Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 85 (17.10.1837)
- Date
- 1837-10-17
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
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338 Nach diesen amtlichen Angaben ist also die Provinz Posen die von den Juden bewohnteste, hingegen die Provinz Sachsen die schwächste in jüdischer Bevölkerung. Zn Posen nämlich ist das Vcrhältniß der Juden'zu den EvangÄischen wie 2 zu 9, zu den Katholiken wie 2 zu 19, und zur ganzen Bevölkerung wie 2 zu 29; und da die Provinz 5384 Quadratmeilen faßt, kommen 134 Juden auf eine Quadratmeile. Hingegen in der Provinz Sachsen ist das Verhälmiß der Juden zu den Evangelischen wie 1 -zu 356, zu den Katholiken wie 1 zu 21, zu der ganzen Bevölkerung wie 1 zu 380, und da die Provinz 458 QMeilenfaßt, kommen nur-8 Juden auf eine Meile. Unter den Regierungsbezirken ist der von Posen ebenfalls der von Juden bevölkertste, dagegen der von Stralsund der am wenigsten von Juden bewohnte. — Im ganzen Königreiche stellt sich das Verhälmiß der Juden zu den 'Evangelischen wie. 1 zu 47, zu den Katholiken wie 1 zu 29, zur ganzen Bevölkerung wie 1 zu 75; und da der ganze preußische Staat 5062;! Quadratmeilen faßt, kommen auf eine Quadratmeile nicht ganz 35 Juden. Was das Verhälmiß der Gotteshäuser zu der Bevölkerung betrifft, so fällt dies ungemein zu Gunsten der Juden aus, und gi'ebt einen thatsächlichen Beweis ihrer Religiosität, so weit diese sich durch Gotteshäuser kund thut, und der Geneigtheit, mit der sie Opfer für ihren Cuttus bringen, wozu noch die Bettachmng kommt, daß sie weder von Staatsseitm, noch durch alte Besitzthümer hierin unterstützt werden, und daß zu jeder Synagoge auch Geistliche, die den Gottesdienst verrichtm, gehören, die von ihnen selbst'erhalten werden. In numerischer Hinsicht hat die Rh ein Provinz die meisten, und die Pcov. Sachsen die wenigsten Synagogen; das Verhälmiß der Juden zu den Synagogen ist aber am stärksten in der Prov.P o sen, am schwächsten in der Prov. Westp ha len. Während aber am wenigsten 67 Juden,-am höchsten 588 Juden auf eine Synagoge kommen, kommen am wenigsten 574 Evangelische und 489 Katholiken auf eine Kirche; im ganzen preußischen Staate aber kommen durchschnittlich nur 211 Juden auf 1 Synagoge, hingegen 1009 Evangelische und 1051 "Katholische auf 1 Kirche. Der natürliche Grund liegt in der Zerstreuung der Juden, wo bisweilen 3 Familien an einem Orte sich eine Synagoge halten. —> Dies Verhälmiß stellt sich noch vortheilhaster heraus, wenn z. B. im Regierungsbezirke Trier 145 Menoniten kein Gotteshaus haben, in der Provinz WestpH a l en 120 keines u. s. w. The o I» #ie. Ideen zu einer Encyclopädie und Methodologie der jüdischen Theologie von Uri. (Schluß.) Hilfswissenschaften. Wir haben oben als' die Hilfswissenschaften der Theologie die Philologie, Philosophie und Geschichte angeführt, erstere insbesondere als Hilfswissenschaft der Exegese, die Philosophie als solche für die Dogmatik, die Geschichte für die Kirchengeschichte. ‘I. Philologie. Wie die Sprache überhaupt die merkwürdigste Erscheinung in .der Bildungsgeschichte der Menschen ist, so ist Sprachkenntniß die Grundlage aller Wissenschaft lichm Bildung. Abgesehen von ihrem materiellen Nutzen ist daher die Philologie in formeller Beziehung ein schr wichtiges Mittel der Verstandesbildung, der Genauigkeit, tm Denken, der Uebung der Aufmerksamkeit und des Scharfsinnes. Schon als wissenschaftlich gebildeter Mann darf daher der jüd. Theologe die Philologie während des akademischen Swdiums nicht vernachläfsigm, abgesehen davon, daß sie in einer so nahen Beziehung zur exegetischen Theologie steht. Er richte daher seine Aufmerksamkeit auf das Swdium: 1) Der allgemeinen Grammatik, als Grundlage aller Sprachen in den Gefttzen des menschlichen Denkvermögens nach Herder (über den Ursprung der Sprache rc.), Tidrmann, Adelung u. A. 2) der griechischen und lateinischen Sprache, als der Sprachen der beiden Völker, welche den größten Einfluß auf die Gestaltung des Altetthums hatten, und ihren Geist auf alle Bildung der alten und neuen Zeit verbreiteten. Hauptzweck des Studiums der alten griechischen und römisthen Clafsiker bleibt daher immer die Auffassung ihres Geistes und Sinnes, und dieser elastische Geist ist gerade dem jüd. Theologen um so nothwendiger, je entfernter sich bisher seine Wissenschaft von allem Exoterischen gehalten hat und je nöthiger es ist, schon in ästhetischer Hinsicht, sie von dem claffischen Geiste durchwehen zu lassen. Nur auf diese Weife wird er sie auf einen achtungswerthen Standpunkt bringen, da auch die christk. Theologie ihre feinere und wissenschaftlichere Bearbeitung nur dem in der Zeit der Reformation geweckten classischm Studium verdankt. Unerläßliches Erfor- 'derniß für den jüd. Theologen ist daher Bekanntschaft mit der griech. un5 lat. Grammatik, mit den Werken Plato's, Aristoteles, Herodot's, Cicero's, Seneka's und der griechischen und römischen Dichter und Historiker. 3) Auch das Studium der neuern Sprachen, vor allen ab« der deutschen, wägt zu dies« nothwcndigen allgemeinen Bildung bei. Wie höchst nützlich ist ihm die Bekanntschaft mit den Classikern d« Franzosen, Engländ« und Deutschen, wie wird das Studium ihr« Redner, Dicht« und Historik« auf wissenschaftliche und bürgerliche Bildung des Theologen vorcheilhaft influireu! In Hinsicht d« gottesdienstlichen Vor- | träge und Predigten ist.es aber unumgänglich nothwendig- | seine Muttersprache in der Gewalt zu haben, und ihre Kraft