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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-26 · Heft 89 (26.10.1837) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 89 (26.10.1837)
Date
1837-10-26
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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355 Sie nahmen an der Seine Strande Uns ia als Brüder auf. Sie fesseln uns durch zarte Bande Im Hessenwie im Preußenlande, Und an der Themse Lauf. So ist ja doch der heil'gen Kunde Erfüllung nicht mehr fern! So schlägt ja doch dem alten Bunde Recht bald wohl die Erlösungsstunde, Wo Alles preist den Herrn! Brieg. K. Klein. Miszellen. Trotz dem, daß der Pabst jährlich die Juden verflucht, hat er deren in seinem 812 Quadratmeilen großen Staate doch 16,000. Worte thun's nicht, christlich ist es aber auch nicht, einen Mitmenschen zu verfluchen, und der Pabst sollte es aus der Bibel (ich weiß freilich nicht, ob er sie liest) wissen, daß er als Nachkomme Adams, des Vaters aller Menschen, mit den Juden nahe verwandt ist. (Komet.) Der Phönix vom 30. Aug. spricht sich folgender Maßen aus: Nemesis — Als der römische Katholicismus das Abendland beherrschte, waren die Juden von der bürgerlichen Rechtsgemeinschast ausgeschlossen. Das Allgemeine schloß das Jsolirende aus. In Nordamerika ringt jetzt die universale Freiheit ir?s Dasein. Nun lesen wir in der Universal-Kirchenzeitung (vom 10. Aug.), daß die Bewohner von Massachusets im vorigen Winter dem Congresse zu Washington die Petition vorgelegt: »Den Katholiken in den vereinigten Staaten das Bürgerrecht nicht zu gestatten, wenn sie nicht chre Religion abgelegt hätten.« (Wir Juden wollen keine Nemesis; wir, sehen hierin keine universale Freiheit; wir wollen gar keine Ausschließung irgend einer Religionsparthei; denn nur von dem Prinzips allgemeiner Gewissensfreiheit hangt unsere Existenz ab. D. Redact.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Königsberg.) Herr Dr. M. Freistadt hat eS für nochwendig gehalten, auf meinen Bericht vom 19. Juli, in No. 74 dieser Blätter eine Berichtigung zu schreiben. Er versuchte darin dasjenige, was von mir gesagt wurde, nicht nur völlig zu entkräften, sondern gerade das Gegentheil zu behaupten. Besonders aber zieht er den Stteit (wenn anders Veranlassung zu einem solchen vorhanden), der'sich nur um Interessen des Allgemeinen handeln soll, in die niedere Sphäre der Persönlichkeiten herab. Er bedient sich einiger mich beleidigender Ausdrücke; und wenn ich auch durch die Anerkennung aller Uapartheiischen vollkommen gerechtfertigt bin, so halte ich es doch für meine Pflicht, zur Vermeidung falscher Urtheile von Auswärts diese Derunglimpftingen nach Gebühr abzufertigcn. Ich muß zwar befürchten, vielen Lesern dieser Blätter mit meiner Ehrenrettung, die für sie nur von sehr untergeordnetem Interesse sein kann, lästig zu werden, — allein das Feld, welches dem Angriffe zugängig war, muß auch der Bettheidigung geöffnet sein. Herr Dr. F. spricht von dem gerechtesten Unwillen, welchen meine Zeilen hier erregt haben sollen, — ■ aufrichtig, mir wollte nichts davon verlauten. Einem Theile der hiesigen Juden — und bei weitem dem größer» — war der darin abgehandelte Gegenstand gar nichts wichtig genug, um ihren Unwillen anregen zu können (blae illae lacrimae), — von andern Seiten aber wurde mir, da ich mich durchaus nicht in Anonymität zu hüllen suchte, die Anerkennung der Wahrheit zu Theil. Männer, welche gleich mir das Uebcl mit Bedauern wahrvahmen, sprachen sich dahin gegen mich aus, »daß ich leider.noch.zu wenig und nicht zu viel gesagt.« Ich könnte mehrere derselben — es sind.spezielle Freunde des Herrn Dr. F. darunter — nahrnhaft machen; allein ich verschmähe es, die Mittel zu meiner Bettheidigung so ängstlich zusammenzutteiben. Der gerechte Unwille beschränkt sich also wahrscheinlich auf Herrn Dr. F. allein. Ueber den Fehler der Oberflächlichkeit gleite ich leicht hinweg, es ist dies ein Borwurf, der in der Regel von allen Schriftstellern von Fach unberufenen Eindringlingen gemacht wird — auch widerstrebt es der Natur eines Correspondenz- Artikels, tiefeindringeud und erschöpfend zu sein. Und überdies sind ja auch die Berichtigungen des Herrn Dr. F. nur eben gesagt und durchaus nicht bewiesen, es fällt daher ein Theil dieses Vorwurfes auf ihn selbst zurück. Die »Unwahrheit« erfordett eine nähtte Beleuchtung. Herr Dr. F. meint, sämmtliche den hierländischen Juden gemachte Borwürfe ttäfen die des ganzen Staates. Dem pflichte ich nicht bei. Ich erinnere beispielsweise an die Gemeinden zu Berlin, Breslau, Magdeburg, Minden rc. Die allgemeine Volksbildung ist freilich, was das wissenschaftlich e Element betrifft, unter den hiesigen Juden eben so verbreitet, wie unter denen im Süden und Westen Deutschlands, — allein ich sprach in meinem , Berichte nicht von dieser, sondern von der religiös-sittlichen. Ist diese auch so vollkommen? — Was nun das Interesse für die Ausbildung der letztern betrifft, so klingt es wie arge Satyre, wenn Herr Dr. F. sagt, daß dieses in so hohem Grade vorhanden, daß es nur vollkommen befriedigt zu werden brauche. Beweist das etwa das übergroße Interesse, wenn eine der größten Gemeinden im Staate, im Jahre 1835 von der Regierung zur Anstellung eines Religions-Lehrers aufgefordert, und da mehrmalige Aufforderungen keinen Erfolg hatten, endlich bei Strafe dazu gezwungen werden mußte?! — Beweist das ferner das übergroße Interesse, daß die Klassen des Religionsunterrichtes, welche bei 30 Schüler zählen, in der Regel nur von 10, selten mehr als von 12 bis 15 Schülern besucht werden?! Der unendlichen Schwierigkeiten nicht zu gedenken, welche die Einziehung der Beiträge für diesen Religions-Unterricht hatte, und wobei erst polizeiliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte! — Es ist traurig aber wahr! Herr Dr. F. thut den Königsbergern wahrlich keinen Dienst damit, wenn er ihre Fehler zu verdecken sucht, und ihnen Tugenden nachrühmt, die sie nicht haben. Allen Respekt vor Herrn Rabbiner Mecklenburg und Dr. Saalschütz, und schönste Anerkennung ihrem Streben, — aber was hilft alles Lernen der Religion, wenn man sie nicht übt. Religion und Sittlichkeit können nicht wie ein Handwerk oder eine Kunst erlernt, sie müssen während des ganzen Lebens gepflegt und geübt werden — sie müssen sich in jeder Handlung durch das Streben nach Gottähnlichkeit kund thun. — Freilich wäre es gut, wenn dem jüdischen Cl erus eine Autorität von oben verliehen würde, — aber so lange diese fehlt, kann doch von einem sorgsamen Vorstande und einer empfänglichen Gemeinde »och immer viel gethan werden. Diejenige Regierung, welche sich um die religiöse Ausbildung

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