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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-31 · Heft 91 (31.10.1837) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 91 (31.10.1837)
Date
1837-10-31
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 Daß das Volk noch stets d'ran hänget,; ML der Spreu das Korn vermenget,! Reif nicht zur Inspiration — j Ach, Jahrhunderte verschwebea! Lagen gleich im Dölkerleben,! Im Entblühn der Religion! | j Hört Jesaias, den Propheten: *) »Sah man in das Leben treten Je in einem Tag ein Land? Wo ein Volk, das seiner Schale Sich enthüllt mit Einem Male, Fehllos gleich sein Dasein fand?« — Lasset nur vor euern Söhnen Rein der Gottheit Wort ertönen, Wie's gesprochen der Prophet! Und es fällt von selbst die Hülle, Und in reicher Strahlenfülle Prangt des Glaubens Majestät! Doch, mein Freund, du bist kein Laie! Meinst nicht blos des Glaubens Kleie, Mit dem längst das Volk nur spielt, Und verhüllst du auch dein Wollen, So verstehn wir doch dein Grollen, Und wohin es wahrhaft zielt! Würde nur in Glaubenssachen Die Reform bequem euch's machen. Nimmer fändet ihr sie-schlecht; Wär' des Glaubens Heils-Diät Gänzlich nach Commodität, Dann entspräche sie dem Recht! Aber, wer will Allen, Allen, Bilden, Formen zu Gefallen, Bei der Willkühr Anarchie? Was soll man als Abhub schelten? Was soll dann als Satzung gelten? Wo des Glaubens Garantie? — Laßt im Judenthum uns wandern, Fragen Einen und den Andern, Was er echt für Satzung hält? Jeder schafft nach Gutbefinden Eigne Pflichten, eigne Sünden, Je nachdem es ihm gefällt. Hier will christlich man serviren, Dort mit Messern sich rasiren. Und den Sabbath arbeitsftei. Der verlacht die Glaubenslehre, Dem gilt Pessach als Chimäre, Fastgesetz als Faselei. — Nicht wahr. Alles, Alles brechen Sollt Reform euch heilig sprechen? *) Jesaia» K. 66. V. 8. Stern. Bresche schießen durch das Haus? Wozu dann Reformatoren? Geht zur Taufe hin, ihr Thoren! Mit dem Judenthum rfts aus! — Alles wünscht ihr, daß der Glaube Unbeschränkt euch stets erlaube. Dies liegt in der Worte Schacht! Geht, bespritzt euch mit dem Finger, Die Reform und ihre Jünger, Sie — für euch — sind nicht gemacht. Wien, 6. Oct. 1837. Correfpondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus München. Fortsetzung.) Es thut dem betrachtenden Geiste wohl, so er sieht, wie ein in heiligen, frommen Absichten Unternommenes aus seiner ersten, embryonischen Gestalt heraustritt, sich in sich und aus sich selbst organisirt und gliedert, und in dieser Selbstbildung zu einem gesunden, thatfähigen und thatkräftigen Körper heranreift. Es offenbart sich in dieser Verwirklichung gemeinnütziger Absichten die dem Guten inwohnende Kraft, die es muthig selbst die schwersten Hindernisse bekämpfen und besiegen läßt, und die für jede fernere Erreichung eines ähnlichen Zweckes das menschliche Gemüth mit einer Hoffnung erftllt, die nichts, gar nichts zu Boden zu schlagen vermag. Es wird dem Geiste klar, daß das dem Guten Widerliche in sich selbst zerfällt und sich selbst zerstört, weil keine sittliche, also wahrhaft belebende und stärkende Kraft ihm inwohnt, und daß das Gute eben durch diese Selbstvernichtung seines Gegners um so fester sich begründet und um so sicherer sich stellt, je mehr den moralischen Menschen ei» innerer Trieb auffordert, das begangene Unrecht auf jede mögliche Weise wieder gut zu machen. Und hat der harrende Geist die' ihn belebende Hoffnung nur Einmal verwirklicht vor feinen Blich treten sehen, so wird der ihm inwohnende Gedanke zur feste» Ueberzeugung, an die er Alles setzt, und auf die er ewig bauet und vertrauet, bis sie überall Voruriheile und falsche Anfichte» sowohl, als in der That begründete Hindernisse besiegt und in schaffender, umgestaltender und belebender Glorie vor die Wüt tritt. So sehen wir nun fteudig auf jene Zeiten zurück, in welchen in München, das einst seine Juden vertrieb, ohne allen Widerstand sich allmählig eine Gemeinde sammelte, die unter Ullfclders Leitung zwar still und ohne alles Geräusch, doch in ihren ersten Prinzipien sich fest und sicher organisitte. Und so möge dieses Beispiel uns ermuntern, daß München nicht bie einzige Stadt des Jsarkrekses sei, die ihre Thore gastfteundlich den Juden öffnete, sondern daß mit der Zeit und in der Zeit jener Paragraph aus dem Edikte vom Jahre 1813 schwinden werde, der uns den Unterdonaukreiä und den Jsarkreis fast ganz verschließt. Nach Ullfclder's Tode übernahm der jüngst verstorbene Pappenheimer als Cultusadministrator die Leitung der Gemeinde, dem später als zweiter Administrator der dänische Commercienrath E. Marx beigegeben wurde. — Pappenheimer erkannte bei« Antritte bald, wie viel noch zur festen, innern Begründung fehle, und suchte durch Einrichtungen, durch welche sie in ihrer Verwaltung und in ihren Instituten sich mehr den christlichen nähern, ihr mehr innere Dauer und Festigkeit zu geben. Noch stand der Jude zu abgesondert, als daß er als ausgenommen in den Kreis der Bürger, als daß er als mehr als geduldet betrachtet werden konnte. Es war sowohl durch Nachsuchung und Erlangung der Bürgerrechte darum zu thun, daß der Christ den Juden, wenn auch nicht als Staatsbürger, doch wenigstens als Stadtbürger

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