Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 91 (31.10.1837)
- Date
- 1837-10-31
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224830--00595-3298918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
362 Theologie. Eingesandle Entgeguvugeu wider das in No. 75 d. Zeit, abgedruckte »Schreiben eines jüdischen Familienvaters an die Herren Reformatoren.« 1. Aus Wien. Der Familienvater und der Reformator. Bon M. E. Ster«. Bemerkung des Einsenders. Wir erwarten von der anerkannten Wahrheitsliebe und Unparteilichkeit des H. Redacteurs, diesem Aufsatze eine baldige — und zwar unveränderte Aufnahme zu Theil geworden zu schm, indem etwaige Mängel sowohl im Inhalte als in der Form auf Risico des Verfassers gehen. Endlich hat sich einmal die wahre allgemeine Gesinnung unserer modernen Laien — zum Theil — frei und unverhohlen ausgesprochen, wir wissen die Stelle, an welcher das Iudenthum wundenkcank, und — können sie auspressen und ausdrückm. Und, bei der allgemeinen Aufmerksamkeit und dem Aussehen, die jener Aufsatz erregte, möchte sich jeder vom echten Sinne der Religion durchdrungene Freund des Judentums, und um desto mehr der Unterzeichnete zu dessen Erwiederung berufen fühlen, je wmiger ihn ein Argwohn der Parteilichkeit treffen kann, indem er'in keiner seiner bisher zur Oeffcntlichkeit gekommenen Schriften je über Reformations - Angelegenheiten sich aussprach, und er sich jenen, sowohl ihrer öffentlichen Stellung als ihres literärischen Ruhmes halber ausgezeichneten, mit grundlosem, indiscretem Vorwurf und Verdacht gekrankten Männern beizuzählen keine Ansprüche' hat. Stern. Motto: Wahrheit in der reine« Brust, Lasten wir die Krittler klimpern. Und belächeln nur mit Lust Lob wie Tadel von den Stümvern, Sind uns keiner Schuld bewußt. Warum sollten wir auch zimpern? Ziuwerod aiederblickt der Wicht, Doch der Brave hebt emvor Seine reinen Wimpern: » l» Immer«an». Der Familienvater. »Sagt mir, ihr Reformatoren: Glaubt ihr wahrhaft euch erkoren. Unsres Glaubens morsches Haus Neu zu gründen, herzustellen, I Warum geht auf Nebenquellen — Nimmer auf bas Haupt ihr aus?« — »Ach, uns drücken andre Schuhe, Bor dem Abhub schasst uns Ruhe. Immer nur um's dritte Wort: Synagoge nur und Predigt — Sucht ihr Stellen, die erledigr?! Und Begründung im Ressort?« j »Seit undenklich alten Zeiten Hör' ich lärmen, hör' ich streiten. Das uns nur die Ruhe raubt; Zeder tobt, »iS reformiren — - Ist mit Messern zu rasircn Heut' gesetzlich schon erlaubt?! —« »Wie zuvor steht cs im Ganzen, Abergläub'sche Observanzen Herrschen weit uns breit ringsum. Und das Borurtheil im Wolke Prangt in dichter Nebelwolke Als des Glaubens Heiligthum.« *) »Ei, was denkt ihr, sollten schauen Wir nur immer und vertrauen? Schon zu lang wähtt uns das Spiel! Fott mit leerem Wottgewäsche, Frisch geladen — schießet Bresche? * Führt uns endlich doch zum Ziel!« Der Reformator. Theurer Freund, schon dein Beginnen Zeigt dein unbegründet Sinnen - Bon Verdachtes Gift entflammt! Wie, du glaubst, all' unser Mühen, Unser Eifern, Kämpfen, Glühen, Alles ziele blos aufs Amt?! Keinem von den Jüngern allen Ist Reform je eingefallen. Der nicht längst im Amte schon; Jene im Ornat und Amte Sind es, die die Gluth entflammte. Stritten für Reformation! Rüsten blos ob Faseleien Sollten wir uns gegen Laien, Ob des Aberglaubens Glossen I Schießen wider Glaubensböcke, Führte dies etwa zum Zwecke? Hieß' es nicht 'uen Bock geschossen! Vorbedeutung auf der Reise, Stichusch nach der Heiden Weise, Dies verpönt der Talmud schon, **) Nach bem Schatten nie zu sehen. Um die Zukunft zu erspähen. Lehrt der Codex Religion. ***) Abzuschleifen solche Schatten, Solle man auf Reform erst watten. Dieses war' ihr hehres Ziel? Was schon längst die alten Meister, Jene hoch erhabnen Geister Anerkannt als Pflichtgefühl? *) Wir wollen uns hiermit verwahrt wissen, tndenr wir «»merken, daß wir den Familienvater mit eignen Worten sprechen lasten; ob wir seiner Ansicht sind, wird die Antwort lehren. Stern. *•) Siehe Chulliv F. ss. S. 2. Schabba/^ F.«7. S.i. Maimo- »ideS daselbst. Ster«. •—) @ie$e Srach Chaim 4». Sukah 91.664. P.». Ster»