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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-09 · Heft 95 (9.11.1837) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 95 (9.11.1837)
Date
1837-11-09
Page
Seite 379 (sequence 3)
Language
German
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379 an der Spitze einer Gemeinde sieht oder wenigstens eine hervorstechende Stellung in derselben einnimmt, sich von Zeit zu Zeit selbst die Frage vorlegt, was hast Du seitdem gewirkt? — was ist seitdem geschehen?-Daß endlich die Redaction selbst so viel als möglich nach Lauterkeit der Quellen strebt, liegt schon in dem.Wunsche und Streben nach Wahrheit, und im Interesse der Redaction eben so wie in dem des Publikums. Denn Klatschereien und Gehässigkeiten amüsinn wohl eine Zeit lang das nicht betheiligte Publikum — aber sie bringen die Journalistik zu bald in Verachtung, als daß sie sich auf die Lange dadurch Beifall erwürbe. Repliken — wie gern würden wir dieses Wort aus unserer Zeitung verbannen! Aber nur zu wahr ist es, daß sich der immer mehr aus den Menschen schwindende Geist der Vorurtheile und Gehässigkeit gegen Juden und Judenthum in die deutsche Literatur geflüchtet hat, und in dieser gehegt und gepflegt wird!-Wir wollen keine Anklage gegen unsere Literatur hiermit begründen, wir sind nicht gewillig, ein Percat deshalb über sie auszusprechen, wir wollen nicht den Hohn, mit dem sie uns zurückstößt, mit sprudelndem Zorne, mit Entkleidung und Geißelung vergelten — fragen müssen wir aber: warum eine Literatur, die die höchsten Höhen des Mcnschengeistes immerfort zu ersteigen strebt, die unwandelbar auf der Wanderung nach Erfassung des Ideals, das im Menschen ruht, begriffen ist, eine Literatur, die so ganz und gar allein mit dem Geiste beschäftigt ist — warum diese sich ewig gleich bleibt in ihrem siarrm Unmuthe gegen das Judenthum? — Denn Alles, was bisher in der deutschen Literatur für die Juden geschrieben ist, ist höchstens der kalte Spruch einer eiskalten »Gerechtigkeit« — der lebendigwarme Hauch der Liebe, die Eiferung für Menschenfreiheit, gegen Menschenbedrückung, gegen Menschenfesselung hat nur wenige, wenige Einzelne berührt, die von den Wogen des immer erneueren Hasses, des immer wiedergekäueten Vorurtheils schon che sie kommen, verschlungen sind. Natürlich daß sich gerade darum die deutsche Literatur viel, allzuviel mit den Juden beschäftigt — der Franzose handelte für die Judm, machte sie ftei, und laßt sie nun chren Gang gehen, nachdem er sich überzeugt — wir berufen uns auf die Worte der ftanzösischen Minister — daß sie als brave Bürger in das Rad des Staates nicht störend eingreiftn.-Deshalb können wir die Rubrik »Repliken« nicht fallen lassen, und sind gezwungm, sie neben der deutschen Literatur fortzusührm — das Wort selbst muß uns schützen, denn Replik bedeutet keinen Angriff, keine Herausforderung, sondern eine Antwort. Dann aber, offen gestanden, ihr deutschen christlichen Brüder, verzeihet, wenn das bittere Gesschl unaufhörlicher Begeiferung und Verlästerung bisweilen uns ein hartes, durchgreifendes Wort entprcßc — die Abfasser der Libellen brauchen' es uns nicht zu verz eih en! Einzelne Nebenrubrkken, wie Geschichte, Sprachkunde, Lebensumrisse u. s. w. stehen natürlich jenen Hauptrubrikm nach, und können nur von Zeit zu Zeit bcftiedigt werden. Allerdings müssen wir, und dies sei unsere letzte heutige Bemerkung, unsere freundlichen Leser öfters bitten, frühere Nummern wieder aufzuschlagen — wir müßten sonst jeden bedeutenden .Aussatz zurückweisen, da bei der großen Mannichfaltigkeit des Stoffes wir zu aller Zeit möglichst Viel zu berücksichtigen wünschen. Und so mag denn das Interesse des Publikums ein blcibmdcs, ein sich immer mehrendes sein. Mag das Publikum von der Wahrhaftigkeit, von der Lauterkeit unserer Absichten immer inniger durchdrungen werden. Mag ein herzliches Band sich um Leser, Autoren und Redactkon schlingen, j welchen Volkes, welchen Glaubeus 'sie auch seien — der Herr aber feinen Segen geben!-Würde es uns gelingen, einige von den Zähren eines weiten, zahlreichen, bedrückten Stammes zu trocknen; würde es uns gelingen, höhere, über Erde und Zeit erhebende Gefühle in mancher Brust zu wecken, wo sie schlummerten; würde es uns gelingen, das Bewußtsein in einer dreiJahrtausende altm Glaubensgenossenschaft immer mehr zu erhöhen und anzufachen, die Begeisterung für Religion und innere und äußere Befteiung wieder zu entflammen, und die Asche und dm Staub abzuwehm, die sich über die heilige Glulh gelegt; würde es uns gelingen, der Sache des Judenthums manchm Freund und Gönner j zu gewinnen, manchen Freund und Gönner zu erhalten, i würde es uns gelingm, an dem großm Werke: Licht und! Recht in der Menschenwelt! thätig Theil zu nehmm — dann wollen wir einst unsere Feder mit Befriedigung und Seelenruhe niedcrlegm. Die Redaktion. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Pesth. Entgegnung.)*) Es gewährt jedem Menschenfteunde gewiß das innigste Vergnügen, wenn er steht, daß.in *) Dir Rtdaction macht wiederholt daran? anünerksam, daß, sobald Entgegnungen ausgenommen werden, und das geschieht stets, wenn s>e in den Schrankender Mäßigkeit gchatten find, diese unverändert gegeben werde«. D. Redacr.

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