Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 93 (4.11.1837)
- Date
- 1837-11-04
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224832--00606-3298937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
371 nicht abwichen? — Und waren, und sind unsere Frauen so beschaffen, so müssen sie wahrlich nicht mit »gesetzlichen Schranken«, die ihnen alle Religiosität entzog, umgebm fein; so müssen sie auch für »religiöse Gestaltungen« empfänglich sein. — »Das Zudenthum, fährt der Vers, fort, stößt das Weib gewaltsam zurück; es ist von jedem hohem religiösen Lebm ausgeschlossen.« — Wenn dies ein Jude behauptet, sollte man doch billig voraussetzen, daß er solches mit schlagenden Beweisen belegen wird; aber statt vieler bringt er nur einen vor, und dieser lautet wörtlich: b''D2 «»-,2 iötsto rrt)9 msaa d'-nos traepi ö'naan d. h. Frauen, Sklaven und Kinder sind von solchen Geboten befreit, die an bestimmte Zeiten gebunden 'sind. Hierauf also stützt der Verf. seine.Blasphemie. — Dreist können wir ihm dafür mit dm talmudrschen Worten zumftn: '121 b*»m 2^2« 12. Schon das Wort beites (sie sind befreiet) zeigt von einer Erleichterung (als Ausnahme von der Regel), und zwar nur von solchm Geboren, derm Ausübung an eine Zeit gebunden ist, als: die Schau faden zu tragen, die (sogmanntm) Denkriemen anzulegm u. s. w., well die Frauen vermöge ihrer periodischm Schwächm, Schwangerschaften, häuslichen Beschäftigungen und Kindererziehung davon abgchalten werdm. Hingegen sind sie an alle andere' Ge- und Verbote, die zu allen Zeitm Auwmdung finden, so gut als die Männer gebundm und von keinem höhem religiösen Lebm ausgefchlossm. Zum Gebete sind sie sowohl als die Männer verpflichtet, eben so mit dem Worte Gottes verttaut zu sein. Die Einrichtung, daß auch die Fraum, wie ehemals im Tempel (N2N), in dem Gotteshause ihr Gebet verrichtm könnm, waltet in ganz Israel, und es ist kein Gotteshaus zu finden — auch nicht das kleinste —’ wo nicht auch für die Fraum eine Abtheilung angebracht ist — »Aber das Gebet ist in einer ihum fremden, in hebräischer Sprache abgefaßt, das sie nicht verstehm und sie nicht zur Andacht lockm kann,« meim der Verf. Za wohl, ullein darin war ja auch nicht für dm gemeinen Mann, für dm Ungelehrtm gesorgt! — Worin liegt also hier gerade bei dm Weibem die »Ausschließung?« — UeberdiB ignorirt der Verf. alles, was in seinm Kram nicht, paßt. Es ist bekarmt, daß gerade hierin für unsere Mütter schon in frühem Zeitm mchr gethan worden, als in «nsem Zeitm für unsere Fraum geschieht. Schon vor vr. Friedlander, Eichel, Heidenheim u. A. hattm dieselbm deutsche Uebersetzungen — versteht sich nach damaliger Sprechatt, hiy und wieder auch mit hebräischen Wörtem vermischt, die sie aber wohl verstandm — von dm Gebeten, 'Machsorim und der Thora, derm sie sich in der Betschule wie im Hause bedimtm; ja sogar für ethische Werke wurde gesorgt — nach damaligem Geschmack13) (ab; ü>:pbtö *wfina; N2'«"n N2'«L biü u. a. m.). Unsere Voreltern warm keineswegs so fanatisch, wie jener nordische Rabbiner, der absurd verlangt, daß »alle Jsraelitinnm Th'nach, wie die Sprache ihres Landes, erlemm sollm!« — Aber auch die Zusammmstellüng im obigm talmudischen Ausspruchs, »Fraum, Kinder-u. s. w.« ist dem Verf. ein Gräuel, und er ruft aus: »Frauen, Kinder und Sklaven wenden auf eine Stufe gestellt!« — Welche Kleinkrämerei! Es müßte demnach auch der weit härtere Vers (5 Mos. 3,19.), «0 es. heißt: nur euere.Frauen, Kinder und euer Vieh u. s. w. gerügt, und aus unsem europäischen Gesetzen manche ähnliche Zusammmstellungm ausgemerzt, oder nach Art des Verfassers Resultate gefolgert wrrdm. 14) Nun bei dieser Gelegmheit noch ein Wott an euch, liebe Brüder in Deutschland! — Bettachtet man das gewaltige Treiben und Drängm der jüdischm Theologm Dmtfchlands zum Reformirm, so muß man wahrlich um das Judmthum in religiöser wie in -politischn Hinsicht besorgt werden. Noch sind es kaum einige Decennien, seitdem man in Deutschland hin und wieder sagm hötte: auch der Jude ist ein Mensch! Noch gar nicht lange her ist es, wo die Hepheps das Leben der Judm in Gefahr brachten, und ganz neu noch sind die Vtthandlungm in dm verfchiedmm Standeverfammlungm und Kammem Deutschlands, in dmm Beschuldigungm gegen die Judm vorgebracht wurdm, die zur Verachtung und Verstlgung Stoff in Fülle gebm, und die jüdischm Theologen glauben schon ein Hallelujah anstimmm zu müssen! — Jetzt ist wahrlich noch nicht an dtt Zeit, den schönm altm Verband gewaltsam aufzulvsen, die durch Ver- **) Es wird wohl kern vernünftiger Mensch in unserer Zeit dem Z’enah u’rena — dem bekanntesten, und gebräuchlichsten religiös - moralischen Werke für Frauen — das Wort reden; aber trotz dem kann man behaupten, das es zu seiner Zeit viel Gutes gewirkt hat. Bei uns ist es jetzt mit Recht verschollen, aber was ist unfern Frauen dafür in die Hände gegeben, um an Sabbathen und Feiertagen sich zu erbauen': — Zwar beabsichtigt man jetzt, Bibelausgaben zu veranstalten» — gut, aber abgesehen davon, daß diese nicht in einer solchen einfachen Volkssprache, wie die lutherische noch immer ist, die ihren Effekt nicht verfehlen kann, gegeben wird, so können solche Bibeln ohne Noten, Erklärungen und moralische Schlüffe (nach Art des Toldot Israel, oder Dinters lurh. Bibelausgabe) ihre wahre Bestimmung für das SS oll nicht erreichen, und es kann nur innigst bedauert werden, daß sich nicht jüdische Gelehrte—deren wir viele haben — herablassen, ein solches und ähnliche Werke für Frauen anzufertigen. ") Zm preußischen randrecht Th. II. Tit. XVII. §. 136. heißt es:.Ehefrauen, Kinder und das noch im Dienste stehende Gesinde können mit dem Haupt der Familie auswan-! dern u. a. m. "