Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 85 (17.10.1837)
- Date
- 1837-10-17
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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von 2,291,884 L. St., also ungefähr 15,661,890 Thaler betrage».! Die Gesellschaft hat allein 3,990,678 Bibeln ausgetheilt. Die > Vettheilung, der Druck und die Uebersetzung der heil. Schrift! theils ganz, theils in einzelnen Abschnittenist von der Gesellschaft j bewirkt worden: unmittelbar in 66 Sprachen, und mittelbar in 69. i Die Zahl der Uebersetzungcn, (die ungerechnet, welche nur mit verschiedenen Typen gedruckt werden,) beträgt 157. Unter diesen befinden sich 105 Ucbcrsctzungen, welche nie vorher gedruckt worden waren. Die Uebereinstimmung der griechischen Genealogie mit der biblischen hat man längst durch die Zusammenstellung des Sapetos mit ns' und des als dessen Sohn angegebenen (1 Mos. 10, 2.) 'jv' mit Jon ^beweisen wollen. — Ein neuerer Gelehrter sucht dies werter zu führen, indem er die beiden Brüder des Ion: Acolus und Dorus, den crstern in dem als Sohn des angegebenen (1 Mos. 10, 4) den letztem in dem (ebendas.) findet, was er D'rvj lesen will, da schon 1 ChronH, 7 und die I.LX andere Lesarten geben. So wären dann die drei Hauptstämme der Griechen hierin bezeichnet. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Wien.)"") Die vielfachen Correspondenzen und Berichte aus den verschiedensten Gegenden, welche die Ällg. Zeit. d. Jud. giebt, werden mit ganz besonderem Interesse gelesen. Es hat bis jetzt den israelitischen Glaubensgenossen an allen Mitteln und Wegen gefehlt, wodurch sie unter einander sich kennen lernen und ihrer bewußt würden. Die einzelnen Gemeinden waren ohne Verband, und die meisten Bestrebungen blieben in geräuschloser Nichtbeachtung. Der Erfolg dieser Correspondeazen wird gewiß der beste sein. Manche Gemeinde, manches Individuum wird durch diese Berichte sich angeregt, sich zur Nacheiferung bewogen fühlen. Von der andern Seite wird allen Freunden und Feinden Israels, allen denen, die den Gang der Menschheit und der Völker beachten, klar werden, daß Israel nicht so arm am Streben ist, als ihnen so manche Finsterlinge, getrieben von Haß oder Privat-Jnteresse, vorspicgcln möchten. Bon dieser Ansicht ausgehend, theile auch ich hier einige Bemerkungen mit, die sich nur an die anderer geehrter Ccrrespondenten reihen sollen. In No. 50 d. Zeit, findet sich ein Bericht aus Prag, vom Panorama des Universums entlehnt; wenn auch aus dem Ganzen die löblichen Gesinnungen des H. Prof. Müller hervorleuchten, so verschweigt er doch allzuviel, als daß, was er sagt, nicht bei Auswärtigen einen falschen Begriff von der Prager Gemeinde erwecken könnte, indem er nur die Schattenseite, wenn auch sehr schonend, berührt, und das Gemälde ganz ohne Licht läßt. Die meisten Bewohner, heißt es dort, nähren sich vom Kleinhandel. Zugegeben. Aber warum spricht er nicht von dem, wahrlichnicht unberrächtlichcn andern Theile der Gemeinde? Warum verschweigt er ganz und gar den Auffchwung, den die Industrie alldort durch die Juden gewonnen, und der erst in No. 61 d. Zeit, nach dem Journal des Dlfaats belobt worden? Sind nicht die Brüder Porges die ersten, die ihre Druckerei durch Dampfkraft betreiben, so daß sie sich des allerhöchsten Besuches des höchstseligen Kaisers Franz und unseres jetzt regierenden Kaisers zu erfteuen hatten? Wir zählen dort 10 Cottonfabriken, die ihr Etablissement zum Theil mir großen Opfern gegründet. Die Fabrik des A. B. Przibram, die seit 50 Jahren besteht, ist hinsichtlich der Qualität ihrer Fabrikate und ihres Absatzes, eine der ersten der Monarchie. L. Jerusalem giebt seinen Fabriken eine solche Einrichtung, daß sie zum Muster im ganzen Staat? dienen, indem sie in allen Branchen den Dampf theils als Wärme, theils als Kraft benutzen. Im *) Von einem andern Correjvondentt«, als No. 35. 61. und 72. Ganzen beschäftigen die jüdischen Fabriken Böhmens theils mittelbar, theils unmittelbar 15,000 Menschen von den ärmsten Klassen, und -es befinden sich unter diesen auch viele jüdische Coloristen, Graveurs und Zeichner; cs ist Thatsache, daß in dem verhängnißvollen Cholerajahre keine jüdische Fabrik ihre Leute entließ. Ferner finden wir in Prag von jüdischer Seite eine Bleicherei, eine Woll- und Baumwollspinnerei, eine Oel- und Fischbeinfabrik. Warum erwähnt Herr Prof. Müller nicht die Hunderte von Professionisten, indem es in Prag, wie in keiner Gemeinde, wohl organisirte Fleischer-, Schuster-, Schneider- und. Goldarbeiter-Zünfte giebt, deren Vereinigung mit den christlichen Zünften fteilich zu wünschen wäre, wohl aber, so lange der jüdische Meister zu kämpfen hat, wenn er außerhalb der Judenstadt wohnen will, nicht zu bewerkstelligen ist. Endlich hat Prag 20 jüdische Aerzte und 2 jüd. Doktoren der Rechte. — Es wäre sehr angemessen, wenn ein sachkundiger Mann eine statistische Uebersicht nicht'nur der Prager, sondern aller Böhmer Judengcmeinden in diesen Blättern liefern möchte, welche gewiß erfreuliche Resultate geben würde; da sehr viele Gemeinden schofi längst ihre wohlorganisirten Schulen, und promovirte Philosophen zu Rabbinen haben. Es wäre dies eine Aufgabe, die Herr M. I. Landau in Prag am Besten zu lösen vermöchte, da sein Name den besten Klang und seine Stellung als Vorsteher der Gemeinde viele Quellen zu Gebote hat. Ich kann die Bemerkungen Ihres Wiener Correspondenten in No: 72 nur bekräftigen. Der würdige Mannheimer wirkt durch seine vortrefflichen Reden, was sich nur wirken läßt; er wird nicht müde, den gar zu oft sich bekundenden Jndifferentismus zu bekämpfen. Schon giebt es Familien, die früher die' Bibel nur dem Namen nach kannten, und jetzt ihre Kinder im Hebräischen unterrichten lassen. Der vortreffliche Sulz er stimmt durch seinen ausgezeichneten Gesang Alles zur Andacht. Ein Seiner Jncidenzpunkt mag hier berührt werden. Die Vorsteher des Tempels stehen jetzt im Begriff, mit Sulzer einen Conttakt unter vortheilhaften Bedingungen abzuschlicßen, ihn zu verhindern, bisweilen, wie bisher geschehen, in P rivat-Cirkeln zu singen, was er übrigens nur nach dem Vorbilde christlicher Kirchensänger gethan. Run wird aber Jeder einsehcn, daß zwischen einem jüdischen Dorbeter und einem christlichen Kirchensänger insofern keine Parallele zu ziehen ist, als die christlichen Kirchensänger nicht zu der Geistlichkeit gehören, daher sic jedem andern Stande zugleich angehören können, und der eigentliche Gottesdienst nur von den Geistlichen verrichtet wird, während bei den Juden Rabbinen und Prediger nur zu lehren haben, der Sänger aber als im Namen der ganzen Gemeinde das Gebet selbst vorträgt, mithin das heiligste und geistlichste Amt in der Synagoge verrichtet. In dem Wunsche, Alles zu vermeiden, was sowohl der. Würde des Gotteshauses nicht ganz conform ist, als auch den Anhängern des alten Cultus zum Aergerniß gereichen könnte, haben. die Vorsteher des Tempels Sulzer vermocht, nicht mehr außerhalb des Tempels zu singen, wofür fie ihm einen genügenden Ersatz zugestehen werden. Bei meinem letzten Aufenthalte m Pesth habe ich mit wahrer Freude gesehen, wie die junge Gemeinde, (denn obwohl Pesth längst einige Tausende jüdischer Einwohner zählt, waren doch dieselben ein solches Aggregat aus allen Theilen der Monarchie, daß es erst seit Kurzem gelungen ist, ein Ganzes zu bilden), unter der trefflichen, allen Tendenzen genügenden Leitung des Rabbiner Schwab in religiöser und des Vorstehers I. L. Boscowitz in ökonomischer Hinsicht herrlich gedeiht. Letzterer führt sein Amt mit großer Aufopferung, und trifft die besten Einrichtungen. So hat er eine bedeutende Summe erspart, um ein israelitisches Spital zu gründen, und es steht nur noch von unserer hochherzigen, alles Gute fördernden Regierung zu ermatten, daß sie die Bewilligung zum Ankauf des Hauses erstatte. — Wer kann wohl demnach das Streben nach dem Besten und Höchsten, was menschlich ist, unter den Juden läugnen, und wächst in diesem Sinne unsere Jugend auf, können wir nicht die schönsten Erwartungen hegen? Und was wir hoffen, der Herr wird es gedeihen lassen. Redacteur: Dr. L. Philipps»». — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Ha«k.