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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-28 · Heft 90 (28.10.1837) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 90 (28.10.1837)
Date
1837-10-28
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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859 zugegen fein (5 M. 31, 12. 29, 9. Neh. 8, 2. 2 König. 4, 23. u. a. nt.), und alle Gebote, die dem Manne oblagen, galten auch der Frau (unter der 2. Person oder w'tr anbefohlen); zum Tempel hatten sie freien Zutritt (i Sam. 1, 2. u. a.) und sie lagerten im Dorhofe desselben (ibiä. 2, 22.) Hatte eine Frau Talente und Muth, so konnte sie Richterin und Königin werden, wie mim, rrnm, mins, Salome u. a. m. Wo aber das Talent sich ausbilden kann, ihm' freier Spielraum zum Handeln vergönnt wird, da herrscht wahrlich keine Sklaverei noch Herabwürdigung. Nach dieser kurzen Skizze kehren wir zu unserm Verfasser zurück und fragen ihn: worin er die Emiederung, die Sklaverei, die unnatürliche Stellung der Frauen gefunden hat? Etwa in der Ehe? Hierin hat er, wie wir eben gezeigt haben, schr gefehlt. Zwar sagte derselbe immer von einem Kaufe bei der Ehelichung, und hat Mitleiden mit dem Mädchen, das sich durch eine geringe Gabe schweigend in den Kauf ergeben mußte. Aber wer empfing denn das Kaufgeld? Etwa der Vater? Nein; Etwa das Mädchen selbst durch den Trauring? — Aber dieser mußte ja nach den Rabbinen bei allen Mädchen gleich nur von geringem Werthe und nicht mit kostbaren Steinen besetzt sein — um keinen Werth' darauf zu legen — und dieser werthlose Ring wäre das Kaufgeld? — Und wo findet der Verfasser, daß die Mädchen zur' Trauung mit Gewalt, zur Ehe gezwungen worden sind? 7) — Wir wollen dem Vers, den wirklichen Inhalt des Traubriefes vor Augen halten, und er wird eingestehcn müssen, daß bei diesem Akte von Kauf gar nicht die Rede sein kann, vielmehr solcher ein Liebcsbündniß war, das mit Uebernahme von schweren Pflichten Seiten des Mannes versiegelt wurde. Es heißt daselbst: »N. N. sagte zur Jungftau N. N.: sei mir zur Frau, und ich werde dich an beten (dir dienen, zu Gefallen leben),8) in Ehren halten, 9) für deine Nahrung, deinen Unterhalt und deine Bekleidung sorgen, nach der Sitte der jüdischen Männer, die ihre Frauen anbeten u. s. w. Ich gebe dir auch als ein jungfräuliches Leibgcdinge 200 8ns (Silbermünze), welche ') Der Verfasser widerspricht sich hier selbst, indem er sagt, der Ring dürfe deswegen nicht von Werth sein, damit das Mädchen nicht getäuscht werde, — also hätte sie doch einen freien Willen— 8) Das aramäische Zeitwort Nrs (im Tcrte heißt es nämlich *pp'lttl rtboa &2NT) heißt: dienen, auch anbeten (Dan. 3, 12. 7, 14. 27.). 8) Der Ehemann, sagt der Talmud, soll seine Frau lieben ^ls fichch ater e^retI (*nBehandlung und Bekleidung) mehr eben so wie deine väterliche Mitgift von 100 8us, die ich mit 100 vermehrt, auf meinen beweglichen und unbeweglichen Gütern haften sollen.« Hier ist also von Liebe und Achtung die Rede, und nicht von Kauf. Zst dem Vers, aber etwa eine jüd. Ehe wirklich von einer solchen schlechten Seite bekannt, wie er sie darstcllt, dann fteilich können wir nur ihn allein als Ausnahme bkdauecn, uns ist nicht nur das Gegentheil bewußt, sondern sogar Judenfeinde gestehen es ein, daß die jüdischen Ehen als Muster der Keuschheit, der Treue, und der Eintracht aufgestellt werden können. lü) Wenn Sie nicht zu der Klasse von Gelehrten und Rabbinen gehörm, die aus Furcht, von dm Reizm und dm Talmtm der Fraum angezogm zu wecdm, derm Umgang meidm, vielmehr im geselligen Umgänge derftlbm gelebt, und den ehelichen Zustand zu beobachten mehrfache Gelegmheit hattm, könnm Sie wirklich dann behauptm, daß unsere christlichm Frauen — verstehet sich im Allgemeinen — in der Keuschheit, in der Treue, in der Häuslichkeit, in der Erziehung ihrer Kinder, und überhaupt in allm ihrm Pflichten als Frauen, so Nachkommen, als unsere verkauften 1 * *) tctiö unterdrückten« israelitischen Weiber? — Können Sie dies nicht behaupten, so lassen Sie Gesetze und Jnstitutionm unangefochten! — (Schluß folgt.) Literatur. Neulichst erschienene schwedische Uebersetzungen von biblischen Schriften - Wimmer fr edt's 39 Psalmen (Calmar. 1622), Lingdren's Hiob, metrisch übersetzt (Upsala 1831.), Dolmeer's Uebers. des Buches Hiob (ein größeres Fragment in der theolog. Quartalschrift. 1828.) Cederbom's Hohes Lied mit Einleitung und Anmerkungen. (Stockholm. 1633.) — Correfpondenzen, Auszüge, Repliken. (Briefe aus dem Bade R.5. Zweiter Brief. Ende Juli.) Endlich wird der Himmel heiter, die Sonne sichtbar, und der Mensch — von den äußern Eindrücken so abhängig, — wird es auch: heiter und sichtbar. Denn bisjetzt hatte der , * °) Noch neulich rühmte Abgeordneter Wieland in der sächsischen Kammer (s. allg. Zeit. d. Zudenth. No. 80. S. 239.) die Innigkeit der Frmilienbande bei den Israeliten, die eheliche Treue, mit welcher ein Gatte dem andern zugethan ist, und meint, daß auf dieser moralischen Innigkeit im Familienbande die moralische Stärke des Staates beruhe. — n) »Herrath, vormals Heurath, vom alten Heuer, Mitthe oder Kauf, weil die Weiber vormals gekauft werden muß- I ten.« (Grammatisches Wörterbuch v. Prof. O erte l in Ansbach.)

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