Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 83 (12.10.1837)
- Date
- 1837-10-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i. Zchrg°ng. ALLgemeine Ro. 83. Zeitung des Zndenthums. Ein unparthensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. SächsisSer allergnädigstrr Corccssioo.) Leipzig, den 12. OcLober 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Frankfurt a. d. O., 18. Scpt. Obgleich wir schon in No. 76. über die Leistungen des Herrn Weintraub aus Dubno berichtet, fo enthalten wir doch, wegen der befondern Tendenz, unfern Lesern folgenden uns eingesandten Artikel aus dem Frankfurter (a. d. O.) Telegraphen nicht vor: »Auch in unserer Synagoge hat Herr Canror Hirsch Weintraube aus Dubno (in Rußland), dem aus Lemberg und Breslau ein sehr günstiger Ruf voranging, Proben seines eminenten musikalischen Talents abgelegt, die auf unsere Gemeinde einen sehr erfreulichen Eindruck machten. Am 8len Abends, vor'm Eintritt der Sabbathfeicr, leitete er mit seinem wohlstimmigen Choc unter Begleitung von Instrumentalmusik -den Gottesdienst ein, wobei er eine, von seinen jüdischen Landsleuten unerreichte, künstlerische Fertigkeit auf der Violine zeigte, die alle Hörer mit Entzücken-und Bewunderung erfüllte. Mit seltener Gewandtheit und ungemeiner Sicherheit des Vortrages entlockte er seinem Instrumente elegische Tone heiligen Schmerzes, die das Herz mit einer Art süßen Wehs und freudigen Schauers tief ergriffen. Der Morgcngottesdienst am folgenden Tage zeichnete sich vornehmlich durch den, in der Synagoge noch seltenen, regelmäßigen Choral aus, und namentlich waren es das Ein- und Aushcbcn der heiligen Thora, wo bei letzterem der 29ste Psalm abgesungen wird, und die Keduschoht, wo der Choral, aus lauter sich langsam fortbcwegcuden Hauptnotcn bestehend, den Charakter des Ernstes und der einfachen Würde hatte, und das Herz zu wahrer Andacht und frommen Empfindungen feierlich stimmte. Die Liturgie, welche durch siereotypische, nun großentheils veraltete, Melodieen von ihrer alten Würde verlor, gewann durch diese zeitgemäße Umbildung an Freundlichkeit und erhcbmder Kraft. Das Ensemble bot eine der angenehmsten Erscheinungen dar, welche für dm, für die äußerliche Veredlung des Gottesdienstes und Erhebung der Andachtsseier sich interessirenden Menschenftmnd noch die erfreuliche Perspective hat, daß dergleichen, aus fernem Lande zu uns herüber kommmde gute Beispiele anregend und aufmunternd wirken, und mdlich dm Wunsch und dm Eifer zur Einführung wohlgeordneten Gesanges und feierlicher Ordnungsfolge der Gebete in die Synagoge zur Belebung und Erhebung des Gottesdienstes unter den Jftaelitm wecken werden. Der sehr religiöse und sittliche Charakter des jungen Künstlers, wie auch dessen Fleiß _und ernstliches Bemühen nach immer größerer Vervollkommnung, haben sich aller Ortm höchst empfehlend dargestellt. und wir wünschen von Herzen, daß ihm überall gastliche Aufnahme und ftmndliche Anerkennung werden möge. Posen, 25. Sept. (Privatmitthcilung.) Unser Rabbiner Akibah Eger ist sehr krank, so daß man an'seinem Aufkommen gänzlich ^zweifelt. Diese Nachricht wird intcrcssiren, da er eben sowohl eine ungehmre Autorität, besonders im östlichen Polen, in Rußland und Gallizien, besitzt, als auch dem allgemeinen Publikum durch ftühere Vorgänge und aus der Zeit der Cholera bekannt gewordm. Aus jeden Fall wird sein Tod einen großen Einfluß auf die hiesige Gemeinde ausüben, und so mancherlei Verschiedenheit der Ansichten, wie . sie der neueren Zeit entfließm, zum Vorschein bringen. Gott gebe, daß Alles eine zweck - und zeitgemäße Richtung nehme. «Selletriffcif. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzchcnd des fünfzehnten Jahrhunderts.* (S ch luß.) 32. Es war am 21. Februar des Jahres 1495, als das! Heer des achten Karls von Frankreich in Neapolis srincn Einzug hielt, dmn dieser war im Kriege mit König Alfons von Neapel und verttieb ihn aus seiner Hauptstadt. Im Schmucke eines griechischen Kaisers zog der französische König ein, geschlagen waren die aragonesischen Truppen vor der Stadt, demüthig brachten die feigen Neapolitaner die Schlüssel dem fremden Monarchen. Auf den Sttaßen entstand alsbald ein fürchterliches Gewühl. Die Franzosen drangen in die Hauset' und plünderten, und kein Wort der Feldherren und Machthaber konnte ihren Uebermuth bändigen. Vor Allem war der Ghetto ihrer Plünderungssucht ausgesetzt, hierhin strömte der trunkene Soldat und kehrte belastet mit den Habseligseiten der Juden zurück. Vor. einem Hause des Ghetto, das sich durch die. Nettigkeit seines Aeußern vor den andern schmuzigen Höhlen des Elmds auszeichnete, hatte sich besonders ein gieriger Haufe gesammelt. Mit dem Pöbel im Bundedrängten ^die Krieger in die offene Pforte. Da kam ihnen die edle Gestalt eines Mannes entgegen.