Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 83 (12.10.1837)
- Date
- 1837-10-12
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224822--00555-3298870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Capua 1× ep/1047865
OCR text
Der ungewohnte Ansrand in seiner Spaltung, die frühe hohe Stirn, der scharfe Blick der Augen flößten Achtung ein. Und; neben ihm stand ein Mädchen blaffen Angesichtes, aber in ' ungetrübter Schönheit strahlend. Es war Don Isaak Abarbanel und seine Pflegetochter Din ah. »Verlanget Ihr Haus und Schatze, Freunde,« redete er die Soldaten an, rhicr sind sie.« Bei diesen Worten ergriff er Dinakss Hand und trat auf die Straße. Der Haufe stutzte anfangs, aber bald wurde seine Freude überlaut und jubelnd zogm sie ein in die Gemächer des Hauses. Abarbanel hatte die mit dem Barbarcskcnschiffe nach-Italien gekommene Dinah in sein Haus zu Neapel ausgenommen. Hier hatte das mitleidige Herz Königs Ferdinand von Neapel den flüchtigen Marannen eine Zuflucht gewahrt, die herrliche Parthenope nahm die Vertriebenen gastfrei auf, und am Fuße des Vffuves fanden sich Tausende ein von den Ufern des Tejo und Guadalquivir. Ja selbst zu Ansehen war der seltene Manu wieder am Hofe des Königs von Neapel gelangt und benutzte dies, wie vordem, zum Heile seiner unglücklichen Glaubensbrüder. Aber das Alter nahete sich und keine Nachricht vom geliebten Sohne. Tröstend stand ihm Dinah zur Seite. Sie erheiterte die einsamen Stunden durch ihren ttefflich gebildeten Geist, sie sühne sein thatenvollcs Leben vor ihm vorüber und suchte alle Momente hervor, die das Henliche und Edle seines Strebens bekundttcn. Aber ihr eigenes Her; war gebrochen. Nur einmal blühet die Liebeim Weibe und wird der befruchtende Himmelsthau fiufs ganze Leben, wehe, wenn dann der äußere Sturm die zarte Pflanze zerstöret. Dann waltet wohl der Lebenskeim weiter, aber er bringt nur Laub und Blatter, keine Blüthen. Jetzt waten beide aus dem Ghetto. Da nahet sich der Zug des Königs, von Großen und Rittern gefolget. Und einer unter ihnen, hervorragend an Gestalt und Schönheit, hebt das Auge auf und sicht auf das seitwärts wogende Volksgedränge; da ttifft sein Auge die jüdische Jungfrau und ihr Blick begegnet dem sinnigen. Ein Purpur überziehet seine Wange; sie aber wird bleich und lehnt sich an ihren Begleiter. Noch lange schauer er zurück. Dinah bittet Abarbanel: »Laßt uns eilen, Later, wir köimten Gefahr laufen.« So eilen sie zum Mceresrande und eine Hütte Portici's nimmt sie auf. Kein Schlummer trifft das Auge des Mädchens, ihre Thrancn rinnen, sic kämpft den Kampf der Liebe noch einmal. Und als die Sonne aus dem Meere auftaucht, als* sie den Rauch des Kraters vergoldet, als ströme ein sanftes Opferfeuer aus dem Gipfel des Berges, und in der Citronenbäume Zweigen der Gesang der Vögel ertönet, da knieet sie nieder vor der Hütte und betet zu Jehovah, dem Vater der Liebe: Von der Ferne nahet iudcß ein Ritter, cs ist der Ritter vom gestrigen Tage, der tapfere Feldherr Königs Karl, dw 'Capua bezwungen und die Aragonesen geschlagen, es ist Don Fernando Alonzo. Sie sichet auf und er steht vor ihr. »Dinah, erkennst du mich?« rufet er laut. In dem Augenblick tritt Abarbanel aus der Hütte, sie eilt und umschlingt den Hals des Vaters. »Don Alonzo,« spricht sie schluchzend, »unsere Lebenswege sind geschieden, hier, nur an dieser Stelle ist meine Heimath, ist meine Liebe. O fliehet, fliehet, folget dem Ruhme, folget dem Glücke, lasset den Marannen den Kummer und die Liebe.« »Dinah, ich war dir tteu, ich dachte deiner im Sturme der Schlacht, in der Stunde der Gefahr, am Tage des Glückes. Ach, noch einen Blick, noch einen Händedruck, und ich will gern scheiden.« . Sie. reichte ihm die Hand. Wie Thaupcrlen auf Saron's Lilien rollten Thränen auf den bleichen Wangen. Noch einmal sah sie ihn an mit der Zärtlichkeit unaussprechlicher Liebe, dann verbarg sie ihr Gesicht an der Brust Abarbanels. Der Ritter eilte davon. Noch denselben Abend konnte Abarbanel wieder in seinem Hause zu Neapel übernachten und war im Besitz seiner Habe. Wachm umstanden das Haus und verhüteten jede Gewaltthat. Er aber zog es vor, seinem vcrttiebenen Könige nach Sicilim zu folgm, wohin ihn Dinah begleitete. König Alfons" ging in ein Kloster. Zu Messina'hotten sie die Nachricht vom Rückzug der Franzosen. Am Taro bei Formuovo kam es zur blutigen Schlacht. Alonzo suchte den Tod und fand ihn. 33. Im Archipel des jonischen Meeres liegt die Insel Corsu. — Der Frühling hatte begonnen und zahlreiche Schwärme von Störchen und Schwalben kündeten ihn an, Lawinen rollten von den Wänden der Gebirge herab und der schmelzende Schnee. schwellte die- Waldströme an. Die Ufer der Bache bedeckten sich mit Blumen, der Oleander entfaltete sein zierliches Laub, und majestätisch erhob sich die Lilie an der klar fließenden Quelle. So hallten auch die Wälder von melodischen Tönen wieder, Acacie, Geisklee und Rosen hauchten balsamische Düfte aus. Die Biene verläßt die Höhle der Eiche, wo sie ihren Honig heimlich niedergelegt hat, um mit der Morgenröthe den Saft ftischer Blumen zu saugen und den Terpentinbaum, die Platane und den Feigenbaum zu umschwarmen. Die Küstenbewohner besserten ihre Netze aus und setzten ihre Fischerboote in Stand, und der Landmann entließ feine Heerden, um sie unter Jasmin und Hollunder in den von der Euphorbia, Mynhe und Absinthe aromatisch duftenden Wiesen zu 'weiden. —