Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 81 (6.10.1837)
- Date
- 1837-10-06
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Kinor Naim, von Samuello Luzzatto und noch Einiges vorgeführt wird. Der Aussatz ist blos ein Versuch, daher ohne kritische Haltung; der Verfasser scheint die Geschichte der jüdischen Poesie von Delitzsch nicht zu kennen. — Ben Suta und Chavi Alkalbi, oder die ersten jüdischen Rationalisten. Wie in der christlichen Kirche der Rationalismus, seit Richard Simon bis auf Paulus in Heidelberg, in dem Wegläugnen alles Wunderbaren aus de» heiligen Schriften, überhaupt in der Abneigung gegen alles Supernaturale ,sich bekundete, eben so finden wir in der jüdischen Kirche um 900 den Rationalismus in Babylonien, repräsentirt durch Ben Suta und Alkalbi. Diese Männer führten nicht eine Opposition gegen den Talmudismus als solchen, sie verfolgten nicht eine einseitge karäische Schriftdeutung; sondern sie läugneten alles Supernarurale, und wollten eine buchstäbliche grammatische Auffassung der mosaischen Gesetze. So führte schon, um nur einige Beispiele zu erwähnen, der rationalistische Alkalbi das Wunder der Mceresspaltung auf die Kenntniß von Ebbe und Fluth zurück (2bn Esra zu Erod. 14, 27.), das Manna - Wunder reducirte er auf das natürliche, in getrockneten Tropfen oder Körnern zu uns gelangende, von den Aerzten vielfach benutzte 'Harz, das bekanntlich noch jetzt von vielen Bäumen und Sträuchen des Orients, oder auch Südeuropa's, gewonnen wird (ders. zu Ex»d. 16, 13.), und vollends das Wunder der Gesichtsverklärung Mose's suchte er auf eine Merkwürdige Weise wegzudeuten (ders. zu Erod. 34, 29.). B e n - Suta sah es zwar weniger auf dieWegläugnung der Wunder ab, sondern er suchte vielmehr die Wegräumung der traditionellen Schriftauslegung zu erstreben (ders. zu Erod. 21,24.); dennoch war er sowohl als sein rationalistischer Genosse Ursache einer orthodoxen Reaction. Ihre schroffe Lehren forderten und reizten die jüdischen Gelehrten vielfach zur Bekampftrng auf, und es war die höchste Zeit, da bereits im Zeitalter SaadjaFsajumi's, im zehnten Jahrhundert, ihr Rationalismus bis zu den Elementarschulen durchgedrungea war (Jdn Daud im Dorot-Olam). Der erste Bekämpfer war Saadja Fajumi aus Egypten, der sowohl in eigenen apologetischen Schriften (niavcn, V-N127), als auch in seinem Bibel - Commentar und in seiner Re'ligiönsphilosophie (Lrounot 1, e. 2.), seine Bestreitungen niederlegre; ihm folgte ein Schüler Jbn Esra's, in dem Commentar zum Exodus, der gemeinhin dem I b n E sr a zugeschrieben wird. — Novitäten: RabbinischeCeremonialgebräuche in ihrer Entstehung und geschichtlichen Entwickelung, dargestellt von Moses B r ü ck (Breslau, 1837.8. XL und 82 S.). Dieses Büchlein bildet einen schönen Beitrag zur Geschichte der jüdischen Cultur und Religion, obgleich der Stoff nicht immer wissenschaftlich verarbeitet, die Form fast durchgehends hart und eckig, und die Schreibung der vorkoinmcnden hebräischen Ausdrücke sowie der Eigennamen gewöhnlich unrichtig ist. Die Einleitung giebt eine Skizze der Geschichte der jüdischen Gesetze von Mose dis zu den Verfassern der Mag ine Erez, d. h. bis 1688, abgetheilt in vier Perioden. Die erste Periode umfaßt die Zeit von Mose bis Esra, die zweite reicht dis auf Jehuda, den Mischna-Redacteur, die dritte schließt mit der Abfassung des Liberianischen Talmuds, und endlich die vierte Periode, welche mit Simon Kahira, Verfasser der Halako t um 740, schließt. Dann folgen zwölf Kapitel über einzelne Gegenstände der Cercmonialgesetze: 1)Taanit Bekorim, Fasttag der Erstgebornen; 2) Sefirä, die Frühlingstraucr; 3) die Bigilie des Septaden - Festes (Shebuot). Schon in der alten christlichen Kirche wurde Vigilia (französ. Teilte) die zur Verherrlichung hoher Feste denselben vorhergehende Nachtfeier genannt. 4) Tashlik, Wassergebet am Neujahrstage. 5) Kaparot, die Sühnopferung am Rüstrag des Sühnfestes. 6) Vigilie des Hosiana-Festes. 7)Kidush Lebana, die Mondesweihe, an jedem Neumonde. 8) T ekufa, derLluatembereykel. 8) Ausschütten des Wassers bei einem Sterbefallc und das Händewaschen nach einem Leichenzuge. 10)Jgrot Joledet, die Kind- Lett-Amulete. 11) Etwas über das Alenu-Gebet. l2)Dukan, der Priestersegen. Als Anhang wird das berüchtigte Testament des . Jehuda Chasid, sowohl im Original als auch in einer Verdeutschung mit Erläuterungen, mitgetheitt. — Für das Brock ha us'sche Conversationslexicon bearbeitete alle Artikel, welche jüdische Geschichte und Literatur betreffen, der bekannte Dr. Iunz in Berlin; für das R eichend ach'sche, wie jetzt bei der Vollendung der Redacteur in der Vorrede bemerkt, bearbeitete die Attikel für Jüdisches und Orientalisches Dr. I. Fürst, und von Letzterem sind auch die meisten Artikel für jüdische Geschichte und'Literatur im Brüggemann'scheu Conversationslexicon. — Handschriften der berühmten jüdischen Divina Comntedia des Mose di Rieti, des hebräischen Dante Alighieri> finden sich gegenwärtig bei Reggio in Görz, bei Luzzatto in Padua und in der de Rossi'schen Bibliothek (No. 1360), welche jetzt die Herzogin von Parma besitzt. DiRieti's Werk führt den allgemeinen Titel rrsv und zerfällt-in zweiTheile, dessen erster dessen'zweiter heißt. Nach einer Angabe bei de Rossi wurde unser Dichter im Jahre 1388 geboren, begann sein großartig angelegtes Werk erst in seinem acht und zwanzigsten Lebensjahre und vollendete cs nach 20 Jahren, 48 Jahre alt. Di Rieti war auch, der erste Jude in Italien, der sich in Schriften seiner Landessprache bediente, denn von ihm ist eine Ethik in italienischer Sprache vorhanden, die sich in der Bibliothek zu L e y d e n (No. 10.), in der S c a l i g e r'scheu Sammlung, befindet. Er hat auch viele philosophische Werke geschrie- Medizinische Aphorismen, in metrischen hebräischen Versen. Der durch seinen Divan Tachkemoni bekannte Dichter Alcharizi schrieb auch medizinische Aphorismen in didactischpoetischer Form, benannt rpia niM3*|, und eia gleichnamiges Werk verfaßte ein Gelehrteredidj a 'Karsman, in späterer Zeit. Die Alcharizi'schen Aphorismen find bereits hinter dem Werke Likute Pardes zu Ferrara (1552) und Solkiew (1782) im Drucke erschienen, das Kars man'sche ähnliche Werk hingegen liegt noch handschriftlich im Batican Ro.271. — Sechzig Jahre lang haben die Biuristea (Verfasser' der Bibelcommentare unter dem Namen Biurim) die Exegese unserer heiligen Schriften gehandhabt, nämlich von 1770—1830; aber seit den letzten Jahren erhielt das Bibelstudium einen wiffcuschastlichen, der protestantischen Theologie analogen Gang. Die ersten Impulse gab der Philosoph Mendelssohn, und diese philosophirende Richtung, welche die Tiefen der Sprachforschung und der Kritik, überhaupt des Historischen, zu vermeiden strebt, blieb als eigenthümlicher Zug durch die ganze Biurim- Literatur. Erst seit 1831 zeigen sich die sichtbaren Spuren einer historisch - kritischen auf Linguistik im höchsten Sinne ruhenden Exegese bei den Juden. — iSortsetzuog folgt.) Anzeiger. Ja demselben werden Aaaoacea aller Art gegea Er. Geböbrrn für die gespaltene Zelle aus Petit-Schrift oder deren Raum curfgenommen. Die Verlagshandlung. Erziehungsanstalt. Mit Michaelis dieses Jahres habe ich meine bisher"stets von 12—15 Zöglingen besuchte Erziehungsanstalt, weil meine Amts- und anderweitigen Arbeiten mir nicht mehr gestatten, sie in diesem Umfange pflichrgetreu zu leiten, aufgehoben, und insofern reorganisirt, als ich die Zahl der Zöglinge auf Vier ein für allemal beschränkt habe, die nun eine erhöhete, ganz persönliche Beaufsichtigung meinerseits genießen. Der feste Preis der Pension, außer Schulgelder, ist auf 200 Thlr. Pr. Et. bestimmt. Magdeburg, im September 1837. Or. Ludwig Philippson. Redacteur: Dr. L. Philippson. — Verlag von BaunrgärtverS Buchhandlung. — Druck von W. Haack.