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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-26 · Heft 89 (26.10.1837) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 89 (26.10.1837)
Date
1837-10-26
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 ihrer jüdischen Unterthanen so weit interesfirtc, daß fte den Mangel eines Religions-Unterrichtes rügte und ihm abhalf, wird es auch wohlgefällig ansehen, wenn die Juden Verbenerungen in ihrem Gortesviensr vornehmen würden. Es bedurfte im Jahre 1823 erst unzäyliacr Bittschreiben der »Unverbesserlichen« und hartnäckiger' Anstrengungen derselben, ehe unsere milde Regierung sich -u einem Acte einer ihr-sonst fremden Strenge bewegen ließ, und vie Vorträge des vi-.. Fra nko lm verbot, sehnliches ist aber jct't hoffentlich von beiden Seiten nicht zu erwarten. — Daß aber ixtr Rabb. Mecklenburg zweim a l im Jahre, und Herr Dr. Saalschutz beinahe eben so oft Vorträge in der Syno.goge halten, von denen die des Elstern wegen der ralmudischen und überhaupt hebräisch wissenschaftlichen Bildung, welche zu ihrem Lcrsrändniß erforderlich, von der jüngern Generation fast gar nicht besucht werden — ist noch immer 'keine Verbesserung I — Daß die Bestrebungen für Emancipation hier so bedeur e n d e n Anklang finden, kann ich auch jetzt noch nicht sagen; eben so bleibe ich bei meiner Behauptung — aus Gefahr nochmals ungenauer Sachkenntniß bczüchtigt zu werden — in Betreff der hier herrschenden Gleichgiltigkeit für jüdische Literatur. Allerdings sind in keiner gebildeten-Familie die Namen der Coryphäen unserer Literatur unbekannt, aber-. Wenn ich jedoch von zahlreichen Lesern höre, so muß ich Herrn vr. F. fragen, von welchem König-bera er denn spricht'! — Ich darf mir schmeicheln, die yieü'acn Juden eben so gut als Herr JDr. g., und vielleicht, vcrmoge meiner mehr praktischen Stellung im bürgerlichen Leben, noch etwas besser zu kennen. Wir wollen beispielsweise die . Zerrung des Judenthums« ansührcn. Von den 17 bis 1800 hiesigen Juden halten solche 21 — sage ein und zwanzig — und %'xar hierunter noch einige mit einer Pränumeration auf rcsp. 3 Monare und nicht weiter — aus Jnrercsie. — Die anderen jcfjt berauskommenden und früher herausgckommenen Zeitschriften, als, »-Israel. Predigt und Schulmagazin,« »Zeitschrift für Mische Theologie,« »viüure Irin,,« »Jedidja,« »Sulamit,« und ich wiederhole es, die Werke unseres Salomon u. s. w., so wie namentlich die in den letzten Jahren erschienenen liturgischen Schriften sind völlig unbekannt, denn ob von der obigen Seelcnzahl 5 oder 10 damit vertraut sind, kann nicht in Anschlag kommen. Wenn Herr vr. F. die bei den Juden stattgefundene Theilnadme für Herrn vr. Pinn er näher beweisen will, daß diese auf mehr Exemplare der Talmudübersetzung als die -Christen unterschrieben haben, so ist dieses durchaus unzulänglich: denn von den 17 bis 1800 Juden dürfte doch wenigstens die Hälfte, von den 65,000 Christen dagegen etwa nur 50 bis 100 Wisienschasts- Freunde für das angekündigte Werk Jntcrcsie fühlen; und nun wollen wir sehen, auf welche Seite die Schale ausschlägt. — Daß aber die Christen früher als die Juden von ihr Notiz nahmen, ist erstens nicht zweifelhaft, sondern wahr; und zweitens bedurfte es auch keiner früher» Annäherung von seiner Seite. Dessen Ankunft war kaum durch die Zeitungen bekannt, als ihn auch schon mehrere christliche gelehrte Notabilitäten besuchten: die Juden aber hielten auf Etiquette, und warteten bis Herr Dr. P. sich ihnen nähern würde. -Beiläufig gesagt, logirte derselbe in demjenigen Thcile der Stadt, welcher fast ausschließlich von Juden bewohnt wird. — Warum ich nun endlich in meinem Berichte der vielen ehrwürdigen Einrichtungen keine Erwähnung gcthan, geschah aus dem einfachen Grunde, weil ich es nicht für nothwendig hielt, noch besonders zu bemerken, daß eine Gemeinde von 225 Mitgliedern (Baale bat im) eine Armenverwaltung habe. Daß aber ein jüdisches Hospital (Hekdesch) und eine Beerdigungszunft (Chebra) cxisiircn, an deren vielleicht vor 300 Jahren erfolgten Stiftung die jetzige Generation eben so unschuldig ist, wie an Erbauung der Stadt, und wobei ihr Verdienst nur darin besteht, daß sie die vermögenden Lodtcn gegen anständige Bezahlung, die Armen aber umsonst begräbt — darf bei einer alten großen Gemeinde ebensowenig verwundern, da wir ähnliche Anstalten, freilich im vcrhältnißmäßigen Maßsrabc, bei Gemeinden ron 5 bis 10 Mitgliedern antreffen. Die Schilderung der wohlthätigen Wirksamkeit des in der Thar achlungswcrthen Frauenvereines, der wohlthätigen Gesellschaft und der Herren vv. Jacobson und Jacoby mußte ich mir aber allerdings auf später Vorbehalten, weil sonst mein erster Bericht neben den vielen vr. F'schen Vorwürfen auch den der Länge bekommen hätte. Ich könnte mich nun noch wegen des »bekannten Herrn I. L.« — in sofern solchem die Bedeutung von »berüchtigt« beigclegt werden möchte, beschweren, — allein wie ich in Erfahrung gebracht, ist diese Phrase eine Sünde des Setzers, und nicht des Autors, und darf ich daher nichts dagegen sagen. Nun zum Schluffe. Ich erkläre im Voraus, weiter kerne Notiz von ferneren Entgegnungen zu nehmen. Ich überlasse von nun an Herrn vr. F. dieses Feld ganz allein, um so mehr, als der von mir ausgesprochene Wunsch — die jüdischen Angelegenheiten unserer Provinz öffentlich besprochen zu sehen — durch ihn in Erfüllung gegangen. Ich bemerke nur noch, daß wir in unserm Zeitalter wohl zu der Erkenntniß gelangt sein dürften, wie durch Ocffentlichkeir und ungeschmückte Darstellung allein die Gebrechen der menschlichen Gesellschaft geheilt werden können, nicht aber durch Geheimhaltung oder gar Verläugnung derselben. Diese Ueberzeugung allein, und nicht etwa die Sucht zu verläumden und anzuklagen, hat mich veranlaßt, hier so offen und frei zu sprechen. Wenn wir selbst unsere Fehler eingestehen, so geben wir Freunden und Feinden den besten Beweis, daß es uns um Besserung zu thun sei. Und somit wünsche ich, daß ich recht bald Veranlassung finden mochte, alles den Königsbergern nachgesagte Böse zu widerrufen'. — Julius Lebegott. Bemerkungen. Auf das in No. 75. dies. Zeit, befindliche »Schreiben eines jüdischen Familienvaters an die Herren Reformatoren« sind bereits zwei Entgegnungen von München und Frankfurt a. M. eingelaufen; da aber noch mehrere zu erwarten stehen, so will die Redaction zuvor noch eine kurze Zeit mit ihrem Abdrucke anstchcn. Die Redaction. Die Entfernung vom Druckorte bewirkt, daß .unsrerseits für öfters sich einschleichende Druckfehler, so vielen Kummer dies uns auch verursacht, nicht eingrstanden werden kann. In dem Gedichte »An den klagenden Juden« in No. 80. heben wir als besondere Druckfehler hervor, und bitten ganz besonders, sie zu verbessern: Z. 32 v. unten lies »deine Tempel« für »deinen Tempel;« Z. 25 v. unten lies »Vaterland!« für »Vaterland?« — (wodurch -der Sinn sehr getrübt wird). — S. 320. Z. 2. v. oben lies »Und's Kartenhaus« für »Nur Kattenhaus.« Die Redaction. Druckfehler. No. 79. S. 315. Spalte 2. Z. 14. statt: die Lebensrolle der Außenwelt, unbekannte Priesterberufsfreude lies: die lebensvolle, der Außenwelt unbekannte Priesterbcrufsfreude. — Z. 26. statt: dunkelvollcn lies: dünkclvollen — Z. 34. statt: erwachsene lies: verwachsene — Z. 5. v. u. statt für lies gar — S. 316. Sp. 1. Z. 29. statt. »Priester und Opfer« zugleich mit fich rc. lies: »Priester und Opfer zugleich« mit fich rc. Redactcur: Dr. L. P hilft, pson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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