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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-14 · Heft 97 (14.11.1837) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 97 (14.11.1837)
Date
1837-11-14
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Halberstadt.)' Sie wünschen, mein werthester Herr Redacteur, einen Bericht über unsere Schule. Mit der größten Bereitwilligkeit komme ich zwar gern diesem ehrenvollen Wunsche nach, um so mehr, da wir zu der nächsten Umgebung der Redaction gehören, und bisher noch nirgends unsere schon länger als 41 Jahre bestehende Schure öffentlich erwähnt wurde; doch zweifle ich, ob dieser Bericht den regsamen Bildern einer rasch und kühn fottschrcitcndcn Umbildung, die Sie uns in Jhrcül schönem Blatte vorführen, sich passend anreihen werde, indem der Charakter und die Tendenz unserer Schule «lmehr nur ein strenges Festhalten am Alten beurkundet, jedoch ohne das gerade zu vernachlässigen, was sich als zeitgemäß empfiehlt.' — Gestatten Sie es daher, wenn ich deshalb kurzgcfaßt die Entstehung dieses Instituts berühre. . Im Jahre 1796 vermachte der hiesige Gemeinde-Aclteste Herr Hirsch Borchard ein Capital von 12,000 Thlr. in Pommersch. Pfandbriefen, und setzte in seinem Testamente fest, daß von den Zinsen ein Lehrinstitut unter dem Namen Haschararh Zevi gestiftet werde, Lessen Tendenz, wie er selbst weitläufig im Testamente bestimmte, lediglich darin bestehen sollte, unbemittelten Knaben, unabhängig von den überall dazu verwendeten Talmud-Thora-Fonds, einen gediegenen Unterricht im Talmud u. dg'l. zu verschaffen, zu welchem Beyufe ein Haupt- und ein Hilfslehrer angcstellt waren, während zugleich von einem christlichen Lehrer täglich Tine Stunde im Lesen, Schreiben und'Rechnen unterrichtet wurde. Die Verwaltung hatte der ■ würdigsten Männern der Gemeinde als Ehrenstellcu denen ein besoldeter Sekretär beigeg'eben war/'Der Lussicht über die Fonds und Leistungen der Schule zu in den regelmäßigen Sitzungen £U berichten hatte. Zu n Prüfungen waren Prämien strr die Schüler bis zum 1.6 Thlr. ausgesctzt. In dieser Verfassung wirkte das : segensreich unter dem würdigen Lehrer Rabbi IuDa . A., der in seiner frommen Anspruchlosigkert manchem achtbaren Mitglicde unserer Gemeinde Freund und Führer war. Im Jahre 1811 aber verwendete das isracl. Consistorium zu Ccmel den Fonds des Instituts zu einer allgemeinen Realschule unter dem zur Zeit hier fungircndcn Rabbiner-Adjunkt M. Rosenbach, der im Testamente jedoch pofiulirte Unterricht im Takmud blieb dem bisherigen Lehrer, der denselben nach dem Schulunterrichte 2 Stunden täglich crthcr'lte. Manche Neuerungen dieser Behörde hatten derselben jedoch die Gcmüther entfremdet, und das Ende der Fremdherrschaft führte deshalb hier den raschen Verfall, der Schule herbei, und wie oft geschieht, wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttct, und -nur das Institut in seiner früher» Tendenz wurde als Entschädigung, nach dem Tode des früheren Lehrers, dem Herrn Rosenbach anvettraut, während' die Kinder der Bemittelten in den früher beliebten Winkclfchulen oder von Hauslehrern unterrichtet wurden. Das Verschwinden seines liebgewonnenen Wirkungskreises lähmte auch'die Regsamkeit des Herrn Roscnbach, und das Institut blieb ohne Beachtung bis zu dessen Tode. Bereits früher als 2ter Lehrer hier angcstellt, wurde ich 1825 an die Stelle des Herrn Rosenbach berufen, und ein Versuch mit Hilfe eines talentvollen Collegen, dem Institute eine zweckmäßigere Form zu geben, fandbald die schönste Aufmunterung i» dem rühmlichen Eifer der Administratoren, die sich uey constituirtW, cine Gemeindcschnle mit Ansterham^ckreS^wLtenLe^cers aus demselben bilderen, und 1827 eine' MädchySatze tzvmit verbanden, so daß die Schule nunmehr aus zwei Knabe»-, emer Mädchen- und einer gemischten Elementarklasse besteht. Die Anstalt hatti^sich nunmehr auch der Beachtung auswättiger Schulfrep^dk zu erfreuen. So hatte der kürzlich in Berlin verstorbene^Banguier Goldschmidt jährlich einen nahmhaften Beittag zur Schmkaffe gezahlt, und dazu in seinem Testamente ein Capital von 500 Thlr. ausgesctzt, und der im Jünglingsalter verstorbene Adolph Levi, Bruder des Banquier Samuel Levi in Hamburg, eia Capital von 2000 Thlr. zu einem Stipendium für einen hiesigen talentvollen Knaben und zur Unterstützung der Schulkasse hrnterlassen. Was nun die Tendenz der Schule betrifft, so versuchen wir,' mrt strenger Beibehaltung der als Heiligthum hochgeachteten Grundidee des Instituts, nach welcher sämmtliche Knaben im Pentateuch, sowie überhaupt im Bibelterte und in Mischna, die fähigeren Knaben aber im Talmud unterrichtet werden müssen, auch solche Unterrichtsgegenstände in den Lectionsplav aufzunehmen, damit die Schule von derjenigen Bildungsstufe nicht zurückbleibe, auf der sich die Volksschulen unsers Vaterlandes befinden, damit das israel. Kind mit der Kenntniß seiner heiligsten Religionspflichten auch solche verbinde, die ihn zum Bürger eines gebildeten deutschen Staates einst befähigen kann. Den 'zur Erreichung dieser doppelten Zwecke eingerichteten Lectionsplan erlaube ich mir Ihnen hierbei mitzutheilen. 1) Die Elementarklasse hat wöchentlich 25 Schulstunden, und erhält Unterricht: 3 Stunden in hebr. Lautiren, 2 St. in Deutsch- Schreib - Lesen, 3 St. in hebr. Lesen, 2 St. deutsch Lesen, 2 St. in Rechnen, i St. in bibl. Geschichte, 1 St. in Sprech - und Verstandes-Uebungen, 1 St. jüdisch Schreiben; für die Mädchen 10 St. weibliche Arbeiten, während dessen die Knaben in der 2ten Knabenklassc beschäftigt werden. 2) Die Mädchenklasse'wöchevtlich 30 St. und zwar: 1 St. Religion, 1 St. biblische Geschichte, 1 St. Gebet - Uebersetzen, 2 St. deutsch, 2 St. jüdisch Schreiben, 2 St. Sprach - und Auffatzlehre, 1 St. Geographie, 1 St. Geschichte, 2 St. Lesen, 2 St. Singen, 15 St. weibliche Arbeiten. 3) Die Knabenklasse mit wöchentlich 35 St. in: Pentateuch ,8 St., Propheten 2 St., h.br. Sprache 2 St., Religionslehre 1 St., Gebete-Uebersetzen 1 St., deutsch Schreiben 4 St., jüdisch , Schreiben 2 St., Rechnen 4 St., deutsche Sprache 2 St., Geographie 1 St., Naturlehre iSt., Zeichnen 1 St., Lesen 3 St., Deklamiren 1 St., Rechtschreiben 2 St. 4) Die erfi-j Knabenklasse mit wöchentlich 38 St. erhält Unterricht: 9 St. in Pentateuch mit Raschi, mit besonderer Beachtung der Ge - und Verbote nach Anleitung des Sephtt Hachinuch, und zwar so, daß der Cursus des ganzen Pentateuchs sich jährlich wiederholt, 5 St. Mischna und Bartenora. 2 St. die historischen Bücher im Urtexte,.' 2 St. Propheten mit steter Hinweisung auf die hebr. Sprache, 2 St. hebr. Sprache mit Versuchen zum Uebersetzen ins Hebräische, 1 St. Religionslehre, 1 St. Gebete- Uebersetzcn, 2 St. deutsche Sprache und Auffatzlehre, ISt. Geographie, 1 St. Geschichte, 1 St. Naturkunde, 1 St. Zeichnen, 2 St. Lesen, 2 St. Rechtschreiben. Eine 2te Abtheclung dieser Klasse, zu welcher nur solche Knaben gehören, die besondere Anlagen zum Unterrichte im Talmude befähigt, erhalten denselben wöchentlich 15 St., und nehmen dagegen an den wöchentlich sich mehrmals wiederholenden Unterrichts-Gegenständen nur einmal Theil. - Außer Heyfür das Institut festgesetzten Prüfungen in. dev hebr. Lehrgegeasiänden findet meistens jährlich ein öffentliches Examcn in den Elementar- und gemeinnützigen Kenntnissen, verbunden mit einer Ausstellung weiblicher Handarbeiten, statt, wobei wir uns noch immer eines zahlreichen Besuches aus der Gemeinde und auch der Gegenwart unseres verehtten Magistrats, der hohen Geistlichkeit und anderer christlicher Schulfreunde zu erfreuen hatten. Das Lehrerpersonal besteht gegenwärtig aus 3 Klassen- und 2 Hilfslehrern, und aus 2 Lehrerinnen für weibliche Handarbeiten. Don dem Testator sel. Andenkens Mit einer reichhaltigen Bibliothek beschenkt, hat sich in neuerer Zeit die Schulbibliothek theils aus der Schulkasse um die wichtigsten pädagogischen Werre, theils durch cme Schenkung unsers Vorstehers, des Herrn Stadtverordneten I. Alexander, veranlaßt, um eine jetzt über 100Bändchen enthaltende Lesebibliorhek für Kinder vermehrt. (Schluß folgt.) Rcdactcur: vr. Philipps»». — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W.Haack.

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