Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 81 (6.10.1837)
- Date
- 1837-10-06
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 '— Im Dunkel erhellt des Verstandes Feucrsäule ihre Pfade, — über ihnen steht die Wolke der Demuth und Gnade, — und vor ihnen her ziehet der Gerechtigkeit Lade. — Laßt ihrer Herrlichkeit Wolke sich nieder, — so weilen die Lieder — an jenem Ort; — und steigt sie auf, so ziehen sie fort. — Ihre Gedanken sind schwanger — und es kommt sie kein langer — Geburtsschmcrz an, — und sie gebären, ehe die Ammen nahn. — Ihre Kinder sind ein Schönheit- und Tugendfchatz, — ihr Herz des Gesetzes Lagerplatz — der Verstand zieht auf ihrem Munde hin und her, — und ehe man ruft, antwortet er. — Ihre Klänge voll Lieblichkeit, — ihre Gesänge voll Kunst gereiht, — überschwenglich ihre Mildthätigkeit, — und ihre Zunge, wie ein gezücktes Schwert bereit. — Aus ihrer Gedanken Glanz fahren Strahlen dahin, — aus ihrer Worte Funken sieht man Blitze sprühn, — ihres Brandes Glut kann Herzen- und A u g e n rhore durchdringen, — und mit Zaubertönen bezwingen, — die den Flammen entspringen, — bald Feind erlegend, — bald Lieb' erregend, — immer die Seel' erquickend, — immer das Herz entzückend. Bei diesen Männern weilte — ein Jüngling, der des Wissens Höhn entgegcneilte — und dessen Blürhe — an des Glaubens Bächen blühte. — Die Helden zittern bei seiner Stimm' Erheben — und die Riesen beben. — Die Sonne blickt neidisch nach seinem Lichte, — die Schönheit lagert auf seinem Gesichte, — und durch seinen Schrecken macht er der Löwen.Herz zunichte. — Die Weisheit flüchtet unter seine Hut, — und was er thut, das kleidet ihn gut, — ob 'er schlürft des Bechers Blut, — oder Schrecken sein Mund aussprudelt mit kühnem Muth. — Sitzt er beim Weingelage, — so sich'st du an ihm die Wonne deiner Tage; — mit Saitenspiel liefert er den Gram der Freude aus, und wandelt das Trauerin ein Jubelhaus. — Hörst du Gesang ihn erheben,-so müssen die Tobten wieder leben — und die Felsen beben. — Tritt er auf als gelehtter Streiter, — so ist er ein Schreckenvcrbreiter, — und' beraubt der Gelahrtheit 'Helden ihrer prunkenden Kleider. — Sein Eigenthum — ist ew'ger Ruhm — und Alle preisen sie ihn darum. — Das Herz, es sagt, dem Mund, der ftagt: Wer ist, der kosten will das Leben'! Hier ist der Held, der hält das Feld, Er lehret uns den Weg des Lebens. Das Herz, das bangt, und Licht verlangt Er tränkt es mit der Flut des Lebens. Den Feind entrafft des Helden Kraft; Doch wer ihm naht, freut sich des Lebens. Wer ihn erblickt, der ist entzückt. Denn ihm entströmt ein Quell des Lebens, Es stch'n im Bund mit seinem Mund Des Todes Schmerz und Scherz des Lebens; Die Flamme des gezückten Schwerts Als Schutz dem Weg zum Baum des Lebens Und er begann — und redete die Umstehenden an: — Zu Euch, ihr Männer, will ich mich kehren und sprechen, — die der Gegner Gewalt abwehrcn und brechen. — Kennt ihr das arabische Werk des Vaters von so viel köstlichen Geschichten— und allerliebsten Gedichten, — das al Hariri? Habt ihr euern Sinn ihm zugewendet? — Hat er euch seiner Wotte Honig gespendet? — Denn Keiner vermag auch seine Nachhinkenden einzuholen, — und Keiner erreicht in seinem Laufe den Staub feiner, Söhlen. — Seine Sprüche, wie ttefflich, — seine Verse, wie unübettrefflich! — Schatten Edens seine Schatten, — seiner Worte Thau, Thau der Matten, — der jeden, auf den er niederfleußt, — mit Manna speist. — Doch hatte der Dichter sein Werk nicht in arabischer Sprache geschrieben, — es wäre weit hinter dem seinen zurückgeblieben, — ein ärmliches Geschnitzel, — ein erbärmliches Gewitzel, — saftlos — und kraftlos, — und Schwulst und Flechten und Flecken — würden es ganz bedecken. — Denn keine Sprache auf dem Erdreich, — ist der arabischen Sprache gleich, — in der Worte Flüssigkeit; — lieblich und feist — schmeichelt sie sich jedem Hörer ein; — vom Feuer hat sie das Leben empfahn, — und ist weiter, dmn der Ocean. — (Fortsetzung folgt.) Literarischer Salon. (Fortsetzung.) Unter der Auffchrift: »Jüdische Theologie« sind zwei sehr gelehrte und ausführliche Rezensionen in Tyoluck's »Literarischem Anzeiger« von vr. Delitzsch erschienen, welche Plcßner's Belehrungen und Erbauungen und Dr. Zunz's Namen der Juden würdig besprechen; sie befinden sich No. lg — 21. — Eine lesenswerthe Schrift: C. Rossignol, De la Religion d'apres de« documens anterieurs ä Molise. Lyon, 1837. 8. 8. 256. Das erc.getisch e Trifolium. Der jüdische Gelehrte Bär Blumenfeld in Brody hat einen hebräisch abgefaßren Iob- Commentar, begleitet von einer deutschen Uebersctzunz des Gedichtes, herausgcgeben, und da er in den Prolcgomenen die späte Abfasiungszeit dieses Buches zu beweisen suchte, so entspann sich zwischen ihm und Luzzatto ein Streit, der aber nur von dogmatischem Interesse ist. Nach diesem erschien ein hebräischer Commentar über das Buch Job in Lemberg, 1833, von Rabbi Simcha. Dieser Rabbi hatte schon 1620 einen kurzen Commentar über Job herausgegeben, so daß dieser als eine zweite trefflich umgearbeitete Auflage zu betrachten ist. In deutscher Sprache folgte jenen: Das Buch Job, übersetzt und vollständig commentirt von H. Arnheim (Glogau, 1836. 8. 254 S.), welcher die vorgenannten Auslegungen nicht benutzt zu haben scheint. HerrArnheim ist gegenwärtig jüdischer Oberlehrer in Glogau, und Hauptarbeiter an dem Bibelwerk, welches unter Zunz's Leitung erscheint; es wäre zu wünschen, daß er künftig seine Bestrebung für jüdische Literatur mehr bethatigen möchte. — Wichtige Werke über und gegen die Chasidäer: 1) N-I21 182, das älteste, welches man in dieser Beziehung besitzt," jedoch ohne Benutzung der chasidäischen Literatur, und ohne Spezialitäten in den eingestreueten Erzählungen abgefaßt. 2) ->L2 22m rm2^is, von einem noch lebenden sehr gelehrten östrcichischen Juden; da aber der Abfasser den Stammsitz der Chasidäer, die Ukraine, nicht aufgesucht hat, so ermangelt seinem Werke die geschichtliche Treue. 3) n'rac, von einem hochstehenden und ausgezeichneten Gelehrten, der'sämmtliche. Wohnsitze der Chasidim bereiste, um geschichtliche Wahrheit erzielen; und diese eigene Anschauung hat auch Einfluß auf seinen Stil geübt, denn derselbe ist lebendig und von Witz und Laune durch- Jn der Universal-Kirchenzeitung No.60 — 62 gibt ein Candidat der jüd. Theologie, Seligmann, einen Aussatz: über die neuere religiöse Poesie der Juden, worin dem Publikum das Epos Shir Tiferet, von Nastali Wessely, die epische Dichtung Nir David, von Salom Cohen, das Liederbuch