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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-14 · Heft 97 (14.11.1837) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 97 (14.11.1837)
Date
1837-11-14
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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387 Die Fremden - Commission führt ebenfalls unter Vorsitz! eines Parnas die Aufsicht über sämmtliche fremde Juden. | Sie correspondirt mit der Polizei - Behörde, welche ohne ihre I Genehmigung kerne Aufenthalts-Karte an Juden ertheilt. Durchreisende Arme, Handwerksburfche rc. erhalten ein Zehrgeld, und allenfalls einen Tag Erlaubniß zum beschcidenm Fechten, während sie der 8ebed«tutb - Oreebiu» - Verein am Sabbath und Feiertagen mit anständigen Mahlzeiten versorgt. *) Dienende Personen von jeder Klasse müssen ihre Brodherrschaft bei jedem Wechsel angeben, und Wohlhabende, die ein eigenes Geschäft treiben wollen, zahlen als Beisitzer eine jährliche Abgabe an die Gemeinde, die jedoch für Handwerker sehr ermäßigt wird. Das Armen - Collegium bestehet aus ungefähr 25 Personen, unter Vorsitz von 2 Parnassim. Es erhalten ungefähr 500 Nummern, worunter fast die Halste Wittwen, ständiges Armengeld (Kitzba), welches nach der Kopfzahl und sonstigen Umständen von 8 Schillingen bis 4 Mark wöchentlich steigt. Gegen 3OO Personen erhalten dazu noch Rumfordsche Suppe und Brod. Ueberdies wird aber noch viel einmaliges (momentanes) Unterstützungs- und Krankengeld ertheilt, letzteres nebst freier Arzenei rc. auch an viele, die auf keine sonstige Armengelder Anspruch machen. Ungefähr 40 bis 50 Kranke können im Hospital untergcbracht werden. Die Armen sind nach Straßen in 5 Distrikte getheilt, derm jeder einen Pfleger hat. Diese 5 Armenpfleger nebst 4 Hospitalpflegern, 5 Aerzten, 4 Suppenverthei lern und einer Anzahl Assessoren, aus gewesenen Pflegern erwählt, bildendas vollständige Armen- Collegium, welches jährlich ungefähr 24,000 Thlr. verausgabet. Die Formen und Regeln, in welchen sich dies Collegium bewegt, die Befugnisse der einzelnen Pfleger, der Aerzte u. s. w. sind durch Stamten genau festgestellt. Es gilt bei der Armen- Verwaltung als Grundsatz, daß außerordentliche Gaben und Geschenke für die Armen nicht zu dm gewöhnlichen Ausgabm gebraucht werdm dürfm, weil die Gabm sonst nicht die Armm, sondern vielmehr die Reichm *) Es lebt hier ein Familienvater ganz anständig, als Einschiffungs-Commissionär der fortwährend nach England und Amerika in großer Anzahl auswandernden ärmeren Zudea. Diese NöUz diene denn zugleich als die Widerlegung des berühmten preußischen Optimisten, der in seinem »England im Jahre 1835.« Band 2. pag. 305 sagt: »England konnte in Hinsicht der Juden - Emancipation schneller voran gehen, als andere Reiche, erstens weil die Zahl der Juden hier verhältnißmäßig viel geringer ist (auch nur relativ wahr), als in den meisten Staaten des festen Landes, zweitens, weil die Einwanderung über See große Schwierigkeiten hat, wahrend z. B. die Einwanderung russischer und polnischer Juden in die preußischen Staaten nur zu leicht ist.« Anm. d. Einsend. — welche ja doch verpflichtet sind, die Armm-Kasse zu füllen — begünstigt hätten. Es werden daher alle Opftrfpenden sowohl, als Gabm bei Hochzeiten, Beschneidungcn und Beerdigungen, Letztere gewöhnlich während des Leichenzugcs zum Vertheilm bestimmt, zu einer besonderen Kasse gesammelt, und dann von Zeit zu Zeit vertheilt, gemeinhin an nicht eingezeichnete Arme, unter Beobachtungder größtm Verschwiegenheit. Eine ähnliche Diskretion beobachtet der -'Torfvertheilungsverein, welcher oft anständigen Familim ihrm Feuerungsbedarf so vor das Haus schickt, daß weder andere Nachbarn noch Ar» beitsleute die Duelle errathm können. Bettelei findet von Einheimischm nicht statt; blos an Neumonds- und Fest-Rüst-Tagen holen etwa 100 alte Fraum, als Hausarme, ihre bestimmten Gabm ab. Selbst Fremde sieht man nur seltm mit der furchtsam stolzm Frage: wohnt hier ein Jude? an die Thürm gehen. Als Succursale des Armen-Collegiums existirt eine besondere Mazzoth-Commission, welche die -WMyü» Bäckerei durch jüdische Arbeiter besorgt und dieMßreiWD stellt, daß das bemittelte Publikum das unbem^We garH oder halb ftei hält. Der Verbrauch bettägt an 5WKWW (Schluß folgt.) ^3*8 Wink für jüdische Buchdrucker, besonders in Polen oder in Oestreich. Schon in unserem literar. Salon No. 57 ist bemerkt wordm, daß das ausgezeichnete Werk: »Die gottesdienstlichm Borttäge der Judm, historisch entwickelt«, von Zunz, welchem ebm so sehr der Beifall' aller jüdischen wie christlichm Gelehrtm Deutschlands zu Theil geworden," vom Herm David Caro in Posen in's Hebrä ische überttagen wordm. Diese Uebcrsetzung ist vom Herm Dr. 'Zunz selbst revidirt, und mit neuen Zusätzen und Verbcssemngm versehm worden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese hebräische Uebessetzung, indem sie das Meisterwerk des vr. Zunz dm italischen und slavischm Judm zugänglich macht, bei diesen einm bedeutenden Absatz erhalten wird. Da nun der Uebersetzcr noch keinm Verleger hat, so machen wir die Herren Besitzer hebräischer Dmckereim ganz besonders darauf auftnerksam, indem wir zugleich bemerken, daß wer zur Uebernahme dieser Usbersetzung geneigt wäre, mit dem Herrm vr. Zunz, vr. Fürst oder der Redaction sich darüber in Verbindung setzm könnte. Die Redaction.

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