ein, begleitet vom Doctor Manahut. Bei ihrem Anblick belebte sich die arme Mutter. »Ach, theuerster Doctor,« sagte sie, als die Thüre sich Himer ihrm Kindem geschloffm, »lasten Sie mich noch bis morgm lebm, ich muß noch bis morgm lebm, ich bitte Sie.« »Beruhigm Sie sich nur, Madame,« erwiederte der Doktor, indem er ihr an dm Puls fühlte; dann wandte er dm Kopf ab, um seine Bewegung zu verbergen — Mad. Mazod sollte an einem Herzfchler sterben, und das Uebel war unheilbar. Nachdem er der Form wegm einige Vorschristm ertheilt hatte, bereitete er sich, dm Mann des Gesetzes mir der Krankm allein zu lassm, als diese ihn zurückrief. »Um Verzeihung, mein Herr,« wandte sie sich an dm Notar; »ich habe eine religiöse Pflicht zu erfüllm, bevor ich Sie von meinm Angelegmheitm unterhaltm kann: ich muß die Sabbathlampe vor dem Beginne des Schwuothfestes anzündm.« Sie stützte sich auf dm Arm des Arztes, und gelangte so, nicht ohne Anstrmgung, nach dem Speisesaale, wo di« Kinder, blaß und stumm vor Unruhe, versammelt warm. Sobald sie die Mutter erblickten, stießm sie ein Freudengefchrei ans und stuften ihr entgegen; Mad. Mazod aber winkte ihnm'mit der Hand Stillschweigm zu, und sah mit Wohlgefallm über die unzähligm Rosm, mit dmen der Saal geschmückt war, und dann über ihre Kinder hin, derm Blick« ängstlich an ihr hingen. »Alle diese Rosm werden auf meinem Sarge verwelkm,« sprach sie, indem sie sich zu dem Ohre des Doctors neigte, der vergebens durch einige halb aüsg«- sprochme Worte ihr eine Hoffnung zu gebm suchte, die er selbst nicht mehr hatte. Mad. Mazod empfmg aus dm Händen Elizhamcr's eine brmnmde Kerze, und nachdem sie folgmdm Segmsspruch in hebräischer Sprache gesprochm: »Gesegnet sei der Herr, unser Gott, der dm Himmel und die Erde gemacht und die Feste geheiligt,« zündete sie die siebm Dochte der Lampe an, gab die Kerze ihrer ältestm Tochter zurück, die sie auslöschte und in einm Schrank schloß; dann fühtte diese ihre jungm Schwestem und ihren kleinm Bruder zu der Mutter, neigte ihr schönes braunes Anttitz vor derselbm, und sprach: »Segnen Sie uns, gute Mutter!« »Gott segne mch, wie ich es thue!« sprach sie, indem sie die Hände über alle diese jungm Häupter ausstreckte, und eines nach dem andem erhob und es auf die Stim küßte; sie hörte mit Elizhama auf, und empfahl ihr, sich nicht früher niedeizulegen, als. sie selbige habe rufm lassen. In diesem Augmblicke trat Zakfon ein; da er die Lampe augezündet sah, zeigte er einige Rme in seinen Zügm; er eilte schnell zu Mad. Mazod, beugte sein Haupt, und sprach: »Segnen Sie mich auch, meine thmre Mutter!« »Don ganzem Herzm, mein Sohn,« erwiederte sie, und legte ihre beidm welkm Hände auf das braune Haar des jungm Mannes; sie küßte ihn auf die Stim, und fugte mtt salbungsreicher Stimme hinzu : »Gott segne dich! « — Hierauf wandte sich Mad. Mazod, und unterstützt von dem Arzte, gewann sie ihr Zimmer wieder, wo der Notar fie erwartete. Ihre Kinder bewachtetm sie, indem sie fortschritt, mit einem chrfurchtsvollm Stillschweigm; aber als das schwache