Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-05 · Heft 80 (5.10.1837) · p. Seite 318

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 80 (5.10.1837)
Date
1837-10-05
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224819--00540-3298846
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

318 The 0 (0 g r e. Z d e e n Encyclopädie und Methodologie jüdischen Theologie Br. Uri. (Fo rtsetzung.) Solche Ideen und Ansichten, die, wie gesagt, zuvörderst noch gar nicht von der dogmatischen und moralischen Wichtigkeit herrühren, bringe man zum Studium der bibl. Bücher mit. 'Man sei erfüllt von innerer Ehrerbietung und bewahre sich vor übereiltem Urthcil und Vorurtheil. Spricht dann auch anfangs die bibl. Exegese weniger an, als die clafsische, bei tieferem Eindringen wird sich das andern. Um nun zu gründlicher Kenntniß der bibl. Exegese zu gelangm, ist es zuvörderst nothwendig, sich eine isagogische Uebersicht und Einsicht in Betreff der biblischen Bücher zu verschaffen, insofern sie die Geschichte der Sammlung mit einer Erläuterung des Begriffes Canon und -der Lehre von der Aechth eit der Schriften, also auch die Kritik des Textes, der Anordnung u. s. f., die Literatur (Ausgaben, Uebersetzungen u. dgl. m.), die Hilfskenntnisse (Archäologie, Hiewbotanik, Hierozoologie) umfaßt. Dann ist es wiedemm das Studium der Grundsprache, welches das nochwendigste Requisit zur exegetischen Fertigkeit ist. Alles, was sich hierauf bezieht, pflegt man unter dem Namen der philologia sacra zu bezeichnen. Diese hat es für den jüdischen Theologen zu thun 1) mit der genauesten Kenntniß der hebräischen Sprache, 2) der chaldaischen und zwar sowohl des targumischen als talmudifchen Dialektes, 3) der übrigen orientalischen und besonders semitischen Sprachen, also deS Arabischen, Syrischen und Aethiopischen, zum Theil auch des Sanskrit. Das Studium des jüdischen Theologen reflektirt in dieser Beziehung zwar zuerst auf Grammatik und Lexikologie (pTrpn), dann wohl auch auf die Aufschlüsse, welche die Vergleichung mit den oben benannten orientalischen Sprachen und Dialekten nicht selten giebt/ endlich auch auf die Uebersetzungen der Bibel in den chaldäifchen Paraphrasen und den LXX, vorzüglich aber auf die tra- ,ditive Exegese des Talmuds und der Rabbiner. Es ist hier nicht der Ort, auf eine Kritik dieser Quellen der Exegese, besonders der zuletzt genannten, einzugehen, indeß insofern die talmudische und rabbinische Exegese ihren großen Einfluß auf das Judenthum und feine cheologischen Verhälmisse ausübte, insofem sie als das fortdauernde, nie aufgehörte Leben der hebr. Sprache sich geltend machte und.deswegen sehr oft wahrheitsvollere Kritik und klarern Ausschluß verschafft,' als. die spitzfindigste Comparafion, endlich indem sie jedenfalls den wichtigsten Beitrag zur Geschichte der Exegese innerhalb des Zudenthums giebt, ist ihre Kenntniß ein unerläßlich^ Requisit für jeden Bibelforscher', besonders den jüdisch-theologischen. Freilich hat das Studium des Talmuds und der Rabbiner in jetziger Zeit sehr große Schwierigkeiten, größere als das der übrigen exegetischen Quellen,' weil die traditive Methode des Studiums jetzt seltner geübt, wenigstens höchst selten auf eine dem jetzigen wissenschaftlichen Standpunkt angemessene Weife getrieben wird, allein die wissenschaftliche Methode ist schon bedeutend durch die . Arbeiten Buxtorf's, Surechusius, in neuerer Zeit Bondi's, Landau's, Winer's, Fürst's, vorbereitet,- und außerdem muß der jüd. Theologe, so lange keine jüdische Facultät an einer Universität besteht, solche Männer um Unterweisung angehen,. welche Talmud und Rabbiner noch auf alte traditive Weise erlemt haben. Vollkommen ist aber unsere Ueberzeugung, daß nur auf diesem Wege ein jüdisch - cheologischer Exeget gründlich gebildet werden kann. Was nun die speziellere Mechodik in diesem Betreff und die Stuftnfylge des Swdiums betrifft, so begnügen wir uns hier, einen allgemeinen Umriß zu geben. 1) Genaues statarisch-exegetisches Studium dersammtlichen biblischen Bücher mit Hilfe der Grammatik (Hartmann, Vater, Gesenius, Ewald, aber auch der jüdischen Grammatiker Ebn Ezra, Kimchi, Benseeb, Heiden heim u. A.) und des Le.xi- ' kon's (Kimchi, Simon, Gesenius, Winer). — Anhören der Vorlesungen über Einleitung in's A. T. — über einzelne Bücher desselben und Lectüre der Commentare und Bearbeitungen einzelner Bücher (z. B. Gesenius Jesaias, Umbreits Hiob.). — 2) Studium der chalda ischen Paraphrasen des Onkelos, Jonathan, mit Hilfe der Grammatik« von Winer, Fürst u. A. und der Lexika von Buxtorf, .Landau. — Anhören etwaiger Vorlesungen über diesen Gegenstand und Lectüre der hierüber vorhandmen Kritikm (Winer). 3) Swdium der rabbinischen Commentare von Kimchi,Esra, Rafchi, Mendelssohn, Wessely, und der griechischen, deutschen u. a. Uebersetzungen der Bibel. 4) Studium des Talmud's und seiner Erklärer in Bezug auf Exegese. "5) Studium der semitischm und orientalischm Sprachen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.