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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-12 · Heft 83 (12.10.1837) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 83 (12.10.1837)
Date
1837-10-12
Page
Seite 331 (sequence 3)
Language
German
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331 Nicht weit von der Küste stehen einzelne Häuser, feit Zähren bewohnt von Familien, welche, aus fernen Landen angekommen, die friedfamen Einwohner unter sich gern duldeten. Die fremden Männer unterwiesen den Landmann in mancher Wissenschaft, die er früher nicht kannte, so daß sich seine Hecrden vermehren und die Felder doppelten Ertrag bringen. Es war eine Gemeinde der spanischen Israeliten, die sich hier angesiedelt harte. Vor allen zog die Aufmerksamkeit auf sich der, den die Gemeinde selbst als den Vornehmsten verehrte, der Mann, vielerfahren im Gesetze und in virlerprobter Lebensweisheit, der Abkömmling David's, aus dem Hause Bethlehem, vertrieben von Portugal nach Spanien, von Spanien nach Neapel, von da nach Messina, von Messina nach Corfu — Don Jfaak Abarbanel. Aber das Haar des Scheitels war grau geworden, die hohe Gestalt fing an unter der Last des Lebens sich zu beugen, denn er konnte sagen, wie sein großer Ahnherr über Israel sang: Sie haben mich gedrängt von meiner Jugend auf, Doch überwältigt haben sic mich nicht. Auf meinem Rücken haben sie gepflügt. Und ihre Furchen lang gezogen- Und die treue Gefährtin der Verbannung, Dinah, stand ihm noch immer zur Seite. Aum dritten Male übte sie kindliche Pflicht und erfüllte das schöne Gebot des Gesetzes. Der Sturm der Leidenschaft war aus' der keuschen Brust gewichen, sie hatte ihn überstanden. Was sie Thcurcs und Liebes gehabt hatte, verbarg der Schooß der Erde, die Mutter am Ufer des Rheines, den Vater unter den Orangen am Zccml, Arama an den Serpentinsteinbrüchen, den Geliebten an des Taro's blutigem Gefilde. Einmal hat das Herz ausgerungen, und hat es mit Gott gerungen, und hat es mit Gott überstanden, so ruhet cs auch in Gott und im Frieden Jchovah's. Dom Anbruch des Tages, wann die Sonne ihren ersten Strahl von Jonien's Küste in's fteundliche Gemach warf bis zur stillen Dammerungssiunde, lebte sie dem verbannten Weisen. Dann hauchte sie die Gefühle des Andenkens in zatten Gesängen aus auf dem Rasen unter Cytisusgestrauchcrfi und andächtig, lauschte Abarbanel den weichen Tönen. Oft auch am Tage, wenn er vom Nachdenken über sein Schicksal und vom Forschen im Wotte des Herrn ermüdet war, war es Dinah's herrliches Saitenspicl, das ihn erquickte und wenn die Weissagungendes prophetischen Adlers Israels, Jesaia's ben Amoz, das großmüthige Herz bis zur Begeisterung entflammt hatten, so führte ihn das castilische Lied in das Land seiner Jugend zurück, oder der Klaggesang der ftühern Dichter seiner Nation über den Untergang Zion's lockten Thranen in ihm hervor. So schauere der verbannte Maranno nach Osten und nach Westen, dort vertrieben, hier verrieben, . dort Ruinen seines Tempels auf Palastina's Boden, hier Trümmer seines häuslichen Glückes in Jberien's Thälern. »Wer giebt mir die Flügel der Taube, Daß ich fliege und vom Kummer ausruhe!« Später Sabbathsabend war heute in Abarbanel's Hause, Sabbarhsruhe im Gemache, Sabbathsruhe im Gemürhe. Er schlummerte im Divan, in festlichem Kleide saß Dinah neben ihm auf einem Tabouret und stützte ihr Haupt in der Hand. Da klopfte cs leise, und hereinttat im Pilgersgewand ein Mann in der Mitte des Lebens. Er schauere im Zimmer umher und erkannte Dinah, und weinte laut, als er den schlummernden Greis erblickte. Da bedeckte er sein Gesicht mit seinen Händen. In dem Augenblick erwachte Abarbanel. Ec richtete sich auf und maß mit seinem .Blick den Fremdling. »Wer seid Ihr, fremder Mann, und was ist Euer Begehr?« fragte er verwundett. Da stürzet der Fremde hervor. »Ich bin Euer Sohn, Euer Jehudah. Vater, kennt Ihr die Stimme Eures Kindes nicht mehr?« Der Vater breitet die Arme entgegen und der Sohn liegt am ftommen Herzen. Thranen, Thränen der Wehmurh und der Freude fließen lange, lange. Dinah war auf die Knice gesunken und betete. Gelobt sei mein Herr, der die Gefangenen befreiet, die Gefesselten erlöset und die Demuth auftichtet. Ihm ist die Größe, die Macht und die Hewlichkeit, immerdar! Dr. med. P. Philippson. Miszellen. Unter den Künstlern, welche vor Kurzem die Berliner Akademie der schönen Künste zu Mitgliedern erwählt hat, sind zwei von jüdischer Abstammung. — Das Journal des Debats vom 28 Aug. erzählt: Gestern Morgen war im Justizpalaste ein israelitisches Paar anwesend, Joseph Abraham, von 102 Jahren, und dessen Frau Rahel Abraham von 96 Jahrm, die über ihren Sohn, Isaak Joseph Abraham, von 80 Jahren, klagten, daß er ihnen das tägliche Brod versage. Der Sohn, dem der Richter die Kürze des menschlichen Lebens und das fünfte Gebot, in's Gedächtniß rief, wurde veructhciltseinen Eltern 80 Fr. monatlich zu zahlen. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Gros-Glogau.)Jch ersuche Sie, Herr Redacreur, folgende Zeilen gefälligst in die Allg. Zeit. d. Judenrh. cinzurückcn. — Während diese Zeitung von vielen Seiten recht erfreuliche Nachrichten über den Sinn und das Streben nach Besserem in Israel

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