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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-12 · Heft 83 (12.10.1837) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 83 (12.10.1837)
Date
1837-10-12
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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332 mittheilt, während wir mit der größten Freude die herrlichen Früchte betrachten, die bcrcirs an unscrm Weinberge des Herrn prangen, ficht es hier leider', noch sehr düster aus, und es dürfte bei dem hier allgemein herrschenden Geiste des Jndifferentismus der Zeitpunkt noch fern sein, wo unser Gemeindcwesen eine ihm nothwendige, wohlthätige Reform erfahren wird. — Freilich sind hier und da Einzelne, Männer von Geist und Herz, die eine solche schnlichst wünschen, und die sich auch gern zu Opfern verstehen würden, um diese thätig zu unterstützen, aber »nicht das Häuflein sättigt den Löwen,« sagen die Talmudisten. Es fehlt der hiesigen Gemeinde keineswegs an Mitteln, das Gute zu fördern, aber es fehlt an Gemeinsinn. Wir haben weder Rabbiner, noch Prediger, noch Vorsänger, Alles geht^ wie es will: die Herzen sind ohne Willen, die Gemeinde-Caflen ohne Geld, da die jährliche Beisteuer nur von äußerst wenigen Mitgliedern entrichtet wird; kurz es herrscht hier die vollkommenste Anarchie, da von der alten TÖTip nur — die Mißbräuche übrig geblieben. Wir haben hier 'viele tüchtige Individuen, deren wissenschaftliche Bildung zum Theil der früheren, zum Theil unserer Zeit angehört. Besondere rühmliche Erwähnung verdienen die Herren Arnheim und Oppler, ersterer der gelehrten Welt durch mehrere philologische Arbeiten bekannt, letzterer vereinigt talmudisches und profanes Wissen in sehr hohem Grade'in sich, jedoch sind beide hier leider', nicht an ihrem Platze.-Ich wünsche Nichts so sehnlich, als daß uns ch, freundlicheres Schicksal lächeln, und die Umstände sich so gestalten möchten, daß ich Ihnen künftig statt dieser traurigen Nachrichten nur frohe mittheilen könnte. C. (Abyssinische Juden.) Die Herren Moritz Tamisier und Edmund'Co mb es haben in den Jahren 1835 und 1836 eine Reise, durch Abyssinien gemacht. Unter Andcrm wurden sie in der Stadt Go »dar bei einem Richter israelitischer Religion, bei Liki-Atsko, den schon Herr Rüppel den einzigen ehrlichen Mann in Abyssinien nennt, einquartierr. Er wies ihnen ein niedliches Haus inmitten eines mit Sabinen und Olivenbäumen bepflanzten Hofes an, und da er sich seiner Gelehrsamkeit rühmt, zeigte er ihnen seine Bibliothek, die fast aus lauter aus dem Arabischen oder Indischen übersetzten Werken besteht. — Im Allgemeinen sagen sie in ihrem Berichte, daß die Juden nach Abyssinien zur Zeit des Propheten Mohammed gekommen, als dieser seine göttliche Sendung mit deu Waffen zur Anerkennung bringen wollte. Damals flüchtete eine Menge Juden, die dem Gesetze Mosis nicht entsagen wollten, nach dem toleranten Abyssinien, wo sie bis heute sich erhalten haben. . (Karaiten.) Der Herz. v. Ragusa in seinen Rcisebemerkungcn über Südrußland spricht sich über das in einer Anmerkung zu No. 9. dieser Zeit, schon angeführte, in der Krimm, eine Stunde von der Tartarenstadt Bachiserai liegende karaitische Judendorf Tschonfoutkale, folgendermaßen aus. »Es liegt auf dem Gipfel des Berges, auf einer so glühenden und unfruchtbaren Stelle, daß man meinen sollte, nur zur Strafe könnten Menschen dort wohnen. Dennoch ist es aus Wahl, daß Menschen von einer jüdischen Secte, deren Trennung vom Hauptvolk bis zur Zeit vor der Stiftung der christl. Religion *) hinaufrcicht, sich hier niedergelassen haben. Fast alle zu dieser Seite gehörige Juden wohnen in der Krimm, die meisten in Kosloff**), einige wenige in Constantinopel und Jerusalem. Sie heißen Karaiten, glauben nicht an den Talmud, und haben vermuthlich anfangs sich ihrer Sicherheit wegen hierher begeben. Wir gingen in die Synagoge und sahen schöne Gelichter, und Ruhe und Würde in der Haltung.« (August Lewald.) Aug. Lewald richtet ein sehr schönes Schreiben im »Echo« Lief. A) an Mcicrbeer über die Aufführung der Hugenotten dieses Componistcn in Baden. In demselben macht er die Bemerkung: »Gott bewahre uns davor, daß irgend einer unserer kritischen Eiferer den Don Juan ein deutsches Werk nennen hörte, er würde sogleich den Bannstrahl darnach schleudern, über Unmoral und Schlüpfrigkeiten selbst in der Musik schreien, und Mozart unbedingt dem jungen Deutschland beigesellen. Wir hätten dann wieder ein Votum über das andere, und die ganze Litanei der säubern Clique auszustehen; und am Ende würde vielleicht von irgend einem verschrobenen Kopfe aus Mozart's ehrlichem Namen seine jüdische Abkunft herausbuchstabirr, und wie er eigentlich Moses geheißen.« Diese Bemerkung hat einen liefern Sinn; sie deutet darauf hin, wie inan vor einiger Zeit absolut das junge Deutschland aus Judenköpfcn entspringen lassen wollte, eine Behauptung, der Joel Jacoby sich jetzt mühet das Gegcnpgrt zu halten; und auf den Umstand, der Mcyerbcer immer noch nicht in.die Gunst des deutschen Publikums bringen will, seine — jüdische Religion und Abstammung. (Allgemeiner Anzeiger.) In No. 240 klagt und bittet »ein Jude,« nachdem er dem A. A. ungeheure Lobsprüche gemacht, es möchte ihm doch vergönnt sein, im A. A. bisweilen die Angriffe gegen die Juden im A. A. zu widerlegen. Der A. A. lächelt huldvoll, und steckt die Lobsprüche in die Tasche. Mag's sein. Da aber die Lanzen des A. A. immer sehr stumpf sind, so braucht das Schild auch nur ein hölzernes zu sein; und wenn nur nicht das Geklapper zu arg wird, daß man Kopfweh bekömmt, kann man die Kinder immerhin spielen lassen. *) Sfr nicht geschichtlich genau, da diese Trennung der Karar'tcv erst 750 na(6 der Stiftung der christl. Rel. vor stch ging. D. Redacr. ) Kosloff ist nicht ganz richtig; es ist Eupatoria gemeint und das heißt Kos law, wobingege« Kos law im Tambonfer Gouvernement am lesnoi Woronesth liegt. D. Redacr. Bemerkungen. Der Verfasser des Gedichtes: »Der Jude auf dem Feste' Gutenbergs,« das wir in No. 64. aus dem »Phönip« gegeben, hat uns ersucht, zu bemerkm, daß an beiden Orten in der letzten Zeile des Gedichtes »Kreise« anstatt »Kampfe« zu leftn ist. Wir nehmen hier Gelegenheit, zu bemerken, daß in der Ode am 9. Ab No. 55. Seite 219. Spaltei. Zeile 31 v. unten »Wuth ergriffen« statt »Wuchergriffen«, und Zeile 17 v. u. »zogen« statt »gegen« zu lesen ist. — Ebenso in in No. 61. S. 243. .Spalte 2. Z. 10 v. o. »Deutschthümelei« anstatt »Deutschchümcrei,« Z. 25 v. o. »Höherstellung« anstatt »Höhenstellung,« Z. 6 v. unten »Anrecht« anstatt »Unrecht;« in No. 81. lies 7. Ottober statt 8. Oktober. Ferner für Hcrm j — z, daß Sendung angelangt und Fortsetzung gewünscht wird. Mögen die Herren Correspondenten und Einsender, wenn nicht immer auf jede Sendung sogleich Antwort erfolgt, dies nicht für Vernachlässigung ansehcn, da die ungemein überhäufte Arbeit, welche die Redaction dieser Zeitung verursacht, dies nicht durchfuhren laßt. ' - Auch können die Herren Autoren und Buchhändler, welche ihre Werke zur Beuttheilung einsenden, derselben gewiß sein, sobald sie dieselben nicht zurückerhalten. Die SHebactüra. Redacteur: Or. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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