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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-26 · Heft 89 (26.10.1837) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 89 (26.10.1837)
Date
1837-10-26
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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354 den Mischen Unterhändlern zu danken. Noch während des Krieges verschaffte Durand den Franzosen große Viehheerden, wodurch sie oft den dringendsten Verlegenheiten entrissen wurden, und erst in diesem Augenblicke ist der Unermüdliche abermals mit einer Heerde von 2000 Ochsen vom Emir untcrweges. Freilich war der kriegerische Marschall C l a u z e l, der Alles mit Feuer und Schwert sich unterwerfen wollte, um seinen Feldherrnruhm vor ganz Europa glänzen zu lassen, und den Beduinen der Wüste, wie einst sein Meister Napoleon, als schreckenerregender »Sultan« zu gelten, darum dem Durand und den Juden feindlich gesinnt, und sie fanden keine Gnade vor seinen Augen. ist bekannt, wie Durand und drei Eingeborene Klagen bei der französischen Kamm« gegen den Marschall erhoben — allein man hat dies unterschlagen, weil man zuletzt den Marschall nicht ganz fallen lassen wollte. Daß der Marschall Clauzel keine m0 ralische Autorität in Europa mehr ist, hat sich glänzend aus dem Prozesse des de Rigny herausgestellt, den das gegenwärtige ftanzösische Gouvernement, welches doch den Streitigkeiten des Marschalls schon ganz ftemd geworden, wieder in hohe Stellung gebracht. Daß nur im Gegentheil, nachdem die Sache vorbei ist, Clauzel gegen Durand und die klagenden Einwohner eine Klage erhobm, beweist, daß er längst noch nicht ganz gereinigt sich fühlt. Und selbst was nicht zu erwarten, wenn er zu irgend einem Vortheile über sie gelangte, so wäre dies noch nicht entscheidend, denn was dem Gerichtshöfe verurtheilend erscheint, ist es oft nicht vor dem Stuhle der Unpartheilichkeit und Moral; und was ein Jude gegen einen Marschall von Algier nach Paris nicht vermag, vermag oft ein Marschall gegen einen Juden von Paris nach Algier. — Die ftanzösischen Blätter sprechen fteilich von dieftn Unterhändlern und Vermittlern ganz dem Augenblicke nach, wie ihre Ansicht auf Frieden oder Krieg' gerichtet ist. Die, welche Krieg wollen, sprechen bald spöttisch, bald klagend über die Werkzeuge, deren sich die Regierung bedient, um die Colonie zu umfrieden; die den Frieden wünjchm, erheben sie bis zum Himmel. Im Ganzen glaube ich wohl, daß ein Ludwig Philipp und eine erleuchtete Regierung vor ganz Europa so viel Autorität besitzen wird, um gewiß zu sein, daß sie sich nur ehrenvoller Hilfsmittel bedienen. — So wie Durand gegen Abd-el-Kader,. so benutzte das Gouvemement einen andern Israeliten, Busnac, für Achmer Bei von Constantine, aber nicht mit gleichem Vortheil. Auch gegen diesen sind einige ftanzösische Oppositionsblätter losgefahren, und haben ihn genugsam beschimpft und zu verdächtigen gesucht, und dennoch trägt er das Kreuz der Ehrenlegion, und trägt dies seit langer Zeit, nicht erst seit seinm Unterhandlungen. Busnac ist gebürtig aus Algier, hielt sich aber sehr lange in Paris auf, und ist von ausgezeichneter Bildung. Busnac erhielt Briefe vom Gouverneur an Achmet, der mit dem Vater Busnacs in Freundschaft gestanden, und, obgleich er zuerst sehr kalt vom Bei ausgenommen wurde, weil er von den Franzosen kam, so ließ er sich dennoch die Bedingungen des Friedens von ihm vortragen, in die Achmer beinahe ganz willigte. Bei seiner Rückkehr fand er aber die Ansichten des Gouverneurs, wahrscheinlich durch neue Depeschen der Regierung, geändert, neue, höhere Forderungen wurden durch einen Araber an Achmet gestellt, die dieser voller Wuth zerriß. Busnac aber mußte hierher zurückkehren, bekam jedoch vom Gouverneur dm Wink, die neue Expedition gegen Constantine mitzumachen, um bei Gelegmheit gebraucht zu werdm. Busnac erzählt unter Anderm, daß von 12 gefangmen Franzosen in Constantine die Hälfte Mohammedaner geworden. — Die Mohammedaner wissen so gut wie die Christm, daß die Juden einen religiösen Verband bildm, und sie könnten so am geneigtesten sein, an dmen von Constantine zu rächm, was die von Algier ihnm vcrdimt zu haben scheinm müssen. Dennoch ist es bis jetzt zum Glücke nicht geschehen, und der Bei von Constantine zwingt sogar seine Judm, derm es mehrere Tausmde giebt, die Waffen zu ergreift«, und diese zeigen sich bereitwillig, und werdm gegm die Franzosm kämpfen, ohne zu ftagm, ob Stamm- und Glaubmsgmossm in dm Reihen der Franzosm fechtm, wie es in der That ist. So viel wollte ich Ihnm hmte über unsere allgemeine Stellung berichten. Magdeburg, 16. Oktober. (Privatmitth.) So ebm trifft hier die Nachricht ein, daß Rabbi Akibah Eger zu Posen verschieden ist. Das Nähere in dm nächstm Nummern. Belletristik. Jes. 40, 1. DS'ni» “laac» tos Taro ’raro O, traure nicht in Sklavmbandm, Mein Volk, o zage nicht'. Die Dränger werdm bald zu Schanden, Gott sprach, und düstre Nebel schwanden, Gott sprach: Es werde Licht! Es wird die Finsterniß verschenchm. Des Wahnes Drachmbrut Bor seinem Sttahlenglanz erbleichm. Und scheu in ihre Höhlen schleichen. — Mein Volk, o fasse Muth! Sie drücken zwar die Domenkrone Roch immer dir aufs Haupt; Sie sagm dir mit bitterm Hohne, Du seist geformt aus anderm Thone, Des Menschenrechts beraubt. Wohl ihre Schlachtm mußt du schlagen! Erfüllst du deine Pflicht: Sie werden dir dm Lohn versagm. Wohl ihre Lasten sollst du ttagm, Rur ihre Würden nicht. Doch liegt ja in den letzten Zügen Der finstre Sohn der Nacht. Der Fanatismus wird erliegen. Die Wahrheit mdlkch doch besiegen Des schnödm Wahnes Macht.

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