Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 85 (17.10.1837)
- Date
- 1837-10-17
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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339 und Anmuth zur Beredung und Ueberzeugung anwmden zu können. II. Philosophie. Mit der Theologie Hand in Hand muß auch das Studium der Philosophie gehen, da sich ihr Gegenstand auf die letzten Gründe alles Seins bezieht, auf das Allgemeine, Nothwendige, Uebersinnliche, und ihre letzten und höchsten Bestrebungen immer auf das Ideale gerichtet sind. Der Theologe beschäftige sich daher vorzüglich mit der Philosophie, dieser Leuchte seiner Wissenschaft, er höre die Vorlesungen über ihre einzelnen Theile, Logik, Metaphysik, Anthropologie und Psychologie, Ästhetik, Moralphilosophie, besonders auch über Geschichte der Philosophie, und studire die hierin einschlagenden Werke. Die speziellere Methodik müssen wir der Methodik der Philosophie selbst überlassen. UI. Geschichte. Bei dem Studium der Geschichte kommt alles auf die richtige Methode an. Die beste ist die, nach welcher das Studium gleichmäßig die Kennmisse vermehrt, den Verstand beschäftigt und das Gemüth erwärmt. Man muß sie daher 1) als Gedächmißfache betrachten, denn ohne Kennmiß vieler Facta kann man nicht weiter kommen; 2) der Verstand muß geübt werdm, im Besondem das Allgemeine aufzusuchen, aus dm einzelnm Begebmheitm die Ursachen kmnm zu lernm, d. h. über Geschichte zu philosophiren; 3) das Gemüth darf nicht vergessenwerdm. Das Edle und Unedle, das Würdige und Unwürdige, welches uns die Geschichte verfuhrt, hat eine erregmde Kraft, bringt verschiedene Stimmungen im Gemüthe hervor, aber es kann auch zu einer religiösm Ansicht der Geschichte fuhren und endlich — die eigene Zeit, worin man lebt, zu begreifen. So ist es denn gekommm, daß die Geschichte jetzt die Grundlage aller wissmschaftlichen Untersuchungm ausmacht, und so wie wir dm Charakter des Freundes am besten kmnm lernm, mit dessen Schicksalen wir von Iugmd auf bekannt wurdm, so führt' die Geschichte jeder Wissenschaft am besten iu?s gmaueste Detail ihrer Geheimnisse. Die Geschichte keiner Wissmschast kann aber ohne allgemeine KenuMiß der Universal- und Spezialgeschichte, besonders der Culturgeschichte, begriffm werden. Für den jüdischm Theologm ist daher das Sürdiunrder Universalgeschichte nachEichhom, Schlözer, Pölitz, Rotteck, Wächter u. A., der alten Geschichte nach Ludm, Gibbon, Bredow u. A., der Geschichte der europäischen^ Staatm nach Spittler, Meusel, Goldmann, Joh. v. Müller u. A., besonders mdlich der allgemeinen Religionsgeschichte nach Meiner, Schlegel, Reinhardt, Creuzer, so wie auch der christlichen Kirchengeschichte nach Walch, Semler, Neander u. A. von großer Wichtigkeit. Nebenwifsenschaften. _ Unter dieser Rubrik verstehm wir hier solche Wissmschaften, die zwar nicht, wie die vorgenannten Hilfswissmschastm, in gmauem Connex mit der Theologie stehen, aber derm Kennmiß dm Theologm zieren, sein Lebm erheitem und seinm Stand so praktisch nützlich als möglich machm können. Hierzu rechnm wir eine, wmn auch nicht tiefe, aber doch genügende Kenntniß der Natur, der allgemeinm Kosmologie, Geologie, Physik, Chemie, Botanik, Zoologie; Kennrniß von verschiedmm bürgerlichenVerhälMissm dermenschlichen Gesellschaft, wie sie die Technologie und Oekonomie angiebt, pragmatische Anthropologie d. i. Menschenkmnmiß, besonders auch gmaue Bekanntschaft mit dm bürgerlichen und politischen Verhältnissen seiner Glaubensgenossen in verschiedmm Staaten, dm Gradationm ihrer Freiheit, Bildung u. dgl. Endlich auch die Erfahrung'in manchen schönm Wissmschaftm und Künstm, nammtlich der Musik und dem Singen. Jeder wird einsehen, wie sehr eine solche Bildung zur eignen Veredlung des jüd. Theologm beittagm wird, wie sehr zur Erheiterung seines Lebens, das wahrlich der Erheiterung und Erhebung bedarf, wie sehr, um sich die Achtung und Liebe der Welt zu verschaffm, wie sehr mdlich, um seinm Glaubmsgmossm, bei dem jetzigm Stand der Dinge, Mittel und Wege in die Hände zu gebm, und ihnen mit Rach und That beizustehen, um immer weiter auf dem Wege der Blldung und Civilisation zu gelangm, um immer würdiger der Emancipation zu werdm. Habm wir uns erst selbst emancipirt, habm wir es zu einem Grade der Bildung gebracht, daß die Masse höher steht, als die Masse anderer Nationm, wahrlich Europa wird nicht länger zögem könnm, uns die Wohlthar der Emancipation zu ettheilen, und wir werdm das hohe Bewußtsein habm, selbst am meisten dazu beigettagm zu haben. Möchte aber Einer dm Verfasser dieser Abhandlung beschuldigen, daß er das Ziel für dm jungm Theologm zu weit gesteckt, daß er seiner Bildung einm zu weitm Umfang .zugewiesm, so ruft er ihm zu, daß Vollkommmheit das Sttebm eines jedm Wissenschastsjüngers sein muß, daß einer reformittm und zum Theil nm gebildeten Wissmschast dies Ideal der Vollkommmheit vorschwebeft muß, soll sie anders mit in dm allgemeinm Cyclus der Wissmschast einttetm und sich ihres Ursprunges und der schon daran verwmdeten Mühm würdig zeigen. Siietatn«. Der Gesammtberrag der Ausgaben der britischen und Frem- | den Bibelgesellschaft seit ihrer Entstehung hat die bedeutende Summe