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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-31 · Heft 91 (31.10.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 91 (31.10.1837)
Date
1837-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. L-hrg-ng. A-LLZeMerrre No. 91. Zeitung des Zudenthnms. Ein unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse. l Mit Kvnigl. Sächsischer allergnädigsirr Concrisioo.) Leipzig, den 31. Oktober 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Breslau, 15. Oct. (Privatmitth.) Se.Majestät haben die verschiedenen Stiftungen, die bei Gelegenheit der Jubelfeier des vr. Herrsche! gemacht worden, genehmigt, insonderheit die mit 2000 Thlr. Capital fundirte Stiftung für einm jüdischen Studirmden der Medizin. Da über diese bereits in No. 50. dies. Zeit. referirt worden, so wird es wohl angemessen sein, hier eine andere höchst wohlthärige Anstalt zu erwähnen, die gleichfalls den Namen »vr. Herrsch elsche Stiftung« bei Veranlassung des gedachten Jubiläums annahm, nämlich den unter dem Namen Adereth EUjahu feit vier Jahren bestehenden »Verein zur Bekleidung armer Israeliten in Breslau.« Dieser Verein wird durch einen monatlichen Beittag von 14 Sgr., den jedoch die meisten Mitglieder jetzt erhöht haben, erhalten; jedoch hat er bereits ein Legat von 250 Thlr. vom sel. Louis Friedenthal, und eine jährliche Revenue aus der Simmel'schm Stiftung -von 30 Thlr. als Fonds erhalten. Nach dem Bericht von Ostern 1836, der mit einer höchst angemessenen Einleitung zum Jubiläum von dem einen der sechs Vorsteher, dem auch als Autor bekanntm, thätigen Herrn M. B. Friedenthal, veröffentlicht worden, hat der Verein bis dahin, in 3 Jahren, unter Anderm vertheilt: 48 Manns-Oberröcke, 47 Paar Beinkleider, 47 Westen, 41 Paar Stiefeln, 21 Hüte, 1 Mantel, 2 Pelze, 10 Jacken, 135 Mannshemden, 69 Frauenhemden, 33 Hals- und Schnupftücher u. s. w. Der Verein hat hierfür circa 650 Thlr. verausgabt. Dieser Verein hat auch einen Nebenzweig in der »Unterstützung für Leidtragende.« Es erhält nämlich jedes leidttagende Mitglied vom Vereine 4£ Thlr. zur Unterstützung für die 7 Trauer- . tage. Dicft Unterstützung ist ein Jeder ohne Unterschied verpflichtet anzunehmen. Es wird aber zugleich eine verschlos-. sene, versiegelte, nie ganz geleerte Büchse bei ihm ausgestellt, so daß also Jedweder in dieselbe wieder zurücklegen kann, so viel chm beliebt. Auf diese Weise erfahren selbst die Vorsteher nicht, wie viel von dieser Unterstützung angenommen worden. Der Verein hat in jenen 3 Jahren hierfür 608 Thlr. verausgabt, 303 Thlr. 7 Sgr. 10 Pf. aber wieder zurückerhalten, so daß er also 304 Thlr. 22 Sgr. 2 Pf. aufgewcndet bat. — Es verdient aber auch Erwähnung, daß neben diesem Vereine ein anderer im Mai 1836 durch den Herrn M. B. Friedenthal »zur Beköstigung hiesiger und fremder armer Zsraelitm« gestiftet worden, der bereits 190 Mitglieder zahlt. Derselbe soll dem Uebelstande abhelfen, daß die Gemeindemitglieder beim Herausgehen aus der Synagoge von fremden Juden M» eine Mahlzeit angegangen werden, und daß Familienväter an Sabbathen und Festtagen nicht ohne Nahrungsmittel sind. Dieser Verein, der den Oberrabbiner Tiktin an der Spitze hat, vertheilte im ersten. Vereinsjahre Mai 1836 bis Mai 1837: 2372 Pfund Fleisch und 2894 Portionen Essen, die einen Aufwand von 395z Thlr. und 1800 Portionen Essen von dem Tische der Mitglieder verursachten. — Diese überaus lobenswerthen Anstalten beweisen wohl hinlänglich, daß die öfter vorgrbrachte Klage, als ob die Barmherzigkeit unter dm Judm, die schon Tacitus in seinm Historien rühmt, in neuerer Zeit immer mehr schwinde, ganz ungegründet ist, daß sie aber in neuerer Zeit überall eine zweckmäßigere Gestalt und Ordnung annimmt. Pesth, 30. Sept. (Privatmitth.) Am 19., 20. und 21. d. M. fand hier die öffmtliche Prüftmg der »iftaelitischdeutschm Lehranstalt« statt. Am 19tm Nachmittags nämlich im Hebräischm, an den beiden folgenden Tagen von 9—12 und 3—6 Uhr in den übrigm Lehrfächern. Dem Examen im Hebräischm wurde von dem Oberrabbiner Herm A. Chorin in Arrad, bei seiner Durchreise von Wim nach seinem Rabbinatssitze *) beigewohnt; sowie an den folgenden Tagen von dem Herm Magistratsrath von Szopäsy als dirigirendem Localschulen-Director, und andern Schulfreunden. Die Prüfung fiel ganz vorzüglich aus. Wmn auch die Elementarklasse im hebr. Lesm sich nicht geläufig gmug zeigte, so zeichnetm sich dennoch die obem Klassen in der hebr. Grammaük recht vortheilhaft aus. In der Religionslehre und biblischm Geschichte, die von Herm K lab er gelehrt werdm, zeigte sich von der untersten bis zur höchsten Klasse eine sehr passmde Gradation und ein ttefflkches Anschmiegen an die verschiedmm Bedürfnisse der Altersstufen. Außerdem waren die Erfolge im Gesangunterrichte äußerst brav, und im Briefstyl urkd in schriftlichen Aüffätzm höchst zu loben. Hingegm wurde im Rechnenfache zu wmig geleistet, wie auch in der Naturlehce und im Ungarischen.. Mit der Geographie konnte man zuftiedm sein, und von Mechanik und Stereomettie war der allgemeine Begriff gmügmd. — Ein ganz besonderes Lob verdimm die Herrm Lehrer, daß sie auf Ordnung und Reinlichkeit die strengste Wachsamkeit üben. *) Nach eigenhändigem Schreiben aus Wien hielt sich der verehrte Mann daselbst in Angelegenheiten seiner Gemeinde auf. Ueber sein neuestes Werk „Hillel“ wird nächstens referirt werden. D. Redact.

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