Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 95 (9.11.1837)
- Date
- 1837-11-09
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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380 der gebildeten und literarischen Welt hochgestellte Männer sich eS zur heiligen Angelegenheit machen, das Gute in Israel zu befördern, und alles was das Wohl derselben gefährden kann, mit Ausdauer zu bekämpfen und zu beseitigen. Za dieser Beziehung gehört Zhr geschätzte» Blatt zu den mächtigsten Hebeln, welche in neuerer Zeit die drückende Last der Vorurtheile und Starrsinnigkeit von der wunden Schulter Israels allmälig wcgzuwelzen beginnen, und Glück zu wünschen ist Ihnen, daß Sie hochverehrter Herr Redacteur, als ein von Gott Erleuchteter, das zweckmäßigste und heilsamste Mittel wählen, durch die Popularität Ihrer trefflichen Zeitschrift verjährte Mißbräuche thatkräftig zu rügen, deren Schädlichkeit durch Facta zu beweisen , so wie den Nutzen deren Ausrottung durch sprechende Beispiele darzuthun. Unberechenbar ist der Bottheil, der aus Ihren wetthea Blättern für ganz Ungarn und besonders für Pesth entspringen kann und gewiß auch wird. Ihre mit so vieler Umsicht redigirte Zeitung ist fast in Jedermanns Hand; die Wohlwollenden freuen sich, die Gleichgiltigen werden erwärmt, und die anders Gesinnten müssen, wenn auch nicht einstimmen, doch — schweigen, und dieses ist schon ein großer Gewinn. Allein wenn uns das Erscheinen eines so wohlthättgen Blattes einerseits herzlich erfreut, so muß es von der andern Seite eben so niederschlagend sein, wenn man sieht, daß in dem 'fruchtreichen Felde der Wahrheit auch das Giftkraut der Lüge und anmaßenden Selbstgefälligkeit auf Unkosten der guten Sache wuchett, und die zarte Blume der Veredlung, welcher der mindeste Hauch Schaden dringt, durch falsche Berichte in ihrem Wachtsthume -gehindert wird. So lesen wir in No. 60 der allgemeinen Judenzeitung einen Bericht über Pesth, wovon die ersten Zeilen schon einen unangenehmen Eindruck auf den hiesigen Leser machten; indem es daselbst heißt: »Die in einigen Zeitblättern spärlich zerstreuten Nachrichten über die Israeliten in Ungarn rühren allesammt von ununterrichreten Berichterstattern her, welche ihre Unbekanntschast mit den bestehenden Verhältnissen mit jedem Wotte verrathen; authentische Nachrichten hierüber dürften Ihnen nicht unwillkommen sein.« Der Berichterstatter, welcher nicht länger als zwei Jahre in Ungarn lebt, hat, aus hier allbekannten Gründen, keineswegcs so viel Muße enttathen können, die hiesigen Wohlthätigkeits - und. Bildungsanstalten nach ihren innern Verhältnissen genau kennen zu lernen, um seinen Bericht allein und ausschließlich als authentisch bezeichnen zu können. Wir rufen ihm mit Recht zu: Tantane tos generis tenuit fiducia v es tri et tantas audetis tollere moles? Zudem find die Zeitblätter, welche sich über das rühmliche und unermüdliche Strebender hiesigen Gemeinde-Repräsentanten firr die Verbesserung des Zustandes der hiesigen Israeliten unpartheiisch aussprechen, weit mehr berechtigt ihre Angaben als authentisch gellen zu lassen; indem sie ihre Berichte mit kräftigen Belegen begleiten, nur die ausgezeichnetesten und würdigsten Männer aller Glaubens -Confessionea des Vaterlandes, die uns bei jedem wichtigen Ereigaiß ihre persönliche Theilnahme schenken, zu Zeugen - anrufen. Und nun ein Wott über einige Punkte des Berichtes. Die unbescheiden ausgesprochene Meinung des Berichterstatters, daß der Lehrplan der hiesigen israelitisch-deutschen Schule von dem Vorwürfe: Er habe zu wenig praktrsche Tendenz »schwerlich zu rechtfertigendem dürfte,« welche mit dem Beweis der noch schwachen Frequenz der Schule unterstützt wird, .zeigt eben, daß der Referent keine genaue Kcnntniß von den hiesigen Local-Verhältnissen hat. Die Schul-Commission besteht nicht nur, wie sich der Berichterstatter leichthin ausdrückt, aus einsichtsvollen Männern, sondern es wurden zur Leitung der Schule Männer aus der Elite der hiesigen Gemeinde-Glieder berufen; Männer von gründlicher Dachkeantniß, praktischer Lebensklugheit, vielseitiger Bildung, und die dem vorzüglichsten Erforderniß entsprechen; indem sie fühlen und wissen, was in gegenwärtiger Zeit für eine Volksschule in Pesth noth thut, und gerade auf die praktische Tendenz war und ist noch immer ihr vorzüglichstes Augenmerk gcrichttt, und der reiche Segen , welcher au6 ihrem umsichtigen Verfahren, wie aus dem edler Eifer der hochherzigen Gemeinde-Vertreter, die thättge Schul-Jnspection in allem Erforderlichen bestens zu unterstützen, sich jetzt schon unverkennbar zeigt, spricht am lautesten gegen die unrichn'ge Behauptung des Berichterstatters. Die Motive aber, auf welchen die freilich noch Nicht nach Wunsch sich zeigende Theilnahme an dieser gemeinnützigen Lehranstalt beruht, sind zatter Att, die, wenn man nicht so undelikat sein will — sich nicht für die Oeffentlichkeit eignen. — Uebrigens liefert des Referenten Mikrologie in einem Institute, welches beim augenscheinlichen Uebergewicht seiner so vielen guten Eigenschaften mit mehr Schonung und Nachsicht besprochen zu werden verdient, einen unumstößlichen Beweis von dessen Undankbarkeit gegen seinen würdigen Lehrer und Wohlthäter, den hochverehtten und allgemein geschätzten Rabbiner, der als Religions- Oberhaupt die Aussicht über jeden Zweig des Unterrichtes in der Schule führt, und sich nie über irgend eine spezielle Lehrmethode mißbilligend ausgesprochen hat. So wie der unerfahrene Referent überhaupt gegen den achtbaren Vorstand höchst unbescheiden handelt, und sich zum dictatorischen Sensor aufwirst, wozu er weder berufen noch befähigt ist. — Hätte seine Rüge eine edle Absicht gehabt, würde er als Menschenfteund au dem schönen Satz gehalten haben: Cur dextrae jüngere dextram non datur, ac yeras audire et reddere yoces? Was aber in diesem Berichte von dem ganzen hiesigen Gemeinde-Körper mit der größten Indignation gelesen wurde, ist jene Stelle, die mehr eia Libellus famosus als ein Referat zu sein scheint, durch welche die Würde unseres sehr verdienten Kanzelredners auf eine so unedle und arrogante Weise angegriffen wird. Herr Bach bekleidet das Predigeramt bereits zehn Jahre hier in Pesth, und hat sich sowohl in der hiesigen Gemeinde, als auch bei dem gebildeten Theil der hierortigeu christlichen Einwohner, die so gern unfern Tempel besuchen, einen ehrenvollen Namen erworben; er steht bei allen höhern Honorationen in großem Ansehen, und hat bei allen öffentlichen Festen und feierlichen Angelegenheiten allgemeine Hochachtung gewonnen. — Roch vieles ließe sich über dieses allgemeine gemißbMgte Benehmen sagen; doch yerbum non amplius addam. — So viel ist gewiß, wäre der Berichterstatter hier geblieben, er würde wahrlich sehr viel Unannehmlichkeiten erfahren haben. Und nun zum Schluffe noch eine Bitte an Sie, verehtter Herr Redacteur! deren Gewährung von Ihrem Billigkeits-Gefühl mit Zuversicht zu erwarten steht.. Alle jene, welche über diesen falschen und schmählichen Bericht entrüstet sind, entschuldigen jedenfalls die Redaction; indem sie diese Zeitung als eia Forum competen* bettachten, vor welches jeder hiutteten darf, um seine Meinung, wenn sie auch nur gegründet-zu sein scheint, nieder zu legen; aber nicht minder wird doch gewiß auch jener berechtt'gt sein, vor diesen Gerichtshof zu erscheinen, der von der ungerechten Beschuldigung des frühem Referenten überzeugt, als unparteiischer Freund der guten Sache, die Ehre des Angetastetcn zu retten, und die geehrte Redaction ernes Bessern zu überführen sucht. Es läßt sich daher von Ihrer Urbanität und Wahrheitsliebe zuverlässig hoffen, daß Sie auch diestt Entgegnung einen Platz gönnen werden, und dieses um so mehr, damit unberufene Egoisten und Arroganten, die es nicht redlich mit unserer Nation meinen, wenn sie alles aufkeimende Gute unter der Maske des Berbessernwollens begeifern, Ihrem verdienstlichen Unternehmen dieser Anschrift durch falsche Berichte nicht schädlich werden, und der gewünschten Verbreitung derselben nicht störend in den Weg tteten. — Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung, mit welch« ich bin Ihr ergebenster Pesth, 8. Ott. 1837. I>r. I. Scherauer, Privardocmt. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.