Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 84 (14.10.1837)
- Date
- 1837-10-14
- Page
- Seite 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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385 freilich nicht gut anders, als durch mündlichen Unterricht der Gelehrten dieses Faches geschehen kann. Bei der mannigfaltigen Gestalt der jüdischen Liturgie in neuerer Zeit ist es ein schwieriges Geschäft, hierin einenfesten, angemessenen Standpunkt zu finden; Erfahrung und locale Verhältnisse müssen hier den Geistlichen leiten, und wenn irgendwo, so ist ihm hier Behutsamkeit zu empfehlen. Aber er muß auch mit den einzelnen Theilen des Gottesdienstes , bekannt sein, er muß den Inhalt der Tefilah, des Machafor, der Selichot u. dgl. genau kennen und die Geschichte der gottesdienstlichen Vorttäge und Gesänge (st Aunz die gottesdienstlichen Vorttäge der Juden) wohl studitt haben. Eben so muß er sich mitz dem Ceremoniale bei Trauungen, Begräbnissen, Scheidungen u. dgl. bekannt machen. Nur auf diese Weise wird es ihm, geleitet von praktischer Menschenkmntniß, Würdigung seiner Nation und im Bewußtsein reinen Sttebens, möglich werden, Mißbräuche nach und nach abzuschaffen und Reformen zu instituiren. (Schluß folgt.) Lese aramäischer Gnomen, Dr. 3* Fürst's »Perlenschnuren,« übersetzt von Df. Krafft in Ansbach. (Eingesandt von I. F.) (Fortsetzung.)' Kap. 1. 49. Wenn die Wasser in den Meeren lauter Tinte wären, und das Schilf am Meer gleich viele Federkiele, und die Himmel alle Pergamente, drauf man schreiben könnte, und wenn hätten schreibgelehrte Finger alle Menschen auf der Erde: würden sie zu schreiben doch nicht fertig Gottes Macht, .dke"2lllem gegenwärtig. 50. Vom Bösen kann nur Geduld und Zeit erlösen. 5t. Das göttliche Gesetz ergründet nur wen der Zorn nicht überwindet. 52. Es läßt der Herr, der droben wohnt, nichts unbestraft und unbelohnt. 53. Wird die Sonne aufsieigen, wird dein Leiden weichen. 54. Jeder ist sich selbst der Nächste. 55. Wehe den obern und untern Mächten, wenn sie beide nicht Opfer brächten. 56. Die Mühe ist verloren, die Argumente bringt von Thoren. 57. Die Herrschaft ist gar schlecht bestellt, die ihren eignen Herren fällt. 58. In der Todesstunde weilt kern Schmerz auf deinem Munde.. 59. Bei deinem Jagen und Eilen wird dir die Wissenschaft enteilen. 60. In Leiden kannst du nichts Bessers thun,. als dulden und ruh'n. 61. Die Flöte — dem Edlen ein süßer Ton; der Weber läuft vor ihr davon. 62. Der Arzt, der keinen Lohn begehrt, ist nicht viel werth. (Fortsetzung folge.) Literarischer Salon. (Fortsetzung.) In Breslau entspann sich neuerlich eine öffentliche Besprechung in den Zeitungen, über die Frage: ob eS zeitgemäß fei, den störenden Gebrauch des Richtfchreibens der jüdischen Kinder in den Gymnasien einzustellen. Ein Lehrer des Gymnasiums sprach sich aus Erfahrung und aus sehr wichtigen rationellen Gründen für die Einstellung des Nichtschreibens aus, der Rabbine Herr Tiktin aber aus orthodoxen Gründen dagegen. Diese Streitfrage gab nun Veranlassung zu der Preisaufgabe: rüber die Gesetze der Sabbatfeier überhaupt, mit besonderer Rücksicht auf ihre Anwendbarkeit für die Gegenwart.« Bei dieser Gelegenheit erfuhr mam, daß in Breslau 150 jüdische Knaben die Gymnasien be- Rovitäten. Die mosaischeSittenlehre zum Gebrauch beim Religionsunterrichte für Lehrer und Schüler, dargestellt von Dr. D. A. Francolm, erstem (jüdisch.) Jnspector und Oberlehrer : der königl. Wilhelmsschule zu Breslau. Zweite unveränderte Ausl, j Breslau, (1837. 8.) XVI und 361 S. Es ist sonderbar, daß die Jahrzahl auf dem Titelblatte fehlt; der Verfasser scheint sein Buch für die Ewigkeit bestimmt zu haben. — Lese für die Wissenschaft des Judenthums auf dem Gebiete der Lektüre christlich-theologischer Schriften. 1) Ueber die biblische Vorstellung vom Paradiese von Di-. Credner, in Ilgens Zeitschrift für die historische Theologie D. 6. H. 2. S. 145 —194. — 2) Ueber das Buch Jona von Dr. Böhme (das. H. 3. S. 195—230). — 3)Bemerkungen zu Nah um von vr. Süskind in den »Studien und Kritiken« 1835. S.149—157.— 4) Beiträge zu den kritischen Untersuchungen über den Pentateuch, die Bücher Josua und Richter (das. 461—477) von Prof. Stählein. -— 5) Archäologisch - biblische Beobachtungen, und zwar erstens über üp—na (das. 634— 647); zweitens: die symbolische Handlung Hosea's (647 — 656); drittens: die Proselyten der Juden (681 — 700). — 6) Blicke in die atttestamentliche Offenbarung. Entwickelung des im A. T. geschichtlich Vorliegenden, als Beittag zur Sicherung eines wahrheitgemäßen Uttheils über die Richtigkeit der Stellung, welche die neueste Spekulation dem Judenthum zuweist, von Dr. Steudel in der »Tübinger Zeitschrift für Theologie,« 1835. S. 112 —171; und die Fortsetzung, im zweiten Hefte 138 — 174. — Ueber moderne Poetik schrieb in neuerer Zeit der schon oft erwähnte Chananja Cohen aus Reggio zwei Werkchen, worin ec gegen jede versmaßliche Beschränkung eifert. Das Eine heißt das andere, eben so wie das erste gut ' stilisirt, heißt NDNN; beide werden von italienischen Gelehr- ) ten sehr geschätzt! —; Die Collegien der Rabbinen (Bet Midraschim), von welchen! in den Slavenländern fast jede bedeutsame Gemeinde Eins hatte, i konnten, bei einte gesteigerten Rabbinenbildung, herrliche Pflanzstätten für die reifende wißbegierige Jugend werden; aber der unheimliche, ftostige Hauch des Jndifferentismus hat sie aus den germanischen Ländern angcweht, und es wird bald keine Spur von Midraschen dott mehr sein. Der Verlust dieser Anstalten erscheint um so bedauerlicher, als in der Regel mit einem M i d rasch