Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-05 · Heft 80 (5.10.1837) · p. Seite 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 80 (5.10.1837)
Date
1837-10-05
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224819--00541-3298847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

319 insbesondere in Bezug der Vergleichung mit der hebräischen und chaldäischen Sprache, über deren Literatur wir auf die Vorrede im Wörterbuche des Gesenius verweisen. 6) Realkenntnisse zur Auslegung der heiligen Schrift, antiquarischen, geographischm, geschichtlichen, chronologischen, naturwissenschaftlichen Inhalts (nach Hanzel's, Winer's bibl. Reallexicon, Bochart, Jahn, de Wette, Celsius, Rosenmüller u. A. Auch neuere Reisebeschreibungen nach Palästina sind hier von großem Nutzen, deren . wir eine Reihe von Paulis in Bezug auf Schrifterklärung besitzen). In diese Rubrik gehört dann auch Alles, was die historisch-philosophische Erklärung betrifft, so daß der Exeget mit dem Geist und der Denkatt der Zeit der einzelnen Schriften bekannt sein muß, mit dem Geiste der Poesie, Philosophie u. s. f. (Herder). Nach einem so umfassenden Studium der Exegese und der nöthigen Bekanntschaft mit der Theorie der Auslegung, der Hermeneutik, wird es bei hinlänglichem Talent auch nicht schwierig werden, in der hermeneutischen Kunst Fortschritte zu machen, die allerdings Talent und U e b u n g erfordert. Bei diesen Uebungen im Jnterpretiren beobachte man folgende methodologische Regeln: 1) zuvörderst lese man die Schrift, die man genau interpretiren will, cursorisch durch, um sich im Allgemeinen mit ihrem Geist, Inhalt und der Sprache bekannt zu machen; 2) hierauf lasse man einen Entwurf der Hauptgedanken und ihrer Folge und Anwendung folgen, man mache sich ei» Schema über das Buch; 3) man übersetze sodann die Stelle oder den Abschnitt wörtlich und genau, hüte sich aber die gewöhnlichen Ausdrücke sogleich für die verständlichsten zu halten.^ Eine ganz literate Uebersetzung erweckt oft gar keinen deutlichen Begriff, da die Sprachen verschieden sind; 4) man begnüge sich nicht, wenn man in einer Stelle einen an sich wahren und schicklichen Sinn gesunden hat, sondem untersuche, ob es auch der erweisliche Sinn sei, besonders bei der Vieldeutigkeit so vieler . Wärterin der Bibel; 5) man versuche anfangs immer auch bei schwerem Stellen dm Sinn selbst zu mtdeckm, als daß man bei einer Schwierigkeit sogleich seine Zuflucht zu den Hilfsmitteln nehme; durch eigmes Dmkm und Forschen werdm oft die besten Erklärungen geftrndm; 6) am sorgfältigstm hüte man sich vor dem Einfluß gewisser philosophischer und theologischer Idem und Meinungm (eine Klippe, woran so viele jüdische und christliche Theologen bei der Interpretation scheitem); 7) Obgleich die Erklärung der Bibel für praktische Zwecke es nicht nöthig zu habm scheint, sich so streng an die gelehrte grammatische Auslegung zu haltm, so sollte doch billig auch der praktische Religionslehrer sich bestreben, seine Texte hmnmmtisch richtig aufzufassen. Jedoch kann es Fälle gebm, wo der praktische Zweck überwiegendes Erfordemiß ist, nammtlich ist es dem jüd. Religionslehrec oft nothwmdig, in die frühere Jnterpretationsmanier der Rabbiner einzugehen. (Fortsetzung folgr.) Belletristik. Au den klagenden Juden. (Eingesandt.) Sie singen wohl, — doch nicht von ihren Schmerzen, Sie singen nicht von ihrem Weh und Gram. Dein Schmerz? er ist erheuchelt — nicht im Herzen, Erfunden ist dein Weh, nichtig dein Gram! Wozu das jämmerliche Psalmenjammern, Wenn der Erlöser dir Erlöser ist? Was hindert dich, dich fester anzuklammern? Den Mantel ab! — Sei Jude oder Christ! Hast keinen Gotr der Liebe? — O du Armer Ist das dein Schmerz, dein Weh? Heilloser Spott! Und du, mein Volk: dein Gott wär' kein Erb armer? —: Daß Gott'erbarm'! dann ists Jacoby's Gott! Schließ deinen Tempel! dein Gebet verstumme! Hast keine Versöhnungs-Geschichte mehr! Keine Versöhnung?! das ist eine dumme Geschichte! pfiffig-dumm! — Jehova wär' Nicht Gott der Christen'auch? Bist du ein Heide? — Wer that denn eigentlich dir was zu Leide? Ward dir des Vaters Ruf: »Nach Norden walle! - Ist dieser Norden auch dein Vaterland? »Mein ist die Erde!« — spricht der Herr — »und Alle Seid meine Kinder ihr.« Wo wird Jemand Gebraten noch? Bist auch kein Hu st, du Hase! Wer bohtt dich? Nadelstiche gib zurück! »Und Nasenstüber?« — Bav hat ja auch 'ne Nase. »Der Hans schimpft!« — Ja, das ist Grund zu klagen, Mißgeschick! Man lacht, läßt selbst ein Priester sich's gelüsten, Fanattsch sich mit Judenhaß zu brüsten. Behaglich strecket auf geweihtem Pfühle Der Stolz sich; Dulder ruh'n-im Grab bequem. Leicht werde einst die Erde dir, die kühle; Wozu der Moder aus Jerusalem? - Ist ftemd die Mutter Erde dir, wo deine — Wo deines Vaters Wiege stand? Wo stand Der heuigen Deutschen Wiege? Wohl im Haine Der Druiden? — in Odins Vaterland? Die wilden Fremdlinge, so wie die zahmen. Aus fremden Fernen Löw' und Affe kamen. Geschleudett hast als Knabe du Brandfackeln In Tempel und Paläste? — Schauderhaft! Doch stehn noch alle! Keinen Stein zum Wackeln Bringt Knabenwuth, wo Liebe, Treu' und Kraft Mit Gott und König bauen, Watten, schützen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.